Mehr Meer für Kapitän Czurda

Entspannt, gesprächig und locker. Rolf Czurda gibt sich während seines Heimaturlaubs gelassen. Bild: doz

Rolf Czurdas Freundin ist Försterin. So bodenständig ist der 29-Jährige nicht. Ihn zieht es hinaus in die weite Welt. Als Kapitän steuert er riesige Container-Schiffe von Europa nach Amerika an die Ostküste. Die schönste Stadt auf der Erde ist für den Oberpfälzer Hamburg.

Um genau zu sein, ist Czurda noch als erster Offizier unterwegs. Er hat zwar das Kapitänspatent, aber momentan wartet er, bis eine Stelle frei wird. Sollte allerdings sein "Chef" seekrank werden, übernimmt der 29-Jährige das Kommando. Die Berufswahl ist für einen Wiesauer sicherlich ungewöhnlich. Infiziert hat ihn sein älterer Cousin, ebenfalls Kapitän. Als Czurda gerade sein Fachabi in Weiden machte, war sein Cousin mit einem Schiff in Hamburg unterwegs. Als der Oberpfälzer das gesehen hat, war für ihn klar, dass er in die See stechen will. Er braucht eben mehr Meer als andere Oberpfälzer.

Nur acht Stunden an Land

Er studierte acht Semester in Leer, Ostfriesland. Er paukte Nautik, Navigation und internationales Recht, beschäftigte sich mit Schiffbau, Physik und nahm an Simulationstrainings teil. Während zwei Praxissemestern schnupperte er Seeluft. Die Reederei, für die er arbeitet (Buss in Leer) ist diesselbe, für die er bereits ein Praktikum absolviert hat. Bereut hat er seine Entscheidung nie: "Man sieht viel von der Welt, auch wenn es nur Häfen sind." Am besten hat es ihm in Singapur und Caucedo in der Dominikanischen Republik gefallen. Der 29-Jährige schwärmt vom türkisblauen Wasser. Er sagt aber auch: "Wenn's blöd geht, sind wir nur acht Stunden im Hafen." Abladen, aufladen - und schon geht es weiter.

Piratenangriff 2010

Brenzlige Situationen gehören laut Czurda zum Alltag. Wenn 30 bis 40 Tonnen Fracht umgeschlagen werden, ist das gefährlich. Die Container rutschen. Gefahrengut kann auslaufen, Öl das Meer verschmutzen. Czurda sorgt dafür, dass alles reibungslos abläuft. An einem Arbeitstag hält er acht Stunden Wache. Von morgens 4 bis 8 Uhr und von 16 bis 20 Uhr. Er delegiert viel an die rund 20-köpfige Crew, ist zuständig für die Ladung, die Erhaltung des Schiffes und hat administrative Aufgaben. Viel Verantwortung. Die Besatzung ist international. Viele Polen und Ukrainer sind dabei.

Mit einer Gefahr ist der Wiesauer nicht konfrontiert: Piraterie. Auf seiner Strecke zwischen Europa und der Ostküste Amerikas muss er keine Überfälle befürchten. Kollegen Czurdas aber schon. Zwar habe sich die Lage in Somalia wesentlich beruhigt, dafür werde es beispielsweise nahe der Elfenbeinküste immer extremer. Schiffe, die durch solche Gebiete fahren haben laut dem 29-Jährigen einen privaten Sicherheitsdienst dabei. Drei bis fünf Männer, bewaffnet bis unter die Zähne. Einmal habe auch er selbst einen Angriff miterlebt. 2010 steuerten Piraten nahe Somalia einen Konvoi an. Czurda war auf einem Schiff zehn Kilometer hinter dem Geschehen und verfolgte den Funkverkehr. Es ging damals glimpflich aus. Die Piraten hatten keine Chance.

Czurda ist immer vier Monate auf See. In der Zeit fährt er zweimal nach Amerika und zurück. Seine Freizeit an Bord verbringt der Wiesauer etwa in einer Bar mit anderen Offizieren. Er geht in die Sauna, in den Pool, liest ein Buch oder guckt Filme. Auch Captain Phillips mit Tom Hanks hat er schon gesehen. "Die Aufmachung ist sehr realistisch", sagt er.

Nach seinen Fahrten hat Czurda zwei bis zweieinhalb Monate frei. Er arbeitet dann im Garten und genießt es zu Hause zu sein. Allerdings macht er sich auch über die Zukunft Gedanken. Deutsche Reedereien sind im internationalen Vergleich oft zu teuer. Der 29-Jährige spricht von Krise. Deshalb überlegt er, irgendwann als Seelotse zu arbeiten. Dafür müsste er allerdings nach Norddeutschland ziehen. Hamburg zum Beispiel. Dort könnte sogar Rolf Czurda irgendwann bodenständig werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.