Keine zweite Chance für Wirt

Herbststimmung herrscht nicht nur rund um das Wirtshaus in der Freizeitanlage, sondern auch in den Gemütern einiger Stammtischfreunde. Sie finden es ungerecht, dass Pächter Edgar Bauer nach acht Jahren nicht mehr weitermachen darf. Bild: arw

Bürgermeister Rupert Troppmann verwahrt sich gegen den Verdacht, schon einen neuen Wirt für die Freizeitanlage in der Hinterhand zu haben. "Wir werden wohl nochmal inserieren." In der Zwischenzeit stichelt eine Gruppe von Stammgästen Richtung Rathaus.

Die "Stammtisch-Freunde Gramau und Freizeitanlage" haben an Bürgermeister und Stadträte einen offenen Brief verfasst. Abgeschickt hat ihn Wilhelm Üblacker. Die Runde wirft den Stadtvätern und -müttern vor, dass die Gründe für die Kündigung des Pachtvertrags mit Wirt Edi Bauer "wohl nur Ihnen bekannt sind".

Sie vermissen "Transparenz und Nachvollziehbarkeit" der Entscheidung. Es werde doch wohl kein Straftatbestand vorgelegen haben. Denn nur so sei es zu verstehen, dass die Stadt Bauer nach acht Jahren in nichtöffentlicher Sitzung den Stuhl vor die Tür gesetzt hat.

Troppmann warnt davor, dass die Stammtischbrüder, unter ihnen auch einige Stadträte, ihrem Freund Bauer durch diese Art der Schützenhilfe einen Bärendienst erweisen könnten. "Wahr ist, dass es keine Kündigung war. Wir haben den Pachtvertrag nicht verlängert. Soll ich jetzt über die Zeitung extra sagen, es hat keine Straftat vorgelegen? Ich darf und werde nicht aus einer nichtöffentlichen Sitzung plaudern. Und Pachtverträge sind immer nichtöffentlich."

"Offen gesprochen"

Von einer Hinterzimmerentscheidung könne außerdem keine Rede sein, weil Troppmann selbst Bauer das Schreiben übergeben habe, dass der Vertrag nicht erneuert werde. "Wir haben darüber offen gesprochen. Wir hätten ihm das auch erst einen Monat vorher mitteilen können. Aber es steht schon länger fest, so dass er genügend Zeit hat, sich nach etwas Neuem umzusehen."

Der Stammtisch verlangt eine zweite Chance für Bauer, der wohl ohne Ruhetag bisweilen überfordert gewesen sei. Das jedenfalls lassen seine Freunde anklingen. In einem neuen Vertrag könnten beiden Seiten Ruhetage, Betriebsferien und die Pflicht, eine Reinigungskraft anzustellen, festlegen. "Da überschreitet der Stammtisch seine Kompetenzen", kontert Troppmann und verweist wiederholt auf die Geheimhaltung der nichtöffentlichen Sitzung, "auch um Herrn Bauer nicht zu schaden".

Fehler unvermeidbar

Der Kreis um Üblacker räumt durchaus ein, dass der Wirt wegen harter Arbeit Fehler gemacht habe. Ansonsten singen sie aber ein Loblied auf ihn: "zuvorkommend und schnell gegenüber Kurzzeitcampern und Urlaubern", "großzügig bei Spenden für Vereine oder einen Preisschafkopf", "freundliche Aufnahme von Wanderern", "verbesserte Zusammenarbeit mit dem Jugendgremium", "steigende Zahl der Gäste und Camper".

Üblacker und Co. geben zu, dass es am Stammtisch manchmal kontrovers und emotional zugegangen sei: "Dass auch der eine oder andere Gast hin und wieder in provozierender Weise aufgetreten ist und dann beleidigt den Stammtisch gemieden hat, liegt in der Natur der Dinge. Wir leben schließlich in einem freien Land."
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