Musik pur statt Effekte

Die Jugendlichen aus Franken und der Oberpfalz müssen für Proben zum Teil weite Strecken auf sich nehmen. Beim Auftritt in St. Georg klangen sie aber so gut aufeinander abgestimmt, als ob sie schon lange regelmäßig und intensiv miteinander singen . Bild: hbl

Als die Stücke, die sie sangen, komponiert wurden, waren die meisten der Jugendlichen, die am Samstag in St. Georg auftraten, noch gar nicht auf der Welt. Um so erstaunlicher, wie sie sich interpretatorisch in Musik und Texte einfühlen konnten, die nicht so viel mit ihrer Lebenswirklichkeit zu tun haben dürften.

Der Jugendchor des Fränkischen Sängerbundes ist schon deswegen eine Besonderheit, da sich bereits seit 1982 Jugendliche aus Franken und der nördlichen Oberpfalz regelmäßig vier- bis fünfmal im Jahr treffen, um miteinander zu proben und zu konzertieren. Sie nehmen dabei große Entfernungen in Kauf, um bei Aufführungen die eigenen hohen Ansprüche zu erfüllen.

Schon der Einzug zu den Klängen eines argentinischen "Santo, Santo" machte deutlich, was den Chor ausmacht: ein stimmlich ausgewogener Gesamtklang mit glasklarer Intonation.

Dirigent setzt Akzente

Dieser positive Gesamteindruck bestätigte sich im folgenden Programm, das die Musik des 16. bis 20. Jahrhunderts beleuchtete. Es ist unverkennbar ein Verdienst von Chorleiter Karl-Heinz Malzer, dem Gründer des Jugendchores, dass er jungen Menschen dieses Einfühlungsvermögen überzeugend vermittelt.

So wurde besonders "Remember not Lord" von Henry Purcell mit seiner expressiven Harmonik zu einem ersten Höhepunkt. Die polyphonen Anforderungen eines weiteren Prüfsteins der Chorliteratur - "Verleih uns Frieden" von Heinrich Schütz - meisterte das Ensemble mit ausgewählter Textverständlichkeit. Aber auch die Werke mit zeitgenössischem Charakter von Randall Thompson, György Deák-Bardos und Arvo Pärt beeindruckten durch exemplarische Gestaltungskraft und Dramatik.

Malzer teilt sich seit einigen Jahren die Chorarbeit mit seiner Tochter Michaela Treese. Beide Dirigenten bestechen in familiärer Verbundenheit mit klar verständlicher und ausdrucksstarker Zeichengebung, die 24 Sängerinnen und 15 Sänger minutiös umsetzten.

So fällt es schwer, eine Komposition aus den weiteren Chorwerken von Bortnianski, Cherubini, Saint-Saëns und Gade besonders herauszuheben. Großes Lob verdient die gelungene Koordination des vorne stehenden Chores mit der einfühlsamen Orgelbegleitung von Andreas Feyrer. Ebenso wie Thomas Falk ließ er die vielgelobte Jann-Orgel klangprächtig und virtuos mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Léon Boëllmann erklingen.

Starkes Programmheft

Drei Spirituals aus der Feder zweier namhafter Komponisten afro-amerikanischer Herkunft bildeten den leisen und fast in sich gekehrten Abschluss des Konzerts. Einfühlsam und ausdrucksstark, ohne Effekthascherei, rein auf die Musik konzentriert, interpretierte Malzer mit seinem Jugendchor diese musikalischen Preziosen. Der große Applaus des begeisterten Publikums in der gut gefüllten Kirche war mehr als verdient.

Ein Extralob verdient das aufwendig und höchst informativ gestaltete Programmheft, das seinesgleichen sucht.
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