Realschule Lobkowitz: Fest für alle Französischschüler zum Jahrestag des Freundschaftsvertrags
Freundschaft und Liebe

Applaus, Applaus: Im alten Musiksaal der Lobkowitz-Realschule präsentierte Fabrice Prockl zum deutsch-französischen Tag Chansons aus mehreren Jahrhunderten. Bild: bgm

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Das war keine Selbstverständlichkeit. Die Lobkowitz-Realschule begeht den Jahrestag mit einem Fest für alle Französischschüler.

"Im frühen Mittelalter, im achten und neunten Jahrhundert, gab es ein großes Reich, das Deutschland und Frankreich umfasste. Karl der Große war der Herrscher." Zu Beginn des deutsch-französischen Aktionstages an der Realschule blickte Direktor Johannes Koller weit in die Geschichte der beiden Nachbarstaaten zurück. In der Folgezeit habe es viele feindselige und sogar kriegerische Phasen gegeben.

Ob zur Zeit Napoleons, im Krieg von 1870/71 oder den beiden Weltkriegen, "der Alltag unserer Vorfahren war, dass sie alle paar Jahrzehnte Krieg gegen Frankreich führten", erklärte Koller. Das hat sich geändert. "Heute ist die deutsch-französische Freundschaft der Ausgangspunkt für die europäische Einigung."

Mutter aus Paris

Wer wäre da als Gast besser geeignet als Fabrice Prockl, der Übersetzer und Chansons-Sänger aus Bärnau, den selbst ganz viel mit beiden Staaten verbindet. "Der deutsch-französischen Freundschaft habe ich praktisch mein Leben zu verdanken", brachte es Prockl selbst auf den Punkt. Seine Mutter kommt aus Paris, sein Vater ist Tirschenreuther. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr lebte Prockl im Heimatland seiner Mutter, zunächst in Paris, dann im Überseedepartement Gouadeloupe. Zu den Realschülern war er gekommen, um traditionelle und moderne Chansons vorzutragen und um einen Einblick in die Kultur des Nachbarlandes zu geben.

Zur Einstimmung intonierte Prockl mit "Les copains d'abord" ein Lied aus den 50er Jahren von Georges Brassens. "À la claire fontaine", ein französisches Volksstück aus dem 18. Jahrhundert, handelt von einer unglücklichen Liebe. Ebenfalls um die Liebe geht es bei "La maladie d'amour". Die Liebessehnsucht treffe jeden. Ob Kinderherzen, 7- oder 77-Jährige, manchmal leide man ein ganzes Leben daran. "Das Schlimmste aber ist, wenn man von ihr geheilt wird", heißt es in dem Text von Michel Sardou.

Auch ernste Themen

Ernste Themen greift Prockl mit "Le meteque" von Georges Moustaki auf. "Viele, die so erfolgreich geworden sind, sind nicht unbedingt eingefleischte Franzosen", meinte Prockl mit Blick auf den in Alexandria geborenen Sänger griechischer Abstammung.

In "La blanche" erzählt der Liedermacher Renaud Séchand von einem Freund, der den Drogen verfallen ist. Und in "Le déserteur" kritisiert der Schriftsteller und Sänger Boris Vian in einem fiktiven Brief eines Soldaten an den Präsidenten den Indochina-Krieg. Jacques Brel, Sohn einer großen Fabrikantenfamilie, habe für seine Karriere als Künstler das gutbürgerliche Leben hinter sich gelassen. "Zum Glück für seine Nachwelt", sagte Prockl.

Dass Brel immer auf der Seite der Schwachen gestanden habe, zeige sich in "Dans le Port d'Amsterdam". Das Lied mit eingängiger Melodie handelt von dem dunklen Hafenviertel, leichten Damen und betrunkenen Matrosen. Zum Abschluss gab es fröhlichere Lieder. Der Aufforderung Prockls, in den Refrain einzustimmen, kamen die Realschüler mit Begeisterung nach. Die deutsch-französische Freundschaft haben sie längst verinnerlicht.
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