Maßband weicht Lasertechnik

Förster Hans Trottmann aus Kaltenbrunn (rechts) und Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft staunen über den terrestrischen Laserscanner. Schließlich handelt es sich hier um nicht weniger als eine Revolution in der Waldvermessung. Bilder: Götz (3)

Einst war es mühsam, ein Waldstück zu vermessen. Mit Maßband und Feldcomputer rückten in der Regel zwei Männer aus, um den Umfang und die Höhe von Kiefern und Birken zu ermitteln. Die Zukunft heißt allerdings Lasertechnik.

"Der Wald wird vielfältiger. Laubholz nimmt zu, Nadelholz wird weniger." Wenn der Schnaittenbacher Forstbetriebsleiter Reinhard Lenz das sagt, dann beruft er sich auf seine Erfahrung - und sein Gefühl. Das sei bisher besonders wichtig gewesen, wenn es darum ging, Veränderungen im Wald zu erkennen. Künftig könnte das anders sein. Denn ein sogenannter terrestrischer Laserscanner liefert eine ganze Datenwolke, die sehr aufschlussreich sein kann.

Um ein 2000 Quadratmeter großes Waldstück zu vermessen, braucht das Gerät eine Stunde. Arbeiter bräuchten dafür mehrere Tage. Die Lasertechnik kann getrost als eine Revolution in der Waldvermessung bezeichnet werden und ist aktuell erstmals in einem bayerischen Forst im Einsatz. Im Manteler Wald, um genau zu sein.

Präzise und einfach

Das Messverfahren selbst ist bereits rund 20 Jahre alt. Es wird vor allem im Baubereich eingesetzt. Seit zehn Jahren gibt es Forschungsarbeiten, die sich mit dem Einsatz im Wald beschäftigen. Bäume die schwingen oder sich gegenseitig verdecken, sind die Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt.

An den Lösungen wird gearbeitet. Der Vorteil der Lasertechnik gegenüber der klassischen Vermessung: Sie ist präziser und einfacher. "Bis zu einer Entfernung von 150 Metern lässt sich bis auf den Millimeter genau messen", versichert Dr. Hans-Joachim Klemmt von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstarbeiten (LWF). Die Laser reichen bis maximal zwei Kilometer. Ein eher statistischer Wert. Denn Kiefern und Fichten bedeuten natürliche Grenzen.

Das Ergebnis aus den Messungen bezeichnet Klemmt als eine Datenwolke. Mit der lässt sich feststellen, wie dicht ein Wald ist. Höhe und Durchmesser werden ermittelt. Sogar das Kronenvolumen eines Baumes kann bestimmt werden. Im Gerät sind Kameras verbaut. Sie erkennen zwar nicht automatisch die Baumarten. Das lässt sich dafür später am Schreibtisch auswerten. Die Daten erlauben es, Schlüsse zu ziehen: Welche Bäume sterben ab? Wie verändert sich der Bestand?

In ein paar Jahren marktreif

Dafür braucht es natürlich Langzeitstudien. Die gibt es. Solche Intensiv-Beobachtungsflächen wie im Manteler Wald existieren seit Jahrzehnten. Lenz spricht davon, dass seit 1983 mit den klassischen Methoden Messungen erfolgen: "Das ist aber fehlerbehaftet und arbeitsintensiv."

Wann sich die neue Technik für Waldvermessungen durchsetzt, ist ungewiss. Klemmt sagt: "Wir vom LWF schaffen die Grundlagen." Er spricht davon, dass der Laserscanner in ein paar Jahren marktfähig sei. Die Ausrüstung für Forstbetriebe und andere Käufer ist zurzeit noch sehr teuer - "im fünfstelligen Bereich". Klemmt verspricht aber, dass es günstiger wird. Er vergleicht die Situation mit der Entwicklung bei Handys: "Die Anfängermodelle waren noch recht teuer. Kürzlich habe ich ein Handy im Baumarkt geschenkt bekommen."

Für den Manteler Wald habe sich die Landesanstalt entschieden, weil es sich hier um ein interessantes Pflegekonzept handle. Hier steht der Dauerwaldgedanke im Vordergrund. Die Verantwortlichen versuchen, möglichst wenig einzugreifen. Laut Lenz wenn dann nur "auf die richtige Art und zum richtigen Zeitpunkt". Der Förster ist sicher: "Die Wälder sind immer auf dem richtigen Weg. Nur der Mensch hat nicht immer korrekte Zielsetzung." Das ist ein Gefühl. Vielleicht kann er es bald mit Zahlen untermauern, die der Laserscanner liefert.
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