"Lisl" einfach zum Anbeißen

Dicht umringt war die Bühne, als der Kindergarten St. Martin eine Tanzvorführung zeigte. Bilder: bgm

"Schon in der Früh war viel los", erzählte Rolf Peuker, der mit Lebensgefährtin Karin Franz als einer von 65 Ausstellern beim Bauernmarkt selbstgemachte Likörspezialitäten anbot. Bis zum Abend waren Tausende Besucher durch die Freyung geströmt.

(bgm) Eigentlich hätte alles als Hobby angefangen. Von Bekannten seien sie darauf angesprochen worden, dass sich das doch ausbauen lasse. Vor fünf Jahren starteten Franz und Peuker mit drei Sorten Likör. Inzwischen umfasst das Sortiment 21 Geschmacksrichtungen, von Zimt-Pflaume über einen Fichtenwipfellikör bis hin zum Anis-Klassiker. Viele Zutaten wie Himbeeren oder Kirschen kommen aus dem eigenen Garten. Heidelbeeren sammelt das Paar mühsam per Hand in den Wäldern der Oberpfalz. Als ein "Mittel der Vertrauensbildung zwischen Erzeuger und Verbraucher" bezeichnete Kreisbäuerin Christa Kick den Bauernmarkt bei der Eröffnung. Spricht man mit Erzeugern wie Karin Franz, lässt sich genau nachvollziehen, wie aus einen Rohstoff ein fertiges Lebens- oder Genussmittel wird. Genauso so wie bei Nebenerwerbslandwirt Stefan Klünner aus Tännesberg. "Das Reh hab ich selbst erlegt", verrät der Jäger, der an einem kleinen Grillstand frische Rehburger mit Rinderspeck zubereitet. Der Speck kommt vom Roten Höhenvieh, das auf großen Weiden grasen darf. "Bis zur Schlachtung haben die keinen Stall und keine Kette gesehen. Wir verkaufen die Burger, weil wir den Leuten zeigen wollen, dass es auch ohne Antibiotika geht", sagt der Nebenerwerbslandwirt zufrieden.

"Lisl" aus Tännesberg

"Ganz super die Burger", ruft auf einmal Hubert Spickenreither. Der Tännesberger Bäcker hat bei einer Radtour auf dem Bauernmarkt Halt gemacht. Er bäckt die "Lisl", eine Semmel aus groben Weizenmehl, in der Klünner seine Burger anbietet. Ein Teil des Gewinns wird an ein Rebhuhnprojekt gespendet. 25 verschiedene Kartoffelsorten, Heckenpflanzungen und Getreidesorten wie Dinkel, Einkorn oder Emmer sollen die Lebensbedingungen für Rebhühner verbessern und deren Population sichern. Aus dem Getreide wiederum entstehen Naturparkbrot und Zoigl.

Anders als im Supermarkt

Der Bauernmarkt bietet Direktvermarktern wie Klünner die Gelegenheit, ihre Produktionsweise und -philosophie an ein breites Publikum zu bringen. "Jedes Jahr wieder schön", sagt Georg Kunz. Man könne "normal" produzierte Nahrungsmittel erwerben. "Das ist doch was anderes als im Supermarkt", findet Kunz. "Es ist echt toll", sagt Hubert Ram, der Bio-Fleisch- und Wurstwaren vom Deutschen Angus Rind anbietet, begeistert. Anfangs hätten alle Besucher noch ein bisschen geschaut, aber dann seien viele wiedergekommen. "Man kommt auch selbst gern her, um ein bisschen rumzuschlendern", sagt Stefan Betz, der mit seiner Mutter Getreidekissen mit Weizen vom eigenen Hof vermarktet.

Gut besucht war der Bauernmarkt in Neustadt /Waldnaab. Bilder: Benedikt Grimm
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