Kräuterwunder

Im Kräutergarten der Familie Weig fanden die Kranzbinderinnen des Vohenstraußer Frauenbunds ihre Blumen und Kräuter. Bei bis zu 35 Grad Celsius war schon das Pflücken eine schweißtreibende Arbeit. Bild: dob

Der Legende nach fanden die Jünger Jesu im Grab Mariens statt des Leichnams duftende Blumen und heilbringende Kräuter. Die Gottesmutter aber war mit Leib und Seele im Himmel aufgenommen worden.

Der Duft der Kräuter, die die 82-jährige Anna Weig mit einer Schere in die richtige Größe schnitt, war wegen der Hitzeperiode sehr intensiv. "Heuer brauchen die Sträuße nicht mehr getrocknet werden, denn das hat die Sonne übernommen", freute sich die Vohenstraußerin.

Die meisten Wegraine waren bereits vertrocknet. "Eigentlich müssten wir in diesem Jahr eine Hitzezulage bekommen", meinte stellvertretende Vorsitzende Maria Kopp und sprach damit unzähligen Frauen aus der Seele. Schweißperlen rannen ihnen beim Binden und Verkaufen der Buschen und Kränze für Mariä Himmelfahrt in den Pfarreien der Region über die Stirn.

In Moosbach machten sich Kinder im Ferienprogramm mit dem Brauch bekannt. In Unterlind waren Jugendliche in den Fluren unterwegs, um Kräuter zu sammeln. "Blumen haben wir auch aus dem Garten unserer Eltern gepflückt", gestanden die Mädchen.

In Schirmitz treffen sich die Frauen - heuer waren es neun - seit Jahren auf dem Hof von Theresia Troidl. Wegen der großen Hitze stellte die 80-jährige Besitzerin diesmal ihre geräumige Fahrzeug- und Gerätehalle zur Verfügung. Pfarrer Andreas Hanauer segnete ihre Werke. Der Erlös aus dem Verkauf dient einem sozialen Zweck. Andernorts bekommt das Geld die Kirche, beispielsweise in Leuchtenberg für den Blumenschmuck in St. Margareta. Oder die 450 Euro kommen wie in St. Elisabeth in Weiden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zugute.

Die Landbevölkerung hängte die gesegneten Büschel zum Schutz der Menschen am Dachboden auf oder bewahrte sie unter den Kopfkissen, berichteten einige ältere Frauen in Eslarn. Das kranke Vieh erhielt einst getrocknete Kräuter des Büschels unter das Futter gemischt. Den Menschen sollten sie als Tee aufgebrüht helfen.
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