Jugendhilfe: Ausgaben steigen

Die Balken zeigen die Ausgaben in den beschriebenen Bereichen. Weil einige Kosten in mehreren Posten auftauchen und sich somit doppeln, ergibt die Summe der einzelnen Bereiche einen höheren Betrag als die Gesamtausgaben, die oben aufgeführt sind.

Beim Jugendhilfe-Haushalt fallen zwei Dinge auf. Eltern und Schulen suchen immer früher Hilfe beim Jugendamt. Außerdem lassen sich die Kosten für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kaum kalkulieren.

Jugendamtsleiter Klaus Egelseer eröffnete seinen Vortrag im Jugendhilfeausschuss des Kreistages mit einem Zitat: "Entgegen einer auf den ersten Blick plausiblen Annahme erfordert der demografische Wandel und der damit verbundene Rückgang in der Zahl der jungen Menschen nicht weniger, sondern mehr Engagement und mehr Investitionen in Kinder und Familien."

Viele Fragezeichen

Die Aussage von Dr. Ulrich Bürger, Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, treffen auch den Kern des Jugendhilfe-Haushalts 2015: Die Kosten steigen. Das hat verschiedene Gründe. Allen voran die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (umF) im Landkreis. Egelseer hofft, dass die Kosten, die für dieses Klientel anfallen, übernommen werden. Der Jugendamtsleiter rechnet auf der anderen Seite mit mehr Einnahmen: rund drei Millionen Euro. Allein 307 151 Euro fließen vom Bezirk Oberpfalz und dem Land Bayern, die sich für die stationären Hilfen mit einem jährlichen Festbetrag beteiligen. Ansonsten spielen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge eine große Rolle. Denn die rund zwei Millionen an Ausgaben, sollen erstattet werden.

Die Berechnung für diese Kosten fußt auf den Annahmen, dass 45 Plätze das ganze Jahr über belegt sind. Nicht eingerechnet sind allerdings die Krankenkosten, die der Landkreis ebenfalls übernehmen muss. "In welcher Höhe diese anfallen, können wir derzeit überhaupt nicht beurteilen." Bisher gibt es keine Erfahrungswerte mit umFs, weshalb die Zahlen mit Vorsicht zu betrachten sind. Egelseer sagt: "Das einzig Beständige bei diesem Thema sind die vielen Fragezeichen." Derzeit trägt der Landkreis für 18 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge die Kosten für die Heimunterbringung. Laut Egelseer folgen weitere.

Er plant für heuer Ausgaben in Höhe von rund 10,3 Millionen Euro. Auch bei dieser Zahl gilt, dass es zu Abweichungen kommen kann, weil die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge eine Variable darstellen.

"Gute Entwicklung"

Die Ausgaben für die stationäre Unterbringungsmaßnahmen schlagen mit rund 3,5 Millionen Euro zu Buche. Ende 2014 waren es 66 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die auf Kosten des Landkreises in Heimen lebten oder betreutes Wohnen in Anspruch nahmen. Laut Egelseer steigen die ambulanten Hilfen und dadurch die Kosten. Für 2015 sind 2,26 Millionen Euro angesetzt.

Daraus liest Egelseer eine "gute Entwicklung". Denn je frühzeitiger sich Eltern oder die Schule an das Jugendamt wenden, desto weniger intensiv seien die Folgeprobleme. Egelseer begrüßt es, dass immer mehr Menschen das Jugendamt als Dienstleister sehen, "was wir eigentlich sind". Die vermehrten ambulanten Hilfen begründet der Leiter damit, dass viele gute Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht hätten. Aber auch damit, dass "immer mehr Eltern nicht mehr zurechtkommen".

Für die teilstationären Hilfen sind 610 000 Euro veranschlagt, für die Vollzeitpflege 805 000 Euro. Der Jugendamtsleiter berichtet: "Es ist unser erklärtes Ziel, die Anzahl der jungen Menschen, die bei Pflegeeltern leben, kontinuierlich zu erhöhen." Angestrebt sei ein Verhältnis von Heimkindern zu Pflegekindern von mindestens eins zu eins. Derzeit beträgt das Verhältnis 1:1,14. Das heißt: Auf ein Heimkind kommen 1,14 Pflegekinder. Für Eingliederungshilfen wird mit Kosten von rund 2,6 Millionen Euro gerechnet.
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