In den ersten neun Monaten des Jahres steigt die Zahl der Übernachtungsgäste im Landkreis
Schlechter Sommer, gute Zahlen

Von Januar bis Ende August verzeichnete der Landkreis 152 000 Übernachtungen. Das sind 5,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2013. Darin sind aber nur Hotels und Gasthöfe mit mehr als zehn Betten erfasst, nicht aber kleinere Anbieter von Ferienwohnungen.

So etwas freut Reinhold Zapf, den Tourismuschef des Landkreises. Er darf das als Lohn für die Arbeit seiner Abteilung am Landratsamt sehen, doch er weiß, dass manche Faktoren dieses Ergebnis rasch kippen können. So will ein Gasthof im östlichen Landkreis keine Urlauber mehr beherbergen, sondern Asylbewerber.

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Zapf legt Quartiergebern ans Herz, was Michael Braun, der Geschäftsführer des Tourismusverbands Ostbayern, empfiehlt. "Nutzen Sie die Chance, Ihren Betrieb zu modernisieren. Die Bedingungen sind optimal", warb Braun beim Tourismustag des Oberpfälzer Waldes in Parkstein (wir berichteten). Die Stichworte dazu lauten reduzierter Mehrwertsteuersatz, niedrige Zinsen und Wirtschaftsfördermittel über Regierung und Landkreise.

"Einzelne Betriebe haben das schon gemacht, aber es könnten mehr sein", sagt Zapf zur Situation zwischen Eslarn und Kirchenthumbach. "Mancherorts ist das Angebot schon schwierig." Wo, will er nicht verraten. Dass sich fehlende Zimmer in einem Ort weit auf die Nachbarschaft auswirken können, erläutert er mit einem Beispiel aus dem Landkreis Schwandorf.

Dort weigere sich ein Anbieter beharrlich, Wanderer nur für eine Nacht in der Ferienwohnung aufzunehmen. Doch sein Haus liegt am Nurtschweg, einem beliebten Fernwanderweg. Den muss ein Urlauber also verlassen, wenn er in diesem Abschnitt ein Quartier sucht. Durch so etwas kommt ein ganzes System durcheinander. Etwa das Thema "Wandern ohne Gepäck", das im Oberpfälzer Wald eine immer größere Rolle spielt, besonders entlang des Goldsteigs. Der Wanderer nennt seine Route, und die Quartiergeber fahren ihm sein Gepäck von einem Gasthof zum nächsten - sofern er rechtzeitig vorgebucht hat.

Service ist ein Erfolgsfaktor, den in Parkstein auch Fremdenverkehrsstratege Werner Taurer aus Österreich dick unterstrichen hat. Ein anderer ist Atmosphäre. "Die ist wichtiger als eine Sehenswürdigkeit", ist Taurer überzeugt. Also die gemütliche Enge beim Zoigl, die Begegnung mit Gleichgesinnten am Bocklradweg oder - zurück zum Service - das Angebot des ÖPNV, dass Wanderer bei Goldsteig-Etappen wie Leuchtenberg mit dem Bus zum Weidener Bahnhof weiterfahren können. "Auf so etwas legen Gäste viel Wert", betont Zapf.

Von Taurers Ideen, Landschaft etwa durch Kinobestuhlung oder einen Waldwipfelpfad in Szene zu setzen, hält der Neustädter viel. "Aber nur Ideen nützen nichts, da braucht es halt Investoren." Also versucht Zapf weiterhin, Trends aufzuspüren. Doch auch das hat seine Tücken. "Wir wollten groß ins Thema Mountainbiking einsteigen, aber da gibt es Probleme und Klagen von Grundstücksbesitzern, wenn ich nur an Downhill-Strecken denke."

Ältere Radler im Visier

Daher umgarnen die Neustädter Touristiker verstärkt Genussradler, die es gerne gemütlicher haben. Dazu gehört das E-Bike-Angebot. Es umfasst im Oberpfälzer Wald 37 Betriebe mit 52 Rädern. Doch auch hier heißt es, aufs Image aufzupassen, denn E-Bikes stehen oft im Ruch, etwas für Ältere zu sein. Gerade die seien aber eine attraktive Zielgruppe, wenn sie sich nicht mehr die Strapazen einer Fernreise antun wollen. "Man darf nur Senioren nicht unbedingt erzählen oder das Gefühl geben, dass sie alt sind", schmunzelt Zapf.
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