Impfschwänzer im Visier

Zwischen 2013 und 2014 sank der Prozentsatz der Kinder mit unvollständigem Impfschutz.

Die Impfquote im Landkreis und in der Stadt Weiden ist relativ hoch. Das freut den Chef des Gesundheitsamts, Dr. Thomas Holtmeier. Weniger gefällt ihm, dass bei den jährlichen Impfbuchkontrollen in Schulen ein Viertel der Kinder auf Tauchstation geht.

Seit Montag sehen sich Mitarbeiter des Gesundheitsamtes wieder die Impfbücher sämtlicher Sechstklässler in der Region an. Ist eine Auffrischung fällig oder fehlt etwas, legen sie einen Hinweis ins Geheft. Das Ganze läuft anonym, damit der Datenschutz gewahrt ist. Darauf haben die Schulen zuvor in einem Elternbrief hingewiesen.

Bei rund 25 Prozent der Kinder warten die Fachleute aber vergeblich auf die Impflisten. "Ich verstehe das nicht", sagt Holtmeier. "Das System ist komfortabel, und abgesehen vom optimalen Schutz besteht die gesetzliche Pflicht zur Vorlage der Ausweise." Wer sein Impfbuch also zurückhält, begeht eine Ordnungswidrigkeit, egal ob er es absichtlich macht oder verschwitzt. Noch belässt es das Gesundheitsamt bei Appellen und verhängt keine Strafen, doch das kann sich ändern.

Nochmal verbessert

Die Ergebnisse der Kontrollen stimmen Holtmeier und sein Team hingegen positiv. "Unsere Raten liegen bayernweit gut im Schnitt und haben sich von 2013 auf 2014 nochmal verbessert."

Das zeugt von guter Impfmoral. Dennoch reicht bei rund acht Prozent der Kinder der Schutz gegen Masern nicht aus. Das ist eine wesentlich bessere Quote als etwa in Oberbayern oder Berlin. Dennoch gibt es auch zwischen Eslarn und Kirchenthumbach Impfgegner, die in einer Vorbeugung gegen Masern mehr Schaden als Nutzen sehen.

"Ihre Argumente sind selten wissenschaftlich haltbar", sagt der Altenstädter Kinderarzt Dr. German Tretter. Er warnt davor, Risiken einer Infektion zu unterschätzen und nennt Beispiele aus der eigenen Familie: "Meine Cousine ist mit sechs Jahren an Masern gestorben, ein anderer Cousin musste in Erlangen zwei Monate künstlich beatmet werden, weil der Arzt zuvor Bedenken gegen eine Tetanus-Impfung gehabt hatte."

Vorsicht Meningokokken

Inzwischen haben aber fast 95 Prozent der Abc-Schützen bei der Einschulung eine Masern-Prophylaxe hinter sich, sagt Holtmeier. Die Eltern hören offenbar auf die Mediziner. Diese Erfahrung macht auch die Vohenstraußer Kinderärztin Dr. Doris Kurzka. "Einige wollen die Vorbeugung nicht schon für ihre Babys mit drei, vier Monaten, aber grundsätzlich kommen sie zu Impfungen." Manche befürworten auch Schutz gegen Röteln, aber nicht gegen Masern. In Deutschland ist jedoch nur ein Kombipräparat zugelassen.

Die Auswertung der Impfbücher aus dem Jahr 2014 zeigt, dass Schutz dann am häufigsten fehlt, wenn der Impfstoff noch nicht so lange auf dem Markt ist, etwa bei Windpocken. Deren Folgen sind noch einigermaßen überschaubar. Kritischer wird es bei Meningokokken. Die sind zwar vergleichsweise selten, aber in Nachbarlandkreisen auch bei Kleinkindern ab und an aufgetaucht. Mit einer Blutvergiftung oder einer eitrigen Hirnhautentzündung sind die Auswirkungen verheerend. Etwa die Hälfte der Sechstklässler hat dagegen noch nichts unternommen. "Bis zum 18. Lebensjahr sollten sie das nachholen", rät Holtmeier.
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