Herz und Hirn

Elf Abiturienten legten einen Einser-Abschluss hin. Dafür gab es bei der Verabschiedung reichlich Komplimente von Schulleiter Dr. Anton Hochberger (rechts) und stellvertretender Landrätin Margit Kirzinger (Zweite von links). Bild: Hartl

Die Neustädter Abiturienten haben ihr Gymnasium in der Abschiedsrede "Lokal zum grauen Bunker" getauft. Der triste Name passte gar nicht so recht zum optimistischen Grundton der Zeugnisverleihung, bei der Geistesriesen wie Schiller und Konfuzius mit am Tisch saßen. Gleich neben Alice Cooper.

Wenn das Abitur als Eintritt ins Erwachsenenalter gilt, trifft das vor allem auf die Mädchen zu. Mondän hatten sie sich für den allerletzten Schultag aufgebrezelt. Manch eine verlieh der Bunker-Aula fast einen Hauch von Opernball. Die 62 Absolventen - einer hatte nicht bestanden - zeigten durch die Bank schon äußerlich, dass ihnen der Abschluss einiges bedeutet. Zu viel sollten sie sich nicht davon versprechen, mahnte Schulleiter Dr. Anton Hochberger: "Das Abitur ist keine Garantie für Erfolg im Leben." Stellvertretende Landrätin Margit Kirzinger stieß ins gleiche Horn. "Es ist noch nicht Schluss", warnte sie mit Alice Cooper: "School's out, aber nicht forever." Und Elternbeiratsvorsitzender Roland Kusche resümierte, dass das Leben der Schulabgänger bisher "gepampert und in Noppenschutzfolie verpackt" verlief.

Es soll Spaß machen

Was jetzt kommt, sollte die jungen Leute trotzdem nicht zu sehr belasten, meinten alle Redner. "Haben Sie den Mut, das zu tun, was Ihrer Neigung entspricht", ermunterte Hochberger. Sein Kronzeuge war Konfuzius: "Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag mehr zu arbeiten." Schließlich geht es im Leben um mehr als um Geld, unterstrich Kusche. "Wenn Sie Origami-Künstler werden und dabei glücklich sind, haben Sie dasselbe erreicht wie ein Top-Manager."

Die Schülersprecher Jonas Walberer und Laura Lucas kühlten so viel Pathos mit einer ironischen Rede angenehm runter. "Wir werden Ihre künstlichen Hüften einsetzen, Ihre Rollstühle bauen und Ihre Ehen scheiden", hielten sie den Eltern und Lehrern entgegen. Dafür sei das Abitur schließlich auch gut.

Es sei das Dessert eines Drei-Gänge-Menüs aus gut verdaulichen Grundschulhäppchen und einer üppigen Gymnasialzeit, bei der einen nur die Aussicht auf den leckeren Nachtisch Abitur dazu motiviert habe, noch etwas mehr in sich hineinzustopfen. Mit den Köchen und Kellnern des Lehrkörpers waren die Pennäler ganz zufrieden. "Manch einer hat aber auch die Suppe versalzen oder über den Schoß gekippt", erlaubten sie sich doch noch einen Rempler.

Hochberger nahm es nicht krumm. Der Jahrgang 2015 habe das Herz am rechten Fleck. Das bewies er mit Standing Ovations für Julian Ziegler. Er ist der erste Autist, der in Neustadt Abitur gemacht hat. In breitestem Oberpfälzisch blickte der Plößberger humorvoll auf all die Jahre zurück, in denen er vor allem seiner Schulbegleiterin Helga Markl viel zu verdanken hatte. Unter dem Jubel der Mitabiturienten erhielt er sein Zeugnis. Der graue Bunker entpuppte sich in diesem Moment als romantisches Plätzchen voller Wärme.
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