Intoleranz aussperren

Landrat Andreas Meier, Dr. Alfred Scheidler, dritter Bürgermeister Heribert Schubert und Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch (von links) besuchten die Asylbewerberunterkunft, in der es am Freitag gebrannt hatte. Der Aufenthaltsraum, in dem ein Möbelstück kokelte, ist immer noch nicht zugänglich. Bild: Hartl

Ein Fall, bei dem es noch keine neuen Erkenntnisse gibt, und einige Politiker: Das ergibt in der Regel viele Floskeln. So war es auch am Mittwochnachmittag. Das ist aber nicht so tragisch. Denn es geht vor allem darum, ein Zeichen zu setzen.

Die Politiker trafen sich bei der Asylbewerberunterkunft, in der möglicherweise ein Brandanschlag verübt worden war. Die Polizei ermittelt noch. Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch freute sich über das Kommen seiner Kollegen "über alle Parteigrenzen hinweg".

Landrat Andreas Meier (CSU) war ebenso anwesend, wie dritter Bürgermeister Heribert Schubert (SPD) und Dr. Alfred Scheidler, Jurist am Landratsamt. Gemeinsam wolle man ein Zeichen setzen, sagte Grötsch: "Wir sind eine Region, in der sich Menschen, die Schutz suchen, sicher fühlen können." Die Politik dürfe solche Vorfälle wie in Neustadt nicht tolerieren.

Künftig mehr Flüchtlinge

Grötsch betonte einerseits, dass man nicht die Augen verschließen dürfe. Andererseits lobte er das Engagement der Bürger: "Es ist schon teilweise rührend, was an Unterstützung läuft." Was das Thema Sicherheitskräfte rund um dezentrale Asylbewerberunterkünfte betrifft, sagte der Bundestagsabgeordnete: "Das können sich die Kommunen nicht leisten." Außerdem wäre eine solche "Bewachung" das falsche Signal.

Die Politiker suchten in der Asylbewerberunterkunft auch den Kontakt mit den Bewohnern. Der Aufenthaltsraum, in dem es brannte, ist noch immer mit Bändern abgesperrt. Die Gespräche gestalteten sich wegen des gebrochenen Deutsches der Flüchtlinge nicht einfach. Dennoch sprach der 34-jährige Emmanuel über die Ermittlungen der letzten Tage. Der Iraner betonte: "Wir möchten, dass die Leute gefunden werden, die Feuer gemacht haben." In der Unterkunft selbst sei es vor dem möglichen Brandanschlag ruhig gewesen. Emmanuel lobte "die netten Sozialarbeiter und die vielen guten Leute".

Landrat Meier solidarisierte sich und schlug in dieselbe Kerbe, sprach aber auch noch andere Themen an. Weil der Bund soeben erst die Zahl der in diesem Jahr ankommenden Asylbewerber auf 800 000 nach oben korrigierte, glaubt der Landrat an direkte Auswirkungen für Neustadt. Er vermutet, dass das derzeitige Notfallkontigent (derzeit 200, die in der Gymnasiumsturnhalle untergebracht werden können) nach oben korrigiert werden muss. "Die Realität diktiert uns aktuell die Handlungsfelder." Meier ist momentan auf Standortsuche. Das hatte er bereits nach dem Asyl-Gipfel in Regensburg am Dienstag geäußert.

"Alle anpacken"

Die aktuelle Lage sei "eine Herausforderung und Anstrengung". Gerade deshalb forderte er, dass "alle anpacken". Ein Appell ging an den Bund. Meier wünscht sich, dass die anfallenden Verwaltungskosten der Kommunen erstattet werden. Pensionäre zurückzuholen, wie es viele Gemeinden und Städte in Betracht ziehen, schloss der Landrat ebenfalls nicht aus. Allerdings könne Neustadt die Arbeit aktuell noch bewältigen.
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