"Neustadt ist der Wahnsinn"

Susanne Weimann und Tanja Kippes (von links) sind sich einig: Die Flüchtlingsarbeit in Neustadt läuft gut, könnte aber noch besser organisiert sein. Bild: Götz

Es gibt in diesen Tagen viele Menschen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Doch in Neustadt wäre eine offizielle Instanz, die alles koordiniert, schön. Das betonen jene, die jetzt schon helfen.

Tanja Kippes hat viel um die Ohren. Die Lehrerin ist Mutter von vier Kindern, Mitglied im Pfarrgemeinderat und CSU-Stadträtin. Zusätzlich engagiert sie sich für die Flüchtlinge in ihrer Heimatstadt. Da wäre ein bisschen Hilfe nicht schlecht.

"In Neustadt fehlt eine übergeordnete Stelle, die alles koordiniert", betont sie. Kippes will eigentlich nur im Hintergrund agieren. "Und plötzlich rufen die Leute mich an, und wollen wissen, wohin sie ihre Sachspenden bringen oder wie sie helfen können."

Die 42-Jährige will auf keinen Fall, dass ein falscher Eindruck entsteht. "Ich kümmere mich sehr gerne", sagt sie. Doch damit die vielen Helfer bei der Stange bleiben, brauche es Struktur. Dann könnte man sich abstimmen: Wer braucht was? Was kann man tun?

Spontane Freundschaften

Tanja Kippes kam aus purer Neugierde dazu, in der Flüchtlingshilfe mit anzupacken. In den Herbstferien 2014 war sie mit einer Bekannten zu Besuch im ehemaligen Gasthaus "Krone". "Ich wollte mal sehen, wer da jetzt eigentlich wohnt." Aus dem Ausflug seien tiefe Freundschaften mit Asylbewerbern entstanden. Im Mai begann Kippes zusammen mit anderen Freiwilligen, die ehemalige Hausmeisterwohnung im Pfarrheim umzubauen, damit dort Flüchtlinge unterkommen können. "Zu Pfingsten sind dann sieben Asylbewerber eingezogen."

Kippes steckt viel Energie in ihr Engagement. Sie fährt ins Gymnasium und bastelt mit den Kindern, sie leitet die Kleiderkammer an, um die sich dann der Katholische Frauenbund kümmert. "Das sind so viele Felder auf einmal, ich würde mich gerne in eines richtig einarbeiten", sagt die Tochter des früheren Stadtrats Ludwig Bayer. Doch dafür brauche sie jemanden, der sich offiziell mit einbringt.

Auch Susanne Weimann ist dieser Meinung. Die 41-jährige Neustädterin ist eine Mitstreiterin von Kippes. Sie gibt Integrationskurse an der Volkshochschule Weiden und hilft auch in Neustadt, wo sie kann. Sie hat engen Kontakt zu den Verantwortlichen in der Stützelvilla und zur Kleiderkammer. Zudem startet sie Rundrufe, wenn Familien Kinderwagen brauchen. Das Neustädter Netzwerk der vielen freiwilligen Helfer kommuniziert über "Whats App".

Bei der Erstbelegung der Turnhalle seien sehr viele Helfer zum Gymnasium gekommen. "Das war überwältigend", freut sich die Dozentin. Sie bleibe wie Kippes lieber in der zweiten Reihe und koordiniere über private Kontakte und Telefongespräche die Hilfsaktionen.

Neustädter packen an

"Neustadt ist der Wahnsinn, Engagement wohin man blickt", freut sich Weimann. Auch die Vereine seien hilfsbereit und knüpften persönliche Kontakte. Die Fußballer und die Basketballer der DJK seien Anlaufpunkt für viele unbegleitete Minderjährige.

"Weimann stimmt ihrer Kollegin zu: "Die kommunale Integration muss von oben angeleiert werden." Die Ehrenamtlichen und die Flüchtlinge bräuchten einen offiziellen Ansprechpartner, eine Stelle mit Bürozeiten, die sich um alle Belange kümmere.

"Wir sind da dran", verrät Kippes. Mehr möchte sie noch nicht preisgeben. Susanne Weimann und Tanja Kippes freuen sich, dass in Neustadt in Sachen Flüchtlingen alles gut läuft und die Bürger aufgeschlossen sind. "Und endlich ist mal jemand in der Stadt. Das ist eine willkommene Belebung, auch für unseren neuen Stadtplatz."
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