Hundertfacher Dank

Für das Landesamt für Digitalisierung und Breitband könnte auf dem früheren Baywa-Gelände in Windischeschenbach ein Neubau entstehen. Landrat Andreas Meier hält aber auch das Areal der ehemaligen Porzellanfabrik für geeignet. Bild: Götz

Andreas Wutzlhofers Stimmung könnte am frühen Mittwochnachmittag durch einige Loopings gesaust sein. Ausgerechnet auf einer Beerdigung hat er erfahren, dass seine Stadt 40 neue Arbeitsplätze bekommt. Kaum zurück im Amtszimmer, darf der Vohenstraußer Bürgermeister alle Trauer vergessen und sich richtig freuen.

"Ein tolles Gefühl", platzt es aus ihm heraus. "Nach vielen Versuchen, etwas zu bekommen, haben wir endlich einen Treffer gelandet." Minister Markus Söder beschenkt die Stadt mit der "Zentralen Reiseservicestelle Bayern", in der 40 Menschen arbeiten. Was das genau ist, weiß Wutzlhofer nicht. Offenbar handelt es sich um eine Behörde, in der für den gesamten Freistaat die Reisekosten von Staatsdienern erfasst und abgerechnet werden.

Dafür hat der Rathauschef präzise Vorstellungen, wo er die Beamten unterbringen könnte - ins alte Amtsgericht an der Friedrichsburg. Sollte er eines Tages das neue Amtsgericht gegenüber dem Krankenhaus verlieren, wäre auch das ein möglicher Sitz. Wutzlhofer hatte sich im August mit einem Brief bei Ministerpräsident Horst Seehofer um eine Behörde beworben und argumentiert, dass seine Stadt seit dem Verlust des Landkreissitzes 1972 drei Ämter und die Berufsschule abgeben musste. Zudem seien 2000 Arbeitsplätze im Bereich Glas, Porzellan und Textil verloren gegangen. Im Oktober schob er ein Schreiben an das Heimatministerium hinterher. Darin machte Wutzlhofer die Friedrichsburg als Behördenstandort schmackhaft. Erstens gehöre sie bereits dem Freistaat, zweitens sei die Stadt bereit, eine Heizung einzubauen und die Burg ans nahe Fernwärmenetz anzuschließen.

Ganz ähnlich wie Wutzlhofer hat sein Windischeschenbacher Kollege Karlheinz Budnik in München angeklopft. Die Stadt habe in 15 Jahren rund 900 Einwohner und 1500 Arbeitsplätze verloren. Nun soll dies abgefedert werden, indem das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung mit 60 Beschäftigten an die Waldnaab zieht. Windischeschenbach ist damit Teil eines Doppelstandorts mit Waldsassen, wo die gleiche Behörde 70 Mitarbeiter unterbringt. Sie soll sich um digitale Landkarten kümmern.

"Mulmiges Gefühl"

Ähnlich wie der Vohenstraußer Bürgermeister hat auch Budnik kein Bild vor Augen, was er sich darunter vorstellen soll. Er weiß indes, dass dafür ein Neubau am besten wäre. Für den hat er gleich drei Vorschläge, zwei davon in der Bahnhofstraße. Einer ist das frühere Baywa-Gelände neben der Stützelvilla. Zudem könnte sich der Rathauschef vorstellen einen Trakt der Schule loszueisen. "Der Komplex ist auf 1000 Schüler ausgerichtet, wir haben aber nur noch 300."

Weil laut Söder nicht Personen, sondern Planstellen umziehen sollen, rechnet Budnik damit, dass erst in 10 bis 15 Jahren die Beamten in seine Stadt kommen. Dennoch spricht er von einem Glücksfall, vor allem weil er nicht damit gerechnet habe, dass gleich zwei Städte im Landkreis zum Zug kommen. "Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, weil Vohenstrauß ja die größere Stadt ist." Dagegen sei schon vorher durchgesickert, dass Grafenwöhr und Eschenbach, die erst im Herbst und Winter Bewerbungen abgegeben haben, aus dem Rennen waren. Grafenwöhrs Rathauschef Edgar Knobloch ist einerseits ein bisschen enttäuscht, freut sich als ehemaliger Wirtschaftsförderer des Kreises aber vor allem für Windischeschenbach. "Die Breitbandbehörde ist super."

Er selbst habe in München ein barrierefreies Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der Baufirma HSG angepriesen. Das gehört inzwischen der Stadt. "Ich konnte das aber erst im September machen, weil ich vorher keinen Stadtratsbeschluss für das Gebäude hatte." Freude pur herrscht dagegen bei Landrat Andreas Meier. "Ich sitze mit breitem Grinsen da", beschreibt er sich am Telefon. 100 Arbeitsplätze, das mache sich schon kräftig bemerkbar. "Ich hatte eigentlich nur mit einem Standort gerechnet, jetzt bekommen wir zwei von vier: riesig." Dass er als Windischeschenbacher dabei vor allem an seine Heimatstadt gedacht habe, weist er von sich. "Ich bin immer nur für den Landkreis eingetreten." Auch Wutzlhofer hält Meier Fair Play zugute.

Einladung folgt

Also dürfen sie sich alle loben. Die Bürgermeister den Landrat, die Abgeordneten den Minister und der Minister sich selbst. Zum Dank ans Heimatministerium will Meier den Strukturwandel flüssig voranbringen. "Wenn der Minister und der Staatssekretär das nächste Mal kommen, lade ich zum Zoigl ein."
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