Luftballons gegen Rassismus

"William"s Orbit" steht Pate für die Lobkowitz-Realschule Neustadt. Die Indie-Rockband gestaltete die feierliche Verleihung des Titels "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Bild: bgm

Anna-Magdalena Bauer, Mitarbeiterin der Landeskoordination von "Schule ohne Rassismus", übergab am Freitagnachmittag ein Schild, das die Courage der Lobkowitz-Realschule sichtbar macht. Mit vielen Aktionen stemmen sie sich gegen Rassismus und Diskriminierung.

Es war ein langer Weg, bis sich die Bildungseinrichtung diese Auszeichnung verdient hatte. Zahlreiche Aktionen hatten Schüler und Lehrer gemeinsam auf die Beine gestellt - so viele, dass man sich unmöglich noch an alle erinnern könne, meinte eine Schülerin, die zusammen mit Lehrer Alexander Frey den Festakt moderierte. Dafür gab's in der schwülheißen Turnhalle den Film "Der Weg zur Schule ohne Rassismus", der nochmal einige Stationen aufgriff.

Überzeugendes Rollenspiel

Die beiden Referendare Mathias Schneitzeneder und Roland Saffer hatten eine typische Form von "Alltagsrassismus" in einem Rollenspiel entlarvt: Ein launiger, ehemaliger Braumeister kommt aus dem Supermarkt und trifft auf einen Sozialarbeiter. Der "Schweini" verlässt die Bayern, empört sich der Braumeister. Bald könne man doch überhaupt nicht mehr von Bundesliga sprechen. Nur noch "Türken, Spaghetti, Brasilianer", poltert der stereotype Stammtischgrantler betont überspitzt. Der Sozialarbeiter nimmt daraufhin die Einkäufe des Schimpfenden auseinander. Pizza? Geht nicht - kommt aus dem Spaghettiland. Wein aus Südafrika? Nein. Bananen aus tropischen Ländern? Darauf müsse verzichten, wer über Ausländer schimpfe. Am Ende bleibt nur noch eine Dose Sauerkraut. Da merkt auch der oberflächliche Grantler, dass er von der Vielfalt der Menschen profitiert.

Die sechsten Klassen hatten ein Tugendtheater einstudiert und liefen in eigens angefertigten Trikots auf. Demut, Geduld oder Fleiß standen darauf geschrieben. Bei einer Modenschau kam zum Ausdruck, dass es neben klassischer deutscher Strickware eine große Palette internationaler Outfits gibt. "Wir haben gelernt, dass Rassismus wirklich etwas schreckliches ist", berichtete eine Schülerin der neunten Klassen, die sich mit einem Filmprojekt auf die Auszeichnung vorbereitet hatten.

"Wir freuten uns sakrisch, als wir gefragt wurden, für dieses Projekt die Patenschaft zu übernehmen", sagte Lukas Höllerer von "William's Orbit". Die Indie-Rockband umrahmte die Schulfeier mit drei Songs. Beim dritten entschlossen sie sich spontan von der Bühne in die Mitte der Turnhalle umzuziehen, mitten hinein zu der Schulfamilie. Am Ende stiegen Luftballons vom Pausenhof aus in den Himmel - mit Wunschkarten gegen Rassismus und Diskriminierung. Um die Erinnerung an den Tag wach zu halten, pflanzten Schüler und Lehrer eine Linde als Friedensbaum vor ihre Schule. Am Nachmittag gab es Schnupperstunden für künftige Lobkowitz-Schüler.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.