Ordentlich vorglühen

Hans-Jürgen Kappert gibt ab 18. Juli den Anheizer, wenn ihn die Stadt als Backofenwart installiert. Danach nimmt er auch Aufträge von Privatleuten an. Bild: phs

Ob beim Nofi-Lauf oder wenn die DJK um Tore kämpft: Die Neustädter haben Erfahrung beim Anfeuern. Die sollen sie jetzt mal im Wortsinn beweisen. Bürgermeister Rupert Troppmann will den letzten Kommunbackofen reaktivieren. Den geeigneten Mann dafür hat er schon.

Wer durch die Lindenstraße, im Volksmund auch "Prophetengasse" genannt, fährt, hat meist keine Augen für die versteckte Sehenswürdigkeit. In einer Nische duckt sich der einzig verbliebene, öffentliche Backofen der Stadt. Den hat eine Spezialfirma aus dem Bayerischen Wald vor einigen Wochen saniert und isoliert. Nun ist er vielseitig einsetzbar. "Wahrscheinlich würde auch ein Spanferkel schön knusprig", sagt Hans-Jürgen Kappert. Der 68-Jährige hat zwar keinen offiziellen Titel, soll aber eine Stunde vor Eröffnung des Bürgerfests am 18. Juli als eine Art Kommunbäcker vorgestellt werden. Zugleich wird der Backofen, der vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt, erneut feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Regelmäßige Backtage

Bürgermeister Troppmann schweben Brotbacktage in regelmäßigem Turnus vor. Kappert steht dafür Gewehr bei Fuß. Als Mitglied der Bürgerwehr war er schon in den 1980er Jahren dabei, als der unvergessene Karl Dorner regelmäßig Holzofenlaibe aus der Röhre holte. "Damals ist uns auch mal was verbrannt", gibt der pensionierte Elektromeister zu. Oft war es in der Röhre einfach zu heiß.

Doch nach der Sanierung ist der Ofen leichter beherrschbar. "250 Grad sind die ideale Temperatur", hat Kappert festgestellt. Früher warfen Bäcker Kornähren ins Innere und warteten, ob sie Feuer fingen. Dann war der Ofen zu heiß. Heute nutzt Kappert ein elektrisches Messgerät.

Das gibt den Auftraggebern Sicherheit, dass aus ihrem Teig oder Fleisch auch wirklich ein leckerer Laib, Braten oder Kuchen wird. Wer will, kann sich bei Kappert unter Telefon 09602/8704 melden und den ehemaligen Angestellten des Bezirksklinikums Wöllershof engagieren. "Am besten ist es, wenn ich eine Woche vorher Bescheid weiß." Wer backen lassen will, sollte Holz und Teig mitbringen. In der Regel heizt Kappert am Vortag an, bei kleineren Mengen reicht schon mal ein halber Tag Vorlaufzeit. "Man braucht jetzt auch nicht mehr so viel Holz wie früher, weil alles besser isoliert ist." Trotzdem: Für 20, 30 Dreipfund-Laibe und eventuell noch ein bisschen Fleisch dazu, sind ein bis anderthalb Ster nicht zu großzügig kalkuliert.

Das erste Resultat war vielversprechend. "Den Bauhofmännern haben Brot und Krustenbraten nach der Sanierung geschmeckt", versichert der Bäcker.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.