Keine Sitzplatzgarantie

Wer kennt das als Schüler nicht? Am Morgen nimmt man lieber den letzten Bus, am Mittag kann es gar nicht schnell genug nach Hause gehen. So sind manche Fahrzeuge rappelvoll, andere haben dagegen noch reichlich Plätze frei. Solange es niemand eiliger hat, eher ins Schulhaus zu kommen, wird sich daran wohl nichts ändern. Archivbild: Unger

In manchen Bussen müssen Schüler stehen, andere fahren halbleer durch den Landkreis. Das Problem ist fast nicht zu lösen, erläuterte Verkehrsexperte Karl Wittmann im Kreisausschuss. Was ihn ärgert: Wenn sich jemand beschwert, wird es bisweilen unflätig.

Für den rauen Ton gibt es keinen Grund, nahm Landrat Andreas Meier seine Mitarbeiter in Schutz: "Wir nehmen jede einzelne Beschwerde ernst und reagieren darauf." Nicht zuletzt deshalb stand der Schulbusverkehr wieder auf der Tagesordnung. Wittmann hatte mit den Linienbetreibern die Strecken unter die Lupe genommen.

Dabei fallen Parallelen auf, hinter denen nur allzu Menschliches steckt, erklärte Wittmann: "Die Schüler wollen in der Früh den letzten und mittags den ersten Bus nehmen." Das führt aber dazu, dass es in manchen Bussen etwas unbequemer zugeht als in anderen. Etwa auf der Linie Kaltenbrunn-Mantel-Weiden. Der erste Bus ist zu 85 Prozent ausgelastet, der zweite nur zu 39 Prozent.

In einem Fall hakte Margit Kirzinger (SPD) nach. Ihr hatten Eltern geklagt, dass auf der Linie Eslarn-Vohenstrauß-Weiden, die über Waidhaus fährt, Kinder nicht nur stehen müssten. Schüler, die einen späteren Bus nähmen, kämen außerdem in Vohenstrauß zu spät zum Unterricht, denn die Realschule fange dort schon um 7.45 Uhr an.

Wittmann ist dem Problem nachgegangen. Tatsächlich kommt der letzte Bus dieser Linie am Morgen erst um 7.41 Uhr an. Nach Auskunft der Realschule kämen aber nur selten Kinder zu spät, da sie in der Regel schon mit einem früheren Bus unterwegs seien. "Ich glaube auch nicht, dass der Bus in Waidhaus schon voll ist, denn der fährt ja dann noch über Lohma und die alte B 14 nach Vohenstrauß", sagt Wittmann.

Geprüfte Sicherheit

Er kennt die Anrufe von Eltern, die sich speziell am Anfang eines Schuljahres erkundigen, warum ihre Söhne und Töchter keinen Sitzplatz bekommen. Den waren die Kleinen als Grundschüler noch gewohnt. Besuchen sie dann Realschule oder Gymnasium, ist der Weg länger und der Bus meist voller. Doch Stehplätze sind nun einmal Teil des ÖPNV, auf den der Landkreis bei der Schülerbeförderung setzt.

Klaus Bergmann (Grüne) kritisierte den Sparwillen der Busunternehmer, die statt zweier kleiner Busse, die schneller und flexibler wären, lieber einen langsamen Gelenkbus einsetzen. "Es geht um das Wohl der Kinder", brachte er auch das Stichwort Sicherheit ins Spiel.

Dem widersprach Gerald Morgenstern (CSU) energisch: "Ein Gelenkbus ist genauso sicher. Es ist gefährlich, wenn Sie hier den gegenteiligen Eindruck erwecken." Wittmann verwies darauf, dass Busse neben den TÜV-Prüfungen vierteljährlich ihre Bremsen kontrollieren lassen müssen.

Er warnte auch davor, den ÖPNV in Frage zu stellen. "Wir könnten theoretisch den Schülerverkehr abkoppeln und im Landkreis selber organisieren. Aber das wäre das Ende des ÖPNV." Denn den würden auch kleinere Familienbetriebe betreuen, die ohne Schüler nicht rentabel arbeiten könnten. Freilich seien nicht alle gleich gut, räumte der Verkehrsexperte ein: Hier ist mal ein Busfahrer unfreundlich, da fährt der Bus an, obwohl die Tür noch nicht geschlossen ist, dort gibt es Unstimmigkeiten, wann der Nachmittagsunterricht endet. An einer Haltestelle wurden gar neun Kinder nicht mitgenommen, weil der Fahrer irrtümlich auf einen anderen Bus verwiesen hatte.

Kilometergeld für Härtefälle

Ein anderes Problem sind als unzumutbar empfundene Fußwege. Vielen Eltern fällt es schwer, die vom Gesetzgeber vorgegebenen Zwei- und Drei-Kilometer-Grenzen zu akzeptieren. Ist der Weg sehr beschwerlich oder gar gefährlich, bietet das Landratsamt Kilometergeld dafür an, dass die Kinder mit dem Auto gefahren werden. Doch was Eltern und Gesetzgeber als zumutbar erachten, ist oft weit voneinander entfernt. Genau dieser Unterschied kommt bei Karl Wittmann und seinen Kollegen am Telefon immer öfter in unfreundlicher Tonlage an.
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