Imponierende Nachkriegsbilanz

Die Pfeife war sein Markenzeichen: 35 Jahre lang residierte Christian Kreuzer im Lobkowitzerschloss. Der schlitzohrige Jurist, der in der Sache hart sein konnte, leistete nach dem Krieg Pionierarbeit. Bild: Archiv

35 Jahre lang bestimmte Christian Kreuzer als Landrat die Geschicke des Landkreises - so lange wie kein anderer. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Sein Leben endete tragisch.

(ms) Der Kreistag wählte den gebürtigen Vohenstraußer am 24. Oktober 1949 im Alter von 34 Jahren zum Landrat. In der schwierigen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mangelte es an vielem. Es fehlten Schulen und Lehrer, Arbeitsplätze und Wohnungen, und, und, und. Die Wirtschaft lag am Boden.

Beachtliche Bilanz

"Die vielen Probleme stellten Kreuzer vor schier unlösbare Herausforderungen", würdigt Landrat Andreas Meier in einer Rückschau die Leistungen seines Vorvorvorgängers. "Er hat aber die Ärmel hochgekrempelt und angepackt." Unter seiner Regie entstanden die Krankenhäuser in Erbendorf und Neustadt. Auch die Erweiterung, der Um- und Neubau der Kliniken in Vohenstrauß und Eschenbach, der Landwirtschaftsschule in Weiden, des Berufsbildungszentrums für Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Kinderpflege in Neustadt, des Gymnasiums in Neustadt und der Berufsfachschule für Krankenpflege in Eschenbach tragen seine Handschrift.

Mit großem Einsatz und Erfolg bemühte sich der Mann mit der Pfeife um die Ansiedlung von Betrieben. Kabelmetall in Floß, Schöninger in Luhe, Polsterwarenfabrik Rasch in Meeerbodenreuth, Maya-Möbel in Schwarzenbach oder die Leistritz-Anlagentechnik in Pleystein sind nur einige Beispiele. Krönung war der Bau des Floatwerkes im Etzenrichter Forst in Weiherhammer. Erwähnenswert sind auch das Ferienwohnheim des Bayerischen Roten Kreuzes in Pleystein und das Ferienzentrum Gaisweiher in Flossenbürg. Hunderte Arbeitsplätze wurden geschaffen.

Wohnungsnot gelindert

Der CSU-Mann hatte schnell erkannt, dass für eine Aufwärtsentwicklung des Landkreises eine gute Infrastruktur unerlässlich ist. So trieb er den Ausbau der Kreisstraßen vehement voran. Allein zwischen 1972 und 1984 wurden 31 Millionen D-Mark verbaut. Damit einher ging der Wohnungsbau. 1951 war er Gründungsvorsitzender des Landkreissiedlungswerkes. Heute verwaltet die Genossenschaft über 650 Wohnungen. Jeder sollte auch ein Eigenheim bekommen.

Eine andere zukunftsweisende Entscheidung war 1967 die Gründung des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Steinwaldgruppe. Aktuell werden 35 Kommunen in den Kreisen Neustadt und Tirschenreuth jährlich mit 2,7 Millionen Kubikmeter qualitativ hochwertigem und billigem Wasser versorgt. Neustadt, Vohenstrauß, Altenstadt und Eslarn würdigten Kreuzers Engagement mit der Ehrenbürgerschaft. In Etzenricht und in der Kreisstadt gibt es eine Christian-Kreuzer-Straße. Bei Politikern, die so lange ein bedeutendes Amt bekleiden, wird es oft schwierig mit dem Ausscheiden. So war es auch bei Kreuzer, der am 30. April 1984 altersbedingt in den Ruhestand gehen musste. Damit wollte und konnte er sich nicht anfreunden. Hinzu kamen die negativen Auswirkungen der Bleikristallglasproduktion, bei der der Chef im Landratsamt jahrzehntelang die Augen zugedrückt hatte.

Tragisches Ende

Als seine letzte Hoffnung, ein Aufheben der Altersgrenze durch das Innenministerium, geplatzt war, wollte er wenigstens noch im nächsten Kreistag mitmischen. Zusammen mit seinen Mitstreitern, dem Störnsteiner Pfarrer Franz Skrzeczek und Andreas Lutz aus Eschenbach, gründete er eine Christliche Bürgerliste. Diese wurde aber aus formellen Gründen nicht zur Wahl zugelassen. Wenige Monate später, am 28. Oktober 1984, setzte Kreuzer im Krankenhaus Marktredwitz seinem Leben selbst ein Ende.
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