Im Landkreis Neustadt/WN sind noch Kita-Plätze frei
Lasset die Kinder kommen

Nina, Fiona, Leni und Elli (von links) sind in der Kita Don Bosco in Vohenstrauß gut aufgehoben. Kinderpflegerin Jutta Löffler hat beim Spiel mit Luftballons auch die motorischen Fähigkeiten der Krippenkinder im Blick. Bild dob

Eltern verklagen ihre Stadt, weil sie ihnen keinen Kita-Platz anbietet. So geschehen in Leipzig. Im Landkreis wäre das undenkbar. Vielerorts sind noch Plätze frei. Der Trend geht immer mehr dazu, bereits Einjährige aufzunehmen.

Das Kinderhaus St. Pankratius in Parkstein offeriert 24 Krippenplätze. In der Regel werden sie für zweijährige Kinder gebucht. Seit einiger Zeit kommen aber auch Jüngere. Leiterin Jutta Kellner-Schreml erkennt einen direkten Zusammenhang mit dem Elterngeld. "Sobald es nach 12 oder 14 Monaten ausläuft und die Eltern in den Beruf zurückwollen, kommen die Kleinen zu uns."

Kaum einer wartet mehr, bis Sohn oder Tochter drei oder vier Jahre alt sind und in den Kindergarten gehen könnten. "Früher, als es mehr Kinder gab, waren die auf der Straße. Dort sind immer weniger Spielkameraden zu finden. Die sind heute in der Kita, und Kinder wollen nun mal unter anderen Kindern sein", erklärt Kellner-Schreml.

In der Regel schicken Mütter und Väter ihre Kleinen fünf bis sechs Stunden in die Krippe. In Parkstein sind als Minimum vier bis fünf Stunden möglich. Die kosten 88 Euro pro Woche. Damit ist St. Pankratius günstig.



Im Landkreis gibt es zurzeit 34 Krippen mit 551 Plätzen für Unter-Dreijährige. Im Durchschnitt kosten vier bis fünf Stunden 109 Euro. Am preiswertesten macht es Georgenberg mit 58 Euro. Leiterin Anja Thalhauser erklärt dies mit der Flexibilität der Mitarbeiterinnen. "Wir werden zwar nach Tarif bezahlt, aber passen unsere unbefristeten Verträge jedes Jahr an, je nachdem wie viele Stunden gebucht sind." Das bedeutet, dass die Geldbeutel der Erzieherinnen dünner sind, wenn weniger Betreuungszeit anfällt.

Am tiefsten müssen Eltern in Schirmitz und Pirk in die Tasche greifen. Dort sind mindestens 160 Euro fällig. "Vielleicht kalkulieren wir besser als andere, wenn ich nur an das Tohuwabohu in Weiden denke", vermutet Ernst Lenk senior, der Kindergartenbeauftragte in Schirmitz. Vergangenes Jahr habe dort die Vorschule mit 25 000 Euro Defizit abgeschlossen. "Damit dürften wir im Mittelfeld liegen." Niedrige Arbeitslosenquote, erstmals seit Jahren wieder steigende Geburtenzahlen - die Nachfrage nach Krippen im Kreis hält an, auch wenn mancherorts nicht alle voll belegt sind, wie in Pressath oder Eslarn. In Windischeschenbach, Kohlberg und Irchenrieth sollen neue Plätze entstehen. In Letzau öffnet im Mai die neue Kita für zwölf Dreikäsehochs. Doch dafür liegen gerade mal zwei Anmeldungen vor. Je zwei Eineinhalbjährige sollen im September und November dazukommen.

Am Bedarf hat die Gemeinde nicht vorbeigeplant, versichert Bürgermeisterin Marianne Rauh. Erstens hätten die Eltern einen Rechtsanspruch, zweitens gehe es darum, mit der Krippe auch den bestehenden Kindergarten "Löwenzahn" zu sichern. "Wenn die Leute ihre Kleinen erst einmal in die Krippe nach Weiden oder Waldthurn gegeben haben, bleiben die auch im Kindergartenalter dort", fürchtet Rauh. "Und bei dieser Förderquote mussten wir einfach bauen", betont die Bürgermeisterin. Von 440 000 Euro Gesamtkosten übernimmt der Freistaat stolze 340 000 Euro.

Das Landratsamt ist zufrieden. "Die Gemeinden im Kreis sind ihrer Planungspflicht nachgekommen." Alle Eltern, die eine Kita wünschten, bekämen für ihr Kind einen Platz in ihrer Gemeinde oder der näheren Umgebung. Rechnet man Kindergärten, die bereits Unter-Dreijährige aufnehmen, sowie Tagesmütter dazu, tummeln sich derzeit zwischen Eslarn und Kirchenthumbach rund 630 kleine Buben und Mädchen bei Pädagoginnen.

Acht Orte noch ohne

Die Bedarfsplanung ist komplex. Mal laufen die Anmeldungen schleppend an, dann spricht sich das Angebot herum und ein Boom setzt sein. So etwa in der Kita St. Joseph in Neustadt/WN, wo auch Kinder aus Püchersreuth oder Störnstein mit Klötzchen spielen und Lieder lernen.

In der Regel sind dort, wo in der Nähe Jobs zu finden sind, auch die Kitas gut ausgelastet. Das trifft auf die Weidener Umlandgemeinden zu. In Parkstein gibt es zwar noch freie Plätze, doch die sind im März und April auch wieder belegt, versichert Kellner-Schreml. "Zumindest alle Parksteiner können wir nehmen, Interessenten aus Weiden und Pressath müssen wir absagen." Acht Orte sind noch weiße Kita-Flecken: Irchenrieth, Flossenbürg, Trabitz, Püchersreuth, Leuchtenberg, Kirchendemenreuth, Vorbach und Tännesberg. Rechtsanspruch hin oder her: Vor allem der Landkreis-Osten ist nicht so versessen darauf, Unter-Dreijährige in die Krippe zu geben. "Wir haben die Eltern angeschrieben. Es ist einfach kein Bedarf da", sagt der Tännesberger Bürgermeister Max Völkl. Der Kindergarten nimmt in seiner Gemeinde Einjährige auf, zudem agiere in Tännesberg eine rührige Tagesmutter.

Kampf ums Personal

Dem Rathauschef kann das recht sein, denn seine Kommune spart dadurch Geld. Überhaupt halten sich die Gemeinden zurück, wenn es um die Trägerschaft geht. Nur fünf Kitas sind in öffentlicher Hand. Die meisten arbeiten unter kirchlicher Leitung. Gleichwohl müssen die Rathäuser bei der Bezahlung einspringen. Angefangen beim Personal. "Der Kampf um gute Kräfte wird härter", prophezeit Christina Gebhard vom Kreisjugendamt. "Aber von Zuständen wie in München sind wir weit entfernt. Dort schreiben die Kitas Stellen aus und bekommen teilweise keine einzige Bewerbung."

Ouoten in den Bundesländern

Die Zahl der Kinder unter 3 Jahren in Kindertagesbetreuung ist zum 1. März 2014 gegenüber dem Vorjahr um rund 64.500 auf insgesamt knapp 660.800 Kinder gestiegen. Der Anstieg fiel damit stärker aus als in den Vorjahren. Zwischen März 2011 und März 2012 hatte sich die Zahl der betreuten Kinder in dieser Altersklasse um fast 43.800 erhöht, zwischen März 2012 und März 2013 nur um rund 38.100. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anhand der Ergebnisse zur Statistik der Kindertagesbetreuung weiter mitteilt, lag die Betreuungsquote am Stichtag bundesweit bei 32,3% (2013: 29,3 %).


Zahlen für Bayern

In Bayern stieg von 2002 bis 2014 die Zahl der Krippen stetig an. Die Zahl der Kindergärten nahm ab.




Seit 2008 nimmt die Zahl der Kindertageseinrichtungen, der genehmigten Plätze und der in der Kinderbetreuung tätigen Personen stetig zu.
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