"Rufen Sie an"

Polizeipräsident Gerold Mahlmeister: "Es gilt nach wie vor: Irgendwann kriegen wir sie alle."

Im Landkreis Neustadt lebt es sich ruhig und sicher. Das sagen die Zahlen des Polizeipräsidiums Regensburg. Aber von der Statistik hat keiner etwas, dessen Sohn Crystal nimmt oder in dessen Haus Einbrecher gewütet haben. Deswegen versprechen Bundes- und Landespolizei, nicht locker zu lassen.

Für den neuen Polizeipräsidenten Gerold Mahlmeister dürfte die erste Vorstellung des Sicherheitsberichts 2014 für das Gebiet zwischen Eslarn und Kirchenthumbach eine angenehme Aufgabe gewesen sein: Eine "eigentlich gigantisch hohe Aufklärungsquote", weniger Gewaltdelikte und weniger Unfälle mit Verletzten präsentierte er am Montagmittag im Landratsamt. Trotzdem kommen die Beamten bei allem Engagement in zwei Bereichen kaum hinterher. Zum einen bei synthetischen Drogen, zum anderen bei Wohnungseinbrüchen. Letztere stiegen von 2013 bis 2014 von 11 auf 19 Fälle. Das ist im Vergleich der vergangenen zehn Jahre niedrig (2007: 63 Einbrüche oder Versuche, 2008: 41), aber immerhin in einem Jahr ein Anstieg um über 70 Prozent. "Hier sind wir wie sonst kaum auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Wenn Ihnen in Ihrer Nachbarschaft jemand auffällt, der da nicht hingehört, rufen Sie die 110 an", appellierte Mahlmeister an die Bürger.

Der Weidener Kripochef Thomas Bauer empfiehlt einen Kollegen, der auf Einbruchsprävention spezialisiert ist. "Rufen Sie uns an. Der Mann kommt kostenlos ins Haus und zeigt, wie Sie es sicherer machen können." Diesen Experten können Bauherren zusammen mit ihrem Architekten auch schon vor der Grundsteinlegung kontaktieren. Das sei in der Regel billiger, als Fenster und Türen später nachzurüsten. Dabei funktioniere auch die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. Bauherren bekommen zusammen mit der Genehmigung Unterlagen der Kripo, wie sie ihr neues Domizil schützen können. Apropos Schutz: Wenn im Internetshop Knüller mit 30 oder 40 Prozent Rabatt angeboten werden, sollten die inneren Alarmglocken Sturm läuten, warnt Bauer: "Auch Online-Händler wollen Geld verdienen. Das ist bei Schnäppchen mit solchen Abschlägen nicht möglich." Und wer einem Verkäufer etwas überweist, sollte auf bewährte Käuferschutzsysteme wie "Paypal" setzen, die das Geld erst freigeben, wenn die Ware verschickt ist.

Insgesamt stiegen Vermögens- und Fälschungsdelikte, worunter auch Ebay- oder Versandhandelsbetrügereien fallen, von 2013 auf 2014 um 43,7 Prozent auf 572 Fälle an. Beunruhigend: Zuvor war dieser Wert von 2005 (1060 Fälle) bis 2013 (398) auf einen neuen Tiefstand gesunken. Mahlmeister vermutet sogar, dass die Quote noch höher liegt. "Bei 20 oder 30 Euro Schaden erstatten viele nicht gleich Anzeige."

Wunsch: Präventionsstelle

Einem Kampf gegen Windmühlenflügel gleicht die Fahndung nach Rauschgift. Im Landkreis registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 399 Fälle. Das sind ähnlich viele wie 2012 und 2013. 2008 waren es nur 222 Vergehen. Ein Großteil davon entfällt auf Crystal Speed. Um den Konsum der Modedroge einzudämmen, reichen die polizeilichen Mittel nicht. Deshalb fordert Kriminaloberrat Bauer weiterhin eine staatlich finanzierte Präventionsstelle für die Region. Denn das Drogenproblem in der Nordoberpfalz sieht ganz anders aus als das in Regensburg, erklärt Mahlmeister. "Dort ist nach wie vor Heroin das größere Thema."
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