Kloster zu klein für Flüchtlinge

Die evangelische Pfarrerin Lisa Weniger und ihr neuer katholischer Amtskollege Thomas Richthammer besprechen, wie sie zusammen mit vielen Ehrenamtlichen in der nächsten Zeit den Menschen, die auf ihrer Flucht nach Floß kamen, am besten helfen können. Bild: Huber

Nach der Aufforderung von Papst Franziskus an alle Pfarreien und Klöster, Flüchtlingen zu helfen, sind nun die Kirchen gefragt. Einige Pfarreien im Landkreis Neustadt haben schon etwas getan, um Hilfesuchende zu unterstützen.

In Moosbach allerdings ist bisher noch nichts passiert. Ein Treffen mit dem Pfarrgemeinderat hat Pfarrer Josef Most zwar bereits anberaumt, doch eine genaue Vorstellung von Hilfsmaßnahmen hat der Geistliche nicht. Ebenso ist die Situation in Leuchtenberg. Pfarrer Moses Gudapati erklärte, dass es im Ort außer dem Pfarrheim keine kircheneigenen Wohnungen gebe, in denen Flüchtlinge unterkommen.

Die katholische Pfarrei in Neustadt sei in Sachen Flüchtlingen bereits im Mai "vorgeprescht", berichtete Stadtpfarrer Josef Häring. Acht Plätze für Asylbewerber sicherte die Kirche dem Landratsamt in einem Vertrag zu. Seit einiger Zeit wohnen nun Menschen aus dem Senegal, Somalia, Eritrea, Bangladesch und anderen Ländern in der ehemaligen Hausmeisterwohnung im Pfarrheim St. Georg. Die Asylbewerber haben bereits Deutschkurse in der Europaberufsschule in Weiden besucht. "Sie können schon sehr gut deutsch", sagte Pfarrer Häring.

Das Minoritenkloster St. Felix, in dem aktuell fünf Patres wohnen, hat längerfristig keinen Platz für Flüchtlinge. Es gebe freilich Gästezimmer, "doch sie sind nur als Notfallunterkunft für eine Nacht geeignet", berichtete Pater Stanislaus. Das Kloster ist zwar zu klein für eine Unterbringung, aber der überregionale Klosterverband der Franziskaner-Minoriten, in den die Neustädter eingebunden sind, hilft Flüchtlingen aktiv.

Konkreter Plan fehlt noch

Der Pfarrgemeinderat und Pfarrer Pennoraj Tharmakkan kommen am heutigen Donnerstag in Parkstein zusammen. In der Sitzung wird über das Vorgehen gesprochen. "Wir wollen unbedingt etwas machen", versprach der Geistliche. Einen konkreten Plan hat er aber bisher nicht.

In Vohenstrauß ist Pfarrer Alexander Hösl schon lange aktiv. Zusammen mit der Stadt und der evangelischen Kirchengemeinde hat die Pfarrei vor einiger Zeit einen Asylkreis gegründet. "Wir wollen auf möglichst direktem Weg helfen." Pensionierte Lehrer geben Sprachkurse, der Arbeitskreis organisiert Patenschaften für Behördengänge und regelmäßige Nachmittagstreffen der Flüchtlinge.

Pfarrer Wilhelm Bauer aus Tännesberg sagt über die Situation im Markt: "Wir sind ein weißer Fleck auf der Landkarte." Der Ort hat bisher vom Landratsamt noch keine Flüchtlinge zugewiesen bekommen und deshalb hat der Geistliche auch noch keine Vorhaben in Planung, wie die Pfarrei Asylbewerbern helfen könnte.

Der Flosser Pfarrer Thomas Richthammer ist erst seit wenigen Tagen im Amt und deshalb noch nicht genau darüber informiert, ob und welche Hilfen die Pfarrei für Asylbewerber plant. Seine Kollegin, die evangelische Pfarrerin Lisa Weniger, geht seit einigen Monaten mit gutem Beispiel voran. Sie und ihr Mann geben einem weißrussischen Ehepaar seit Juni Kirchenasyl im Pfarrhaus. Die Frist für das Paar läuft zwar bald aus, doch Lisa Weniger ist zuversichtlich, dass ihre beiden Schützlinge in Floß bleiben können. Gestern trafen sich die beiden Pfarrer, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Ökumenische Teamarbeit

Zudem hat die evangelische Pfarrei zusammen mit Vertretern des Marktes und den katholischen Kollegen vor längerem einen Arbeitskreis Asyl gegründet. Der ökumenische Arbeitskreis hat schon viele Veranstaltungen auf den Weg gebracht. Zuletzt erfreute ein internationaler Tanzabend die Flüchtlinge und die Bürger. Pfarrerin Lisa Weniger ist angesichts der Hilfsbereitschaft im Ort hoffnungsvoll: "Positive Geschichten wie unsere sollen den Menschen Mut machen, sich zu engagieren."
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