Jugendarbeit auch ohne Stützelvilla

Wir haben, wenn auch schweren Herzens, zugestimmt.

Wegen hoher Sanierungskosten und des Rekorddefizits wird der Kreisjugendring wohl künftig auf sein Jugendtagungshaus verzichten müssen. In Zukunft sitzt in der Stützelvilla möglicherweise eine Abteilung des Landesamtes für Digitalisierung.

(bgm) "Hätte mir jemand im April gesagt, dass wir uns heute zur Herbstvollversammlung in der Stadthalle einfinden - ich hätte es nicht für möglich gehalten", sagte Vorsitzender Rupert Seitz in der Herbstvollversammlung des Kreisjugendrings (KJR). Der sonst übliche Tagungsort Stützelvilla dient als Notunterkunft für Flüchtlinge. Auch wenn diese Belegung nur vorübergehend ist - mit dem dauerhaften Wegfall wird man sich wahrscheinlich trotzdem anfreunden müssen.

Geschätzte Sanierungskosten von 1,5 Millionen Euro und ein Rekorddefizit im Vorjahr von 110 000 Euro bewogen den Landkreis dazu, die Immobilie in Windischeschenbach dem Freistaat anzubieten. Der sucht ein Gebäude für die Abteilung Digitale Landkarten des Landesamtes für Digitalisierung, die im Zuge der im März verkündeten Behördenverlagerung zugesichert wurde.

Alleine das durchschnittliche jährliche Defizit von 60 000 Euro entspreche fast dem dreifachen Betrag, der heuer für das Fifty-Fifty-Taxi ausgegeben worden sei, verglich Landrat Andreas Meier. "Ich bin der Meinung, dass Jugendarbeit im Landkreis nicht essenziell mit der Stützelvilla zusammenhängt. Ich denke, dass mit dem Ersparten gute Jugendarbeit möglich ist." Die für die Sanierung gesparten 1,5 Millionen Euro und ein möglicher Verkaufserlös von 1 bis 1,5 Millionen Euro ergäben zusammen rund 2,5 Millionen Euro. "Wenn wir dieses Geld zu einem guten Teil auch wieder in die Jugendarbeit zurückfließen lassen, dann ist gute Arbeit möglich", erklärte der Landkreischef.

Diese Aussage werden sich die Vertreter der Jugendarbeit gut merken: "Man kann immer wieder auf diese Worte zurückgreifen, wenn er sagt, dass diese Gelder, die frei werden, auch wieder für die Jugendarbeit zur Verfügung gestellt werden", sagte etwa Jürgen Preisinger, der Vorsitzende des Tirschenreuther Kreisjugendrings. Tobias Reichelt vom Stadtjugendring meinte: "Wenn ein kleines Defizit rauskommt, tut das zwar dem Kreis nicht gut, aber wenn die Einrichtung komplett wegfällt, ist das für die Jugend, auch für die Oberpfälzer Jugend, ein Problem." In der zeitweisen Nutzung für Flüchtlinge sehe er dagegen kein Problem.

Unverschämte Forderung

Der Landrat berichtete von massivem Druck von Schule und Vereinen, die Gymnasium-Turnhalle, drei Klassenzimmer und die Mensa wieder freizumachen. Mit dem Schulanfang im Rücken seien für eine schnelle Lösung nur landkreiseigene Gebäude in Frage gekommen. Neben anderen Schulen hätte es kaum andere Möglichkeiten gegeben.

"Wir haben, wenn auch schweren Herzens, zugestimmt", sagte Vorsitzender Seitz. Teilweise langfristig gebuchte Aufenthalte mussten abgesagt werden. Das Echo sei zweigeteilt ausgefallen. "Was mich am meisten geärgert hat, ist, dass eine katholische Vereinigung Schadensersatz und eine Ersatzunterkunft, mindestens mit Dusche auf den Zimmern, gefordert hat", kritisierte Landrat Meier.

Auch eine Chance

Wie es weitergeht, ist ungewiss. "Es kann sein, dass wir die Stützelvilla Ende nächsten Jahres nicht mehr brauchen", sagte Meier. Ein definitiver Termin sei momentan aber schlicht nicht seriös vorherzusagen. Eine vertragliche Vereinbarung zwischen Landkreis und KJR regelt die Belegung und gibt dem Personal - zehn Personen in Voll- und Teilzeit - bis Ende 2016 Sicherheit. Auf lange Sicht liege der Ball jetzt beim Freistaat, der entscheiden müsse, ob er die Stützelvilla haben wolle.

"Für uns ist das natürlich nicht ganz so toll, aber der Landkreis ist nun mal der Eigentümer und muss entscheiden. Natürlich wird das Jugendtagungshaus fehlen, aber vielleicht liegt auch eine Chance darin", sagte Rupert Seitz.
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