Riesenparty mit Fragezeichen

Folklore schafft Identität. Das hatte beim jüngsten Neustadt-Treffen in Niedersachsen den Vorteil, dass die Waldnaab-Neustädter dank Bürgerwehr, Trachtenverein und Lobkowitzer Kulturfreunden schon nach kürzester Zeit bekannt waren. Sehr zur Freude der Touristiker im Landkreis. Bild: krb

Das Jahr 2018 hat alles, um in die Ortsgeschichte einzugehen. Die Stadt begeht ihren 800. Geburtstag und soll das Treffen der Mitgliedsgemeinden von "Neustadt in Europa" ausrichten. Doch der Zusammenschluss der 37 Neustadts aus 7 Ländern hat ein kleines Problem.

Einer der beiden polnischen Partner, die Stadt Nowe Miasto Lubawskie, sollte nächstes Jahr Treffpunkt aller europäischen Neustadts sein. Die 11 000-Einwohner-Stadt sieht sich dazu aber nicht in der Lage. Offenbar hat dort nach den Kommunalwahlen der neue Bürgermeister das erste Mal von den Planungen gehört. Doch egal, ob der Vorgänger geschludert hat oder sich der Neue überfordert fühlt: Die Polen haben der Arbeitsgemeinschaft bereits mitgeteilt, dass sie nächstes Jahr unmöglich die große Sause ausrichten können.

Dafür springt 2016 Neustadt an der Weinstraße ein. 2017 ist ebenfalls schon belegt. Also würde den Polen 2018 ganz gut passen, doch da ist ausgerechnet das Stadtjubiläum von Neustadt an der Waldnaab.

Warten auf Post aus Polen

Bürgermeister Rupert Troppmann skizzierte seinen Kollegen beim letzten Neustadt-Treffen vor zwei Wochen in Neustadt am Rübenberge einen Kompromiss, den er im Kulturausschuss diskutieren ließ. "Ich habe Verständnis für die Polen und denke, dass wir im Sinne des europäischen Gedankens ein Stück zurücktreten könnten." Troppmann schlägt vor, das große Neustadt-Treffen mit jeweils 70 bis 80 Mann starken Delegationen den Osteuropäern zu überlassen und in der Oberpfalz ein kleines Treffen an die 800-Jahr-Feier im Juli anzuhängen. "Dabei sollte jeder nur mit vier bis fünf Leuten kommen." Sollten die Polen das große Treffen nicht wollen oder stemmen können, könnte NEW doch noch als Ausrichter Mitte September 2018 einspringen oder die Festwoche verlängern. Troppmann: "Bevor wir entscheiden, will ich aber erstmal eine schriftliche Bestätigung aus Polen."

Tourismusreferentin Astrid Kost hat bereits nach Nowe Miasto Lubawskie geschrieben, aber noch keine Antwort erhalten. "Unsere letzte Geheimwaffe wäre, dass wir Pater Marek mal anrufen lassen", erklärte Troppmann. Achim Neupert (SPD) könnte mit dem Vorschlag des Bürgermeisters leben, ein bisschen enttäuscht klang er aber schon: "Ich finde das nicht ganz so schön, wir haben doch in einem Arbeitskreis schon alles besprochen, und wir hatten uns ja rechtzeitig für 2018 beworben." Näheres wollen die Stadträte diskutieren, sobald Post aus Polen eintrifft.

Guter Eindruck wirkt nach

Im Rathaus ist das "Neustadt in Europa"-Fieber noch nicht ganz abgeklungen. Schuld daran ist das Treffen in Neustadt am Rübenberge bei Hannover, von dem nicht nur Troppmann in den höchsten Tönen schwärmt. "Wir sind dort ausschließlich positiv aufgefallen." Auch der Cheftouristiker des Landkreises, Reinhold Zapf, habe gestaunt, wie oft und wie gezielt die Niedersachsen nach Prospekten gefragt hätten. "So viel wie bei unserem Infostand war sonst nur noch bei den holländischen Kollegen los", freute sich Troppmann.

Das lag auch daran, dass Bürgerwehr, Kulturfreunde Lobkowitz und Trachtenverein in bunten Kostümen ein tolles Bild beim Festzug abgegeben haben. "Wir haben einfach rausgestochen. Es hieß immer: Da kommen die Bayern", betätigte Hermann Schmid (Freie Wähler) den Eindruck des Stadtoberhaupts.
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