Komfort für die Oberpfälzer Kuh

Beim Praktikerforum waren sich die Experten einig. So ein Tier muss es gut haben. Genug Wasser, ausreichend Liegefläche und gutes Futter soll es haben. Natürlich steckt dahinter auch Eigennutz. Es geht um die Leistungsfähigkeit einer Kuh.

Wie sind Tierwohl und Technik vereinbar, um eine hohe Lebensleistung von Milchkühen zu erreichen? Die Antwort darauf gab das Praktikerforum der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in der Neustädter Stadthalle, auch wenn der kritische Beobachter aus dieser Verbindung eventuell einen Widerspruch erkenne, wie der Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Landwirtschaft, Christian Stockinger, sagte.

Das Praktikerforum, eine Gemeinschaftsveranstaltung des Bayerischen Landesamtes für Landwirtschaft, dem Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Milchviehhaltung Almesbach in Zusammenarbeit mit dem Fachzentrum Rinderhaltung Cham, lockte Milchviehhalter an. Die Neustädter Stadthalle war nahezu voll besetzt. Vizepräsident Christian Stockinger bezeichnete das Praktikerforum als Veranstaltung, die in konzentrierter Art die Landwirte ansprechen wolle und deshalb sich immer wirtschaftsnahen Themen widme. Deshalb sei bei den Themen, spätestens aber beim praktischen Teil im Lehr- und Fachzentrum Almesbach, eine Diskussion erwünscht.

Widerspruch auflösen

Die Schwerpunkte für das alljährliche Treffen werden in der Lehr- und Fachzentren erarbeitet, berichtete der Vizepräsident. Stockinger kritisierte, dass das Tierwohl vor allem die Medien und einen Personenkreis interessiere, der davon "nichts versteht". Tierwohl und hohe Lebensleistung klängen nach einem Widerspruch. Gerade deshalb sei es wichtig, dieses Thema zu erörtern.

Dr. Hubert Schuster, der sich mit Fütterung beschäftigt, betonte, dass die Frage nach der sogenannten Hochleistungskuh fast schon in den philosophischen Bereich gehe, weil jedes Tier für sich selbst zu betrachten sei. Zudem sei die Fütterung eine Wissenschaft für sich. Schuster betonte die Wichtigkeit von wiederkäuergerechtem Futter.

"Nur Tiere, die sich wohlfühlen, bleiben gesund, haben eine hohe Leistung und sind rentabel", sagte Herbert Heiligmann, vom Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern. Deshalb muss nach den Erkenntnissen des Experten den Kühen Komfort als Basis für Gesundheit und Vitalität geboten werden. Um dies im Einzelnen darzulegen, hatte Heiligmann Bilder von Ställen mitgebracht. Als Beispiel für den "Wohnkomfort" nannte der Referent eine optimale Wasserversorgung, saubere und trittsichere Laufflächen sowie ausreichend groß bemessene Liegeflächen. "Junge Hühner und alte Kühe sind der Gewinn des Bauern", sagte Dr. Andreas Randt zu Beginn seines Vortrages über die Fruchtbarkeit in Hochleistungsherden. Der Nachwuchs im Kuhstall, geregelt heutzutage in einem "Fruchbarkeitsmanagement", wird nach den Worten Randts bestimmt vom Kuhkomfort, dem Fütterungs- und Geburtsmanagement, dem Management der frischmelkenden Kühe und der Brunsterkennung. Gerade Letzteres erfordere vom Landwirt viel Zeitaufwand, der in keinem Fall vernachlässigt werden dürfe, sagte der Tierarzt.

Lebhafter Gesprächskreis

Bei den Workshops im Betrieb des LVFZ wurden die rund 250 Teilnehmer in vier Gruppen aufgeteilt. Silomanagement, Futtertischmanagement, praktische Erfahrungen mit zwei Melksystemen und Kuhkomfort im LVFZ Almesbach standen auf dem Programm, das dank der vielen Fragen aus dem Teilnehmerkreis zu einem lebhaften und aufschlussreichen Gesprächskreis wurde.
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