Hochschulreife unter besonderer Berücksichtigung der Feierwut

Ach, mal wieder richtig albern sein: Darfmanjanichtmehr. Wirkt lächerlich. Hat nichts mit Erwachsensein zu tun.

Klassenzimmer-Schwamm drüber - Abitur ist nur einmal im Leben. Mehr Grund braucht es nicht, um nochmal richtig die Sau rauszulassen. Jawohl, so dürfen sich angehende Akademiker auch ausdrücken. Am Gymnasium auf dem Felixberg feierten 65 Abiturienten am Dienstagvormittag den Lernschweiß der vergangenen Wochen und Jahre mit Wasserbomben und reichlich Bier weg. Standesgemäß ging dazu im Pausenhof ein Mathe-Ordner in den Flammen einer Feuerschale auf. Später kamen an gleicher Stelle Bratwürste auf den Rost.

Das alles lief unter dem Motto Abi-Scherz. Dazu verstellten die Jugendlichen in der Nacht zum Dienstag Tische und Bänke im Schulhaus, dekorierten das Lehrerzimmer um, baten ihre Pauker zu einer Runde "Herzblatt", organisierten ein Fußballspiel gegen die Lehrer und kündigten ihren jüngeren Mitschülern per Durchsage einen spontanen Leistungstest des Kultusministeriums an. Einige Pädagogen fanden ihre Autos mit Klopapier eingewickelt.

Das alles mag nicht übermäßig neu und originell sein. Aber es gehört eben dazu. "Niemand fiel aus der Rolle, keine Sachbeschädigung", drückte auch Schulleiter Dr. Anton Hochberger die Augen für drei Stunden Anarchie vor der großen Pause zu.

Für den Chef hatte sich ein 35-köpfiger harter Kern um Jonas Walberer, Paul Geuß, Andrea Riedl und Pia Schmidt eine besondere Überraschung ausgedacht. Hochberger fand das Fenster seines Zimmers mit Fotos leichtbekleideter Damen bedeckt. Ob ihn das gestört hat? "Also vorhin hing alles noch dran", grinsten feierwütige Pennäler zur Antwort in ihre Bierflaschen. Abi ist einfach herrlich albern.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.