Keine Chance für Rechtsaußen

Nur zwei Stühle auf der Bühne: Die Kulisse war schlicht. Dafür war das Thema des Theaterstücks "Elly und Ingo" in der Lobkowitz-Realschule umso gewichtiger. Es ging um Rassismus.

Die Hauptpersonen verkörperten Christine Wagner in weißer Psychiatrie-Anstaltskleidung und Daniel Zimpel im Outfit eines Neonazis. "Elly und Ingo" stammen aus der Feder des Regensburgers Kurt Raster.

Rektor Johannes Koller kündigte die Aufführung als Teil einer Projektwoche an, mit der sich die Bildungsstätte das Etikett "Schule ohne Rassismus" verdienen wolle. "Enjoy difference, start tolerance" ist die Aufklärungskampagne überschrieben.

Im Publikum hatten unter anderem Bürgermeister Rupert Troppmann, stellvertretender Landrat Albert Nickl und Harald Zintl von der Friedrich-Ebert-Stiftung Platz genommen.

Parallelen und Differenzen

Die beiden Schauspieler fesselten fast 60 Minuten lang ihre 100-köpfige Zuschauerschar. Es ging um die Lebenswege zweier Menschen kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Elly Maldaque war eine engagierte Regensburger Volksschullehrerin.

Von Nazi-Spitzeln als angebliche Kommunistin diffamiert wurde sie unter Mithilfe ihres rechtsradikalen Vaters in die damalige Irrenanstalt Karthaus eingewiesen. Unter ungeklärten Umständen starb sie mit 36 Jahren in einer Zelle. Im Gegensatz dazu und doch manchmal sich ähnlich verlief das Leben des gewalttätigen Neonazis Ingo, der in die Turnhalle der Realschule Hassparolen brüllt. Die Schüler erlebten, wie und warum Altersgenossen in die Neonazi-Szene abrutschen können.

Ingo ist nicht dumm, doch seine schulische Karriere ist gescheitert. Die Schüler spürten, dass da einer authentisch in seiner Rolle war. Autor Kurt Raster orientierte sich an diversen Aussteigerberichten und Interviews mit Skinheads. Ingo erlebte schon im Elternhaus als Kind und später als Jugendlicher nur Ausgrenzung und Gewalt. "Das Leben ist ein Dschungel, und allein der Stärkere hat ein Recht, zu überleben."

Für ihn gilt nur das Prinzip der Gewalt, drastisch geschildert an makabren Beispielen von Pöbeleien, die sich über Prügeleien bis hin zum Mord steigern. Aufatmen können die Zuhörer nur dann, wenn in regelmäßigen Abständen die Darsteller aus ihren Rollen heraustreten, selbst nachdenklich werden und aktuelle Bezüge herstellen. Dem Autor und den Akteuren gelingt es vortrefflich, den Ursachen rechter Gewalt im persönlichen und gesellschaftlichen Bereich auf den Grund zu gehen.

Demokratie ist kostbar

Im Anschluss hatten die Jugendlichen Gelegenheit zur Diskussion. Am Ende betonte Regisseur Raster, dass er nicht die Nazis als Menschen ausgrenzen will, sondern deren Ideologie. Und es gilt, wachsam zu sein: "Wir haben schon einmal eine Demokratie verloren." Beschämend: Seit 1990 wurden mehrere Hundert Menschen in Deutschland von Rechtsextremisten getötet.
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