Mehr Hilfe für Familien

Erster Vorsitzender Hans Maier gründete den Verein mit Kollegen vor 18 Jahren. Seitdem hat sich vieles verändert. Doch der Verein hilft immer noch dort, wo er gebraucht wird. Bilder: Luber (2)

Der Allgemeine Sozial- und Schuldnerberatungsverein hilft, wo Bedarf ist. Weniger Probleme gibt es in den 18 Jahren seines Bestehens nicht, dafür andere. Die Aufgaben der Mitarbeiter wandelten sich mit der Zeit. Einst berieten sie Schuldner, jetzt liegt der Schwerpunkt bei Asylbewerbern und Familien.

Das Haus ist unscheinbar von vorne. Die Eingangstür liegt im Hinterhof. Denn nicht jeder Besucher will sofort gesehen werden. Beim Allgemeinen Sozial- und Schuldnerberatungsverein (ASN) suchen viele Hilfe in Lebenslagen, die leider oft tabuisiert werden: Schulden, psychische Erkrankungen, Erziehungsprobleme.

"Die Grundidee des Vereins war, dort Hilfe zu leisten, wo Bedarf besteht", sagt erster Vorsitzender Hans Maier. Der Bedarf hat sich seit der Gründung 1997 über die Jahre gewandelt. So reflektieren die Hauptarbeitsfelder des Vereins auch immer die gesellschaftliche Entwicklung. Besonders die Betreuung von Aslybewerbern und Jugendhilfeangebote sind stark angestiegen. "Hier liegen unsere zukünftigen Standbeine." Seit zweieinhalb Jahren betreut der Verein 13 Asylbewerber, 2015 kam ein Haus mit 12 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hinzu. Obwohl die Wohnhäuser mitten in der Stadt liegen, habe es nie Beschwerden gegeben, erzählt Maier.

Vormund von Null auf 100

Auch Vormundschaften werden im Bereich der Flüchtlingshilfe weiter eine Rolle spielen. Kinder, die keinen volljährigen Erziehungsberechtigten haben, brauchen von Rechts wegen einen Vormund, der sie gesetzlich vertritt. Der Leiter des Jugendamtes Klaus Egelseer berichtet, dass es noch im vergangenen Jahr "so gut wie gar keine Nachfragen" nach Vormundschaften gab.

Die Zahl der Flüchtlinge unter 18 Jahren, die ohne Eltern nach Deutschland kommen, steigt rasant. Das meldet auch der Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF). "Die Zahl der Inobhutnahmen von umFs ist im Jahr 2014 gegenüber den Vorjahren um etwa 45 Prozent auf 10 400 gestiegen." Zwei Mitarbeiter betreuen im ASN aktuell 15 Vormundschaften. Als ehrenamtlicher Betreuer kann sich auch jede Privatperson beim Jugendamt zur Verfügung stellen.

Das zweite Aufgabengebiet, das der ASN weiter ausbauen wird, und für das er auch Sozialarbeiter und Erzieher einstellt, ist die Sozialpädagogische Familienhilfe.

Weniger Kinder, mehr Hilfe

Hier sollen Familien unterstützt werden, wenn sie Probleme bei Erziehung, Konflikte und Krisen haben. "Die Zahl der Kinder geht zurück. Die Zahl der Familien, die Unterstützung brauchen, wird mehr", stellt Maier fest. Sowohl Zahlen aus dem Landkreis als auch aus der Republik bestätigen den Trend. Im Landkreis Neustadt ist die Zahl die betreuten Familien zwischen 2000 und 2014 fast auf das Sechsfache gestiegen. In Deutschland zwischen 1991 und 2013 sogar auf das 7,5-fache von 9089 auf 68 350 Familien. Egelseer warnt jedoch davor, die Zahlen zu dramatisieren. Der Anstieg könne auch damit zu tun haben, dass immer mehr Behörden und Ärzte hellhörig für Probleme bei der Kindererziehung sind. Deutschlandweit ist nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes der häufigste Grund für die Familienhilfe eine eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern gefolgt von unzureichender Förderung und Betreuung der Kinder.

"Eltern, die es nicht für nötig halten, Kinder zum Arzt oder regelmäßig zur Schule zu schicken", gibt der Jugendamtschef Beispiele für Betreuungsbedarf. Doch er betont, dass die Maßnahme Hilfe zur Selbsthilfe sei. Meist ginge die Betreuung zwei bis drei Jahre und führe dazu, dass Familien wieder allein zurecht kämen.
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