Neue Berufsschulklassen - Herausforderung für Jugendhilfe
Mehr Flüchtlinge

Es gibt bereits einige Flüchtlingsklassen in der Oberpfalz. Einige Schüler besuchen etwa die Europa-Berufschule in Weiden. Für Wiesau und Neustadt sind kurzfristige zwei weitere Klassen geplant. Bild: Götz
Immer mehr Flüchtlinge verschlägt es in die Oberpfalz. In der Jugendhilfeausschuss-Sitzung präsentierte Jugendamtsleiter Klaus Egelseer Statistiken für die Region. Zurzeit leben 465 Asylbewerber (davon 56 in Gemeinschafts- und 456 in dezentralen Unterkünften) sowie 40 Flüchtlinge aus Syrien im Landkreis. Das sind mehr als Zahlen: eine Herausforderung.

Nicht zu viele Heimplätze

"Sobald diese Menschen sich rechtmäßig oder aufgrund einer ausländerrechtlichen Duldung bei uns aufhalten und einen gewöhnlichen Aufenthalt hier im Landkreis haben, gilt das SGB VIII uneingeschränkt", erklärte Egelseer. Das heißt, dass diese Familien Anspruch auf einen Kita-Platz, Beratung und Unterstützung bei erzieherischen Problemen, auf Hilfen zur Erziehung oder auf Eingliederungshilfe haben. Bei drohender Kindeswohlgefährdung - etwa wenn ein Kind von einem Elternteil geschlagen wird - muss die Jugendhilfe einschreiten. Herrschen Sprachbarrieren vor, ist das problematisch. Wegen ihnen greifen laut Egelseer die Methoden der Jugendhilfe so gut wie gar nicht. Er erklärt: "Wir haben derzeit noch keine Fachkräfte, die Afghanisch, Syrisch oder Eritreisch sprechen." Deswegen schlug der Jugendamtsleiter vor, einen Dolmetscherpool einzurichten.

Egelseer brachte die Ausschussmitglieder bei den Zahlen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge auf den aktuellen Stand. Aktuell lebten 36 im Landkreis. Der Jugendamtsleiter sagt zwar: "Ich denke nicht, dass es wesentlich weniger werden." Er erklärte aber auch, dass er mit Augenmaß an die Schaffung neuer Heimplätze herangehen möchte. Aktuell gibt es davon 60 (22 im Grafenwöhrer St. Michaels-Werk, 15 bei Willkommen e.V. in Pleystein, 6 im Haus St. Elisabeth in Windischeschenbach und 30 im Neustädter Sozialkompetenz-Training Oberpfalz). "Wir müssen vorsichtig sein, sonst bleiben welche unbesetzt."

Der Andrang der Asylbewerber machte es auch notwendig, neue Klassen für die Beschulung von berufsschulpflichtigen Flüchtlingen zu schaffen. Das Kultusministerium genehmigte kurzfristig zehn weitere Klassen. In Wiesau und in Neustadt soll eine solche noch im März und April geschaffen werden. Die Ausschreibungen für private Träger laufen. Ab dem neuen Schuljahr sind dann die Schulen selbst zuständig.

Viele Fragezeichen

Dr. Wolfgang Eckstein, Berufsschulleiter in Wiesau, erklärte: "Natürlich ist das eine Herausforderung." Es sei zwar ein Problem, dass die Verantwortlichen noch nicht wüssten, welcher Nation die Jugendlichen angehören und welche beruflichen Vorkenntnisse sie haben. Es gibt viele Fragezeichen. Allerdings steht für Eckstein fest, dass sich die Zahl der DaF- und DaZ-Lehrer erhöhen müsse (DaF steht für Deutsch als Fremdsprache und DaZ für Deutsch als Zweitsprache). Das wichtigste Ziel des Rektors ist es, die Jugendlichen "so rasch wie möglich zu integrieren". Eckstein kritisierte jedoch die oft verzwickten Rechtslagen und die Bürokratie, die an den Tag gelegt werde. Konkret äußerte er: "Die Integrationsämter müssen mitspielen." Der Neustädter Berufsschulleiter Anton Dobmayer erklärte, dass der ins Auge gefasste Starttermin (20. März) wohl nicht gehalten werden kann. Los gehen soll es nach Ostern. Auch er sieht den Schlüssel in der Sprachvermittlung. Er betonte, wie wichtig die sozialpädagogische Betreuung ist, und hat dabei vor allem im Blick, dass viele Flüchtlinge unter einem Trauma leiden.

Auch das St.-Michaels-Werk in Grafenwöhr wird Flüchtlinge ab September beschulen. "Wenn ein Förderbedarf festgestellt wird", verriet Leiter Peter Fleischmann. Anfangs sollen in einer Klasse mit bis zu 18 Jugendlichen vor allem die Sprachdefizite aufgearbeitet werden. Anschließend wird individuell entschieden, wie es weitergeht. Fleischmann fordert: "Neue Stellen sind unabdingbar." Die Politik hinke stets hinterher. Das will der Leiter allerdings nicht als Vorwurf verstanden wissen: "Alle sind von der Flüchtlingswelle überrollt worden." (Angemerkt)
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