Nach Kathrein schlägt der Ball ein

Torjubel statt Halleluja, Fangesänge statt Choräle, möglicherweise Public Viewing am Weihnachtsmarkt und, wie seit Donnerstag feststeht, das Endspiel am vierten Advent: die Vorweihnachtszeit 2022 mit der Fußball-WM in Katar beschäftigt Geistliche und Wirte schon jetzt.

"Nein! Das geht überhaupt nicht." Für Schafferhof-Chef Reinhard Fütterer aus Windischeschenbach steht fest, dass es auf seinem Adventsmarkt keine Großleinwände geben wird, um zwischen Holzkunst, Filzen, Korbflecht- und Keramikkunst die Jagd nach dem WM-Pokal zu verfolgen. Es sei ein Spiegelbild der Gesellschaft, dass die verantwortlichen Leute keine Rücksicht auf Feiertage und andere Gepflogenheit nehmen. "Für mich ist Advent die stade Zeit, da brauche ich kein Halligalli."

Mindestens Viertelfinale

Nicht vorstellbar ist für Jürgen Füssl, dass es während der Winter-WM Public Viewing im Freien geben wird. "Draußen kannst du das vergessen. Das geht höchstens in einer großen Halle", sagt der "D'Wirtschaft"-Wirt aus Altenstadt/WN. Das Finale 2014 verfolgten bei ihm rund 2500 Gäste. So eine große Veranstaltung sei bei der Katar-WM nicht möglich.

"Was sollen die Leute im Freien bei der Kälte konsumieren?", fragt der Unternehmer. Feste in einer solchen Größenordnung seien nur mit Sponsoren zu stemmen. Riesige Leinwände, Boxen, Technik und die Fifa-Übertragungsrechte würden sehr viel Geld kosten. "Und wenn Deutschland nicht bis ins Viertelfinale kommt, rechnet es sich nicht", erklärt Füssl. Im Gegensatz dazu könne er bei seinen zahlreichen Weihnachtsfeiern gut kalkulieren.

Stadtpfarrer Josef Häring aus Neustadt/WN verfolgt Weltmeisterschaften intensiv vor dem Fernseher. "Ich schaue normal immer mehrere Spiele an, nicht nur die deutschen." Allerdings stellt er sich darauf ein, dass er 2022 nicht so oft vorm TV-Gerät sitzt. Den Zeitpunkt der Katar-WM sieht er kritisch. Letztendlich gehe es um riesige Geldmengen, "da spielen christliche Aspekte wie der Advent keine Rolle".

Pater Marek vom Kloster St. Felix in Neustadt versteht die Entscheidung für die Winterzeit. "Diese Lösung ist gut für die Sportler. Sonst wäre es viel zu heiß." Der Geistliche jagt selber noch dem Ball hinterher. Er stürmt für die bayerische Klerus-Auswahl und habe wenige Probleme damit, dass die WM kurz vor Weihnachten ist. "Bei vielen Leuten steht die Adventszeit sowieso nicht für Ruhe und Stille. Im Vordergrund steht eher der Stress." Daher sei es für die Zuschauer egal, an welchem Datum sich die Fußballer duellieren.

In die gleiche Kerbe schlägt Pfarrer Peter Peischl von der evangelischen Kirchengemeinde Vohenstrauß. "Viel adventliche Besinnung findet man sowieso nicht mehr. So lange das Endspiel nicht an Heiligabend ist, habe ich kein großes Problem damit." Um christliche Belange kümmere sich der organisierte Fußball schon lange nicht mehr. Früher sei der Sonntagvormittag noch spielfrei gewesen. Dies habe sich mittlerweile auch gerändert.

Pfarrer Peischl kickt selber bei den Alten Herren der SpVgg Vohenstrauß. Mit einem Augenzwinkern fällt ihm noch ein Grund ein, warum die WM nicht im Dezember über die Bühne gehen sollte. "Früher hieß es: 'Kathrein stellt den Tanz ein.' Und die Fußballer legen ja so etwas wie einen Tanz hin", verweist er auf den Kathreinstag Ende November.

Fernseher bleibt aus

"Ich sehe die Wahl Katars als Austragungsort grundsätzlich kritisch, vor allem wegen den Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen", positioniert sich Pfarrerin Lisa Weniger von der evangelischen Gemeinde Floß. Es könne einem nicht egal sein, dass das Sportfest in die Adventszeit falle. Sie befürchtet, dass weniger Leute zu den christlichen Feiern kommen. "Mein Mann und ich sind große Fußballfans, aber wir überlegen die WM 2022 zu boykottieren. Da vergeht einem die Freude."
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