Integration im Mittelfeld

Faysal findet Ronaldo toll. Den Brasilianer, nicht den portugiesischen Gockel. Hassan ist Fan von Thomas Müller, und Osman hält viel von Schweini. Die drei Somalier kicken beim ASV in der A-Klasse. Dort sind sie Anspielpartner oder Passgeber - und erst nach dem Training wieder Asylbewerber.

Der Verein praktiziert Integration, ohne dass er ständig darüber spricht. Im Juli hat er die ostafrikanischen Neuzugänge aufgenommen. "Meine Nachbarin hat mich gefragt, ob die drei mal mittrainieren dürfen. Ich hab gleich zugesagt", erzählt Fußballabteilungsleiter Hans Wiesenbacher. Diese Nachbarin ist Petra Schaffarz, die im Auftrag der Allgemeinen Sozial- und Schuldnerberatung (AS) knapp ein Dutzend Asylbewerber in der Unteren Vorstadt betreut.

Stärken und Schwächen

Seitdem gehören Osman (20 Jahre), Faysal (24) und Hassan (18) dienstags und freitags auf dem Trainingsgelände am Felix zum gewohnten Bild. Zurzeit halten sie sich mit einem Hallenkick am Mittwochabend in der Realschulturnhalle fit. Trainer Ronny Regn hat die Jungs mit offenen Armen empfangen, kennt aber inzwischen ihre Schwächen. "Mit dem Laufen haben sie es nicht so. Und zum Treffpunkt kommen sie immer eine Viertelstunde zu spät." Auch auf dem Platz lief es nicht von Anfang an. "Die wollten halt gleich den Ball haben und loslegen." So ist das eben in Somalia, erzählt Faysal. "Feste Mannschaften und Vereine haben wir nicht. Wir spielen einfach mit Freunden." Regelmäßig Training, am Wochenende ein Spiel, mal auf der Reservebank, mal 90 Minuten auf dem Platz - die klaren Strukturen gefallen den jungen Männern. Umso mehr freut sich der Trainer über ihre Stärken: "Osman hat einen super Schuss, und Faysal ist ein Trickser." Ihr Deutsch klingt leidlich, auch wenn Regn ihnen großzügig ein "einwandfrei" in Sachen Kommunikation bescheinigt.

Der Coach achtet darauf, dass alle aus dem 21-köpfigen Kader mal zum Einsatz kommen. "Die drei Somalier kann ich aber nie zusammen spielen lassen." Regn setzt sie im offensiven Mittelfeld ein. "Wir sind einer der wenigen Vereine in unserer Klasse, die mit Viererkette spielen, da habe ich nicht so viele Möglichkeiten."

Das akzeptieren auch die Stammspieler. Die nehmen die Somalier nicht als Konkurrenten wahr, sagt Regn. "Die Kameradschaft bei uns stimmt." Die Afrikaner sitzen nach dem Match mit den anderen zusammen, vor sich ein alkoholfreies Bier. Obwohl Muslime, lieben sie außer Chicken Wings vor allem Bratwürste. Wenn im Sommer gegrillt wird, sind sie dabei. "Wir fördern sie wie alle anderen, und sie machen mit wie alle anderen", freut sich ASV-Chef Juan Vilas.

Bürokratisches Zeitspiel

Das Fördern kann bisweilen aber anstrengend sein. "Zwei Monate mussten wir auf die Spielerpässe warten", stöhnt Wiesenbacher. Ausländeramt in München, der DFB in Frankfurt - alle wollten gefragt werden. Seit neun beziehungsweise zehn Monaten lebt das Trio in Neustadt. Osman und Hassan besuchen die Weidener Berufsschule, Faysal verbringt seine Tage in der Unterkunft. "Was der Verein macht, ist eine hervorragende Abwechslung", sagt Fabio Schwanecke, der bei der AS ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und aus Gesprächen weiß, wie es mürben kann, wenig zu tun zu haben.

Im März eröffnet in der Zacharias-Frank-Straße eine neue Flüchtlingsunterkunft. Regn, Vilas und Wiesenbacher können sich vorstellen, dass dort weitere Verstärkungen für den ASV einziehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.