Lage in Klinik angespannt

Wie bei vielen anderen läuft auch bei der 18 Monate alten Leonie die Nase, da muss die Mama auf Zack sein. An den Schulen im Landkreis Neustadt blieben die Schüler bisher von der Grippewelle weitgehend verschont. Bild: Hartl

Alles hustet, alles schnupft, die Kinderarztpraxen sind voll, ebenso die Kinderklinik. Greift die Grippewelle schon um sich? Oder ist das für diese Jahreszeit etwa ganz normal? Und: Ist Faschingszeit gleich Grippezeit?

Dr. Johannes Weig vom Gesundheitsamt Neustadt/Weiden erklärt: "Der Influenza-Virus wird durch Tröpfchen übertragen, und die Ansteckung ist bei Veranstaltungen wie Faschingsbälle oder -umzüge größer." Momentan sei außerdem die Zeit, in der die Grippewelle vorkomme, die derzeitige Welle sei also nichts Außergewöhnliches. Sie könne sich durchaus bis März oder Ostern hinziehen.

Kaum leere Stühle haben die Lehrer in den Klassenzimmern zu beklagen. Aber: "Es sind schon mehr als sonst krank", sagt Dr. Anton Hochberger, Chef des Neustädter Gymnasiums. "Von einer Grippewelle kann man aber nicht sprechen." Ende Januar und Anfang Februar sei schon die Zeit, in der "viele eine Erkältung haben". Über Halsschmerzen würden auch manche klagen, aber das sei am Tag "vielleicht einer".

"Normale Geschichte"

Sein Kollege Andreas Meier von der Vohenstraußer Realschule bestätigt dies: "Es ist nicht schlimm", erzählt er. "Es treten zwar vermehrt Erkältungen auf, aber das ist nicht gravierend." Von 486 Schülern seien 30 bis 35 krank, in der Regel aber nur für ein paar Tage. "Das ist eine ganz normale Geschichte", sagt auch Klaus Kuschel, Leiter der Grundschule Altenstadt. Es sei keine "große Grippewelle" zu verzeichnen.

Und dass ganze Klassen nicht da seien, "ist so auch nicht der Fall". Auch an seiner Schule sind die Kinder nicht länger krank als "zwei bis drei Tage". Eine Besonderheit an der Grundschule Altenstadt: "Wir haben hier eine Gruppe syrischer Kinder, auf die müssen wir besonders achten, dass sie warme Kleidung tragen und auch ihre Jacken zumachen." Für Januar und Februar seien die Krankheitsfälle aber normal.

An der Lobkowitz-Realschule Neustadt sind die Krankmeldungen "höher als normal", wie Schulleiter Johannes Koller erzählt. "Aber es könnte schlimmer sein." Weniger die Lehrer sind krank, sondern eher die Schüler. "Die Klassenzimmer sind nicht leer", sagt Koller. Und auch er stimmt in den Tenor seiner Kollegen ein: "Für Januar und Februar ist das nichts Ungewöhnliches."

Kindergärten verschont

Schulamtsdirektor Josef Benker weiß: "Gott sei Dank ist die Grippewelle noch nicht so aktiv." Krankmeldungen bekommt das Schulamt nicht gemeldet, "das regeln die Schulen". Wenn Lehrer krank seien, würden sich die Schulen beim Schulamt melden, "weil wir für eine mobile Reserve sorgen müssen". Aber auch das sei noch nicht vorgekommen. Sprich: keine Krankheitsfälle, keine Reserve.

Auch die Kindergärten sind noch von der Influenza verschont geblieben. "Bei uns ist es eher Fieber und Magen-Darm, das zieht sich auch schon längere Zeit, schon seit vor Weihnachten", erzählt Eveline Fritsche vom Kindergarten zum heiligen Martin in Pirk. Und auch das komme "tröpfchenweise". Kinder mit Magen-Darm-Erkrankung seien etwa drei Tage krank, Kinder mit Fieber etwa eine Woche. Sabine Frey vom Kindergarten St. Nikolaus in Etzenricht sagt: "Wir haben nur ein paar Kranke, von der Grippe ist mir nichts bekannt. Das sind normale Erkältungen." Und: "Das ist nicht außergewöhnlich."

Kinderärztin Dr. Doris Kurzka aus Vohenstrauß verzeichnet derzeit eine Infektwelle - "nicht die Influenza", betont die Ärztin. Zwar handle es sich um Viren, die langwierig sind, zum Teil auch mit Fieber, aber die Symptome seien nicht typisch für die Influenza. Deutlich mehr Patienten als sonst kommen zu ihr in die Praxis, "die Infektwelle geht um". Aber: "Das ist für die Jahres- und Faschingszeit nichts Ungewöhnliches."

Menschenmassen meiden

"Die Kinderklinik ist voll", erzählt Rita Stadler, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Kliniken Nordoberpfalz AG. "Genauso wie der Rest des Hauses. Die Lage ist ziemlich angespannt." Und dennoch: "Natürlich werden Kinder weiterhin aufgenommen." Patienten mit Influenza- und RS-Viren seien im Klinikum in Weiden untergebracht. "Die Welle ist aber nichts Ungewöhnliches für Januar/Februar. Das kommt vor."

Tipp vom Experten des Gesundheitsamts: engste Kontakte meiden. "Das ist natürlich in der Faschingszeit oder bei Tanzveranstaltungen nicht einfach", weiß Weig. Impfungen seien zwar keine Garantien, weil diese vor allem Influenza-Viren schützen und es eben eine Vielzahl an Erregern gibt. Und dennoch: "Es ist nicht zu spät, sich impfen zu lassen." Bisher sind laut Internetauftritt des Gesundheitsamts in den ersten fünf Kalenderwochen 55 Influenzafälle aufgetreten, im Vorjahr war es nur einer. Absoluter Spitzenreiter war 2009: Da waren es im gleichen Zeitraum 154.
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