Nicht giftig, aber tückisch

Respekt ist gut, Angst nicht. Udo Bezold von der Werksfeuerwehr Constantia Hueck-Folien führte Pirker Kindern beim Ferienprogramm vor, wie die roten Riesensprays gefahrlos zu bedienen sind. Archivbild: zer

Abgesehen von der Dummheit, dass ein Discjockey in Vohenstrauß mit einem Pulverlöscher wild um sich gespritzt hat, ist auch im Ernstfall Vorsicht mit den Geräten geboten. Kreisbrandrat Richard Meier empfiehlt für Privathaushalte eher Schaumlöscher. Doch gerade in älteren Häusern hängen noch viele der problematischen Pulversprays.

Die Gründe, warum diese Löscher an Orten gang und gäbe sind, wo sie vielleicht gar nicht hingehören, sind vielfältig. Einer ist in der Historie zu suchen. "Es sind sogenannte ABC-Löscher. Vor 30, 40 Jahren haben Versicherungen das vorgeschrieben. Heute gilt das nicht mehr", berichtet Helmut Eller, der in Weiherhammer eine Firma für Brandschutztechnik betreibt. Sollte das Haus über einen außenliegenden Gastank verfügen, sind Pulverlöscher aber nach wie vor Pflicht.

Die Geräte erfüllen zweifelsohne ihren Zweck, Brände zu ersticken. Manche Nebenwirkungen sind jedoch an den Besuchern der Singleparty in der Vohenstraußer Stadthalle zu beobachten: Atemnot, Erbrechen, Magenverstimmungen, Hautreizungen und Hustenanfälle. Doch auch, wer das Pulver nicht von einem übermütigen DJ frontal abbekommt, kann damit Schaden anrichten. "Wenn ich damit in einer Zwei-Zimmer-Wohnung einen brennenden Adventskranz lösche, mache ich viel kaputt", warnt Kreisbrandrat Richard Meier. Das Pulver kriecht in kleinste Ritzen. Für die Reinigung muss eine Spezialfirma ran, die Wohnung ist tagelang nicht nutzbar.

Einziger Trost: "Es ist nicht giftig", sagt Dr. Rüdiger Hettler aus Floß. Der Arzt ist nebenbei Kommandant der Feuerwehr Altenhammer. Das Problem in Vohenstrauß sei vor allem die große Menge des Pulvers gewesen, die Einzelne inhaliert hätten. "Aber die Symptome habe ich auch, wenn ich viel Mehl einatme."

Dennoch: Appetitlich ist das Gemisch nicht. "Es ist im Prinzip ein Düngemittel", erklärt Ellert. Genauer: Ammoniumdihydrogenphosphat mit verschiedenen Salzen. "Wo es möglich war, haben wir in den Landkreisgebäuden von Pulver- auf Schaumlöscher umgestellt", sagt Meier. Er hofft, dass durch den Unfug in Vohenstrauß keiner Hemmungen entwickelt, einen Löscher zu benutzen. "Jeder kann sich jederzeit bei seiner Feuerwehr melden und sich das zeigen lassen."

Wartung oft Fehlanzeige

Doch viele denken nicht einmal daran, die Riesenspraydose alle zwei Jahre warten zu lassen. Das kostet etwa 20 bis 30 Euro. "Wer die Wartung zehn Jahre lang vergessen hat, kann seinen Löscher eh wegwerfen", betont Meier. Gleiches gilt für jene, die den roten Behälter einmal aus Neugier kurz ausprobiert haben und dann wieder an die Wand hängen. Sollte bei einem Feuer in Innenräumen ein Pulverlöscher zur Hand sein, empfiehlt Meier, von der Tür aus nicht allzu lange auf den Brandherd zu sprühen, die Tür dann zu schließen und so schnell wie möglich die Feuerwehr anzurufen. Dafür plädiert auch Hettler.

Spätfolgen im Büro

Weitere Lösch-Tücken lauern in Büros, erklärt Eller. Qualmt dort ein Papierkorb und wird mit Pulver gelöscht, müssen unter Umständen Rechner und Drucker ausgelagert werden. "Wenn schon Pulver eingedrungen ist und mit feuchter Luft in Berührung kommt, fangen Platinen an zu oxidieren." Die Spätfolge: Das Büro ist längst wieder tauglich, aber plötzlich macht der Computer schlapp. Weniger heikel ist der Pulverlöscher dagegen im Freien. Ideal ist er, um flüssig werdende Stoffe wie Wachs, Öl oder Benzin im Zaum zu halten. Was also sollte im Reihenhaus, im Sozialraum oder der Einliegerwohnung griffbereit sein? Ellert empfiehlt "ABF-Löscher", eine Art Schaumlöscher, die für viele Arten von Bränden geeignet ist: feste und flüssige Stoffe sowie Fettbrände. Je nach Größe kostet so ein Gerät 130 bis 150 Euro. Standardgrößen sind 6 und 12 Liter.

Der beste Brandschutz sei jedoch ein ganz anderer, wiederholt Kreisbrandrat Meier: "Rauchmelder, Rauchmelder, Rauchmelder."
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.