Mehr Megabits für die Stadt

"Was ist in Neustadt möglich?", fragte Telekommunikationsberater Manfred Gebhard im Stadtrat. In Sachen Internetgeschwindigkeit geht vieles, doch nicht überall gleich schnell.

Der Berater sprach über das Breitbandförderprogramm, das in Bayern den Ausbau des schnellen Internets beschleunigen will. Es geht um Hochgeschwindigkeitsnetze in schlecht versorgten Gebieten. Gefördert werden die Netzbetreiber, da der Ausbau für sie sonst nicht rentabel ist. Doch wer den Ausbau wo übernimmt, das entscheiden die Kommunen. Neustadt könne mit maximal 530 000 Euro Förderung rechnen. Die Investitionssumme für den Ausbau liegt höher. Der Zuschuss ist nur dazu da, einen Ausgleich zwischen Ausgaben und erwarteten Einnahmen für die Betreiber zu schaffen.

Telekom baut Netz aus

Gebhard präsentierte, welche Stadtteile überhaupt für eine Förderung in Frage kommen. Nicht alle Gebiete sind förderfähig. Viele Haushalte werden bereits versorgt über die Kupferkabel der Telekom in nahezu jedes Haus. Nachteil ist jedoch, dass die Geschwindigkeit des Internetzugangs mit der Entfernung von der Verteilerstation abnimmt.

Die Telekom hat angekündigt, ihr bestehendes Netz in den nächsten drei Jahren so aufzurüsten, dass sie in weiten Teilen der Stadt einen Download von mindestens 30 Mbit/s garantiert. Auf Nachfrage von Annette Karl (SPD) bestätigte Gebhard, dass die Telekom dies tatsächlich realisiere.

Kabel Deutschland versorgt derzeit seine Internetkunden über Fernsehleitungen. Diese Variante ist schnell und unterliegt keiner entfernungsabhängigen Bandbreitenreduzierung. Problem ist, dass das Surfen umso langsamer wird, je mehr Nutzer gerade im Netz sind.

Schneller als diese beiden bestehenden oder angekündigten Alternativen ist die Glasfasertechnologie direkt ins Haus. Geschwindigkeiten beim Herunterladen bis zu 1000 Mbit/s sind möglich. Doch die Kabel können nicht an bestehende Leitungen anschließen. Das bedeutet, Straßen müssen aufgerissen und jedes Haus einzeln versorgt werden.

Gewerbegebiet hat es nötig

Unter das bayerische Förderprogramm fallen nur Gebiete, bei denen der Zugang langsamer als 30 Mbit/s ist. Weite Bereiche von Neustadt liegen bereits an dieser Grenze oder werden es in spätestens drei Jahren sein. Gebhard identifizierte das Gewerbegebiet "Im Wiesengrund", den Schulhügel und die Radschinmühle als unterversorgte und durchaus förderrelevante Flächen. Er bestätigte auch, dass die Kosten des Breitbandausbaus dieser Gebiete weit unter der Förderhöchstgrenze von 530 000 Euro lägen.

"Besonders für das Gewerbegebiet empfiehlt sich Glasfasertechnik", sagte Gebhard. Erstens erhöhe sie die Standortattraktivität, und zweitens haben Firmen eine größere Auswahlmöglichkeit für ihre Internetansprüche.

Karl warf ein, dass die Versorgung mit 30 Mbit/s im Stadtgebiet nicht ausreichend sei. Man müsse aufpassen, dass in zehn Jahren nicht wieder das gleiche Problem mit zu langsamem Internet auftrete. Bürgermeister Rupert Troppmann outete sich als "Uralt-EDV'ler". Er machte besonders aufwendige Software für den hohen Datenverbrauch verantwortlich. Das Schul- und Gewerbegebiet brauche auf jeden Fall eine bessere Ausstattung des Netzes als bisher. Er nannte das ganze Verfahren "eine schwierige Entscheidung".

Wunschzettel Fehlanzeige

Beim Schulhügel gab Karl zu bedenken, dass ein schnelleres Internet dem Zukunftsziel des Landrats nachkomme, computergestütztes Lernen zu fördern. Troppmann erinnerte daran, dass er noch von keinem Rektor Beschwerden über ein langsames Internet gehört habe. "Das müssen wir prüfen."

Der Rathauschef dämpfte zu hohe Erwartungen. Viele Bürger gingen davon aus, dass durch den Fördertopf nun jeder Haushalt 50 Mbit/s bekomme. Dabei würden sie übersehen, dass die meisten Gebiete schon gut versorgt und damit nicht förderfähig seien. Er schlug vor, die Entscheidung über die Gebiete, die man ausbauen wolle, auf die Sitzung im Oktober zu verschieben. Dagegen gab es keine Einwände.
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