"Nur der Tod entschuldigt"

Komme was wolle: Der erste Freitag im Monat ist bei den 17 Mitgliedern des Bergmühlclubs für die Clubsitzung fest eingeplant. Denn das Erscheinen ist Pflicht.

Kommt man nicht, kann das gefährlich werden. Bei unentschuldigtem Fernbleiben - übrigens ebenso wie bei verspätetem Erscheinen - werden Strafzahlungen fällig und im Wiederholungsfall droht schlimmstenfalls gar der Ausschluss aus dem Verein. "Nur der Tod entschuldigt", gilt als geflügeltes Wort.

Zerrissene Hose

Beinahe wäre es schon mal zu einem Ausschluss gekommen. Nach dem Polterabend von Georg Geyer im Jahr 1973 zerriss aus nicht mehr näher bekannten Umständen die Hose eines etwas eitlen Clubmitglieds. Offenbar aus Scham blieb er gleich mehreren Clubsitzungen fern. Dann überwand er aber doch seinen gekränkten Stolz und kehrte zu den Monatstreffen zurück. Diese und noch einige Anekdoten mehr gab's beim Jubiläumsabend anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Gemeinschaft zu hören.

Den Gottesdienst in der Felixkirche gestaltete der Waldhauser Viergesang mit der Schifferklavierbegleitung von Fred Fröhlich und der Deutschen Bauernmesse. Tradition hat bei dem nicht eingetragenen Verein einen hohen Stellenwert. Das zeigt sich auch beim Vereinslokal. Seit 60 Jahren ist es das Gasthaus "Zum Felsen" der Familie Holzer. Zum Dank gab's Blumen für Anke und Liesl Holzer. Markus und Herbert Holzer dagegen sind selbst Mitglieder im Bergmühlclub.

Der Club sei zu einer Zeit entstanden, als alle Häuser im Bergmühlviertel bewohnt waren. In der Glasindustrie sei mit harter Arbeit das Geld verdient worden. "Trotzdem blieb Zeit für Spaß und Geselligkeit", erinnerte zweiter Bürgermeister Heinrich Meier. "Wenn der offizielle Teil der Sitzungen manchmal nur fünf Minuten gedauert hat, so war das für den geselligen Teil sicher vorteilhaft", meinte Maier zu den Vorzügen einer straffen Sitzungsleitung. Ganz so schnell ging es aber nicht immer. Die längste Sitzung ist in Aufzeichnungen auf den 5. Februar 1959 datiert. Dabei ging es um die Neuregelung der Strafen und den Bau einer Clubhütte, wobei man bezüglich letzterer keine Einigung erzielte.

"Viele Bierleichen

Stattdessen gab es regelmäßig Wochenenden in der Zwackhütte bei Waldkirch. Von den Bauarbeiten im Jahr 1947 projizierte Alfred Spachtholz bei einem Lichtbildvortrag alte Fotos an die Wand. Da waren auch Bilder von den Fußballpokalspielen zu sehen, die der Club einst austrug. Allerdings nicht lange. In den Aufzeichnungen ist von Konditionsmängeln einzelner Spieler zu lesen, unter denen die Spiele zu leiden hatten. Mag sein, dass die Siegprämien in Form eines Gockels und sechs Bier je Gewinner die Kondition nicht vorteilhaft beeinflussten. Schriftführer Hans Spachtholz zitierte aus der Chronik: "Wegen Überanstrengung und vieler Bierleichen hätte es beinahe Herzinfarkte gegeben." Den Vorsitz des Bergmühlclubs, der sich wieder mehr auf seine Anfänge, das Wandern, zurückbesinnt habe, hat heuer Josef Schmid und auch das ist keine Selbstverständlichkeit. "Es ist schon bemerkenswert, wenn ein Gründungsmitglied nach 60 Jahren den Vorsitz führt", anerkannte Maier. Seit rund 25 Jahren hat der Vorsitzende außerdem das exklusive Recht, die Amtskette aus 42 Svarovski-Steinen zu tragen.
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