Lobkowitz-Realschüler debattieren bei Projekt der Hertie-Stiftung mit jungen Pragern
Raus mit der Sprache

Was würde der Euro den Tschechen bringen? Ab welchem Alter sollten Jugendliche Alkohol trinken dürfen? Über solche und andere Fragen diskutierten Prager und Neustädter Jugendliche vier Tage lang in einem böhmischen Seminarhaus.

"Meine Welt ist deine Welt" stand auf dem T-Shirt von Domenica. Sie lieferte damit eher unbewusst ein Motto für die ersten bayerisch-tschechischen Schülerdebatten. Dabei betraten drei Prager Gymnasien und die Lobkowitz-Realschule Neustadt Neuland. Sie sind Pioniere des Projekts "Jugend debattiert grenzenlos".

Oberpfälzer und tschechische Schüler samt ihren Lehrern rangen an vier Tagen in Prag um die richtigen Worte und lieferten sich Debatten über grenzübergreifende Themen.

Ein Jahr Vorbereitung haben die Lehrer Carla Tkadleckova, Jitka Gabasova, Jana Fantova, Cornelia Ram und Markus Märkl in die Planung investiert. "Wir glauben, dass das Debattieren wichtige Lektionen zur Persönlichkeitsbildung umfasst, denen wir uns spielerisch und ungezwungen nähern. Auftreten, Argumentation und Selbstsicherheit unter Druck können so gefördert werden", begründet Tkadleckova den Aufwand.

Verpflichtend im Unterricht

"Ich war gespannt, ob wir uns mit den tschechischen Schülern gut über die Streitfragen verständigen können", erzählt Realschülerin Vanessa Thoma. Sie selbst hat einen entscheidenden Vorteil: Sie spricht fließend Tschechisch. Trotzdem bleiben alle Debatten in deutscher Sprache: "Jugend debattiert international" findet in acht Ländern Mittel- und Osteuropas an mehr als 220 Schulen statt. Die Hertie-Stiftung hat das Projekt vor elf Jahren zunächst für Deutschland initiiert, mittlerweile beteiligen sich hierzulande fast 140 000 Schüler in allen Bundesländern daran. "Wir an der Lobkowitz-Realschule sind nun im vierten Jahr dabei. In allen achten Klassen ist es verpflichtender Unterrichtsbestandteil in Form einer Schulaufgabe. Besonders talentierte Schüler können sich freiwillig für den Wettbewerb melden.", erklärt Markus Märkl, Fachschaftsleiter und Schulkoordinator.
Anders läuft es an den Prager Schulen: Hier sind es freiwillige Arbeitsgruppen für die Schüler, die sie ab dem Sprachniveau B 1 - das entspricht etwa drei Jahre Deutschunterricht - besuchen können.

Finanziert haben die Auftaktveranstaltung zu einem Teil der deutsch-tschechische Zukunftsfonds und die Schulen. Im Jugendhaus Tvoulcuv dvur südlich von Prag diskutierten die Heranwachsenden über Themen wie "Sollte Alkohol in Deutschland und Tschechien an Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr verkauft werden?", die Frage einer politischen Union von Bayern und Böhmen oder die Euro-Einführung für Tschechien. Neben dem Suchen nach überzeugenden Argumenten machten die Schüler viele rhetorische Übungen, aber auch Kooperationsaufgaben, um ein richtiges grenzübergreifendes Team zu werden. Natürlich führten die Prager ihre Oberpfälzer Gäste auch durch ihre Stadt und besuchten Museen oder Konzerte.

Kontakte weiter pflegen

Auch den jungen Tschechen hat es sichtlich Spaß gemacht. Etwa Petra Sykorova: "Der schönste Moment in den Debatten ist es immer, wenn jemand etwas Überraschendes einbringt. Das Hin und Her zwischen den Oberpfälzern und uns Pragern war sehr lebendig", lobt die 18-Jährige das Seminar. Im November soll es ein Folgetreffen in Nürnberg geben. Die kontinuierliche Zusammenarbeit soll auch im Internet und bei Besuchen, etwa zum Landesfinale oder einem spontanen Lehreraustausch intensiviert werden.
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