Ruhe über den Feldbetten

Viele der Neuankömmlinge in der Turnhalle des Gymnasiums auf dem Felix erholen sich erst einmal schlafend von ihrer Reise aus Pakistan oder dem Kosovo. Die wenigsten davon werden wohl in Neustadt bleiben. Bild: hfz

Vor knapp einer Woche hat der Landkreis innerhalb von 48 Stunden 170 Asylbewerber in der Turnhalle des Gymnasiums Neustadt einquartiert. Mitarbeiter des Landratsamtes haben dafür Urlaube abgebrochen und Feierabendtermine abgesagt. Der Kraftakt hat sich gelohnt, lobt der Chef: "Eine Meisterleistung, es läuft alles."

Landrat Andreas Meier will keine Garantie geben, ist aber vorsichtig optimistisch, dass die Halle bis zum Schulbeginn wieder frei ist. Er glaubt auch nicht, dass ihm bald nochmal ein so großer Schwung Flüchtlinge zugewiesen wird. Sicher ist er nicht: "Wir haben die unverbindliche Zusage der Regierung, aber man muss bedenken, dass jeden Tag 1000 bis 1500 Menschen in Bayern ankommen." 644 davon leben zurzeit im Landkreis - 550 in Privatquartieren wie ehemaligen Gasthäusern und je 30 in Gemeinschaftsunterkünften in Altenstadt/WN, Eslarn und Vohenstrauß.

Dazu kommen 116 UMFs, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die meist in Waidhaus aufgegriffen wurden. "Die Zahl kann sich ständig ändern, denn viele von den Jungen reißen aus. Es zieht sie in die Großstädte und Ballungsräume", erklärt Regierungsdirektor Dr. Alfred Scheidler.

In der Dreifach-Turnhalle am Felix ist dagegen Ruhe eingekehrt. "Die Leute packen selber mit an und kehren auch mal durch", ist Meier erleichtert, dass sich die Syrer, Iraker, Eritreer und Albaner gegenseitig nicht das Leben schwer machen. "Einer ist Koch. Der hat sofort angeboten, dass er bei der Essensausgabe mitmachen will", berichtet Landratsamts-Pressesprecherin Claudia Prößl.

Quasi aus dem Nichts mussten die Beamten aus dem Lobkowitzerschloss den Notfallplan der Regierung der Oberpfalz umsetzen. Ursprünglich sah der vor, dass erst Ende August Platz für 100 Flüchtlinge in Neustadt benötigt würde. Weil aber immer mehr Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten ins Land drängen, musste über Nacht die Gymnasiumhalle herhalten. "Wir sind dann auf die Schnelle zu einem Möbelhaus mit vier Buchstaben nach Regensburg gefahren und haben Feldbetten und Kissen gekauft", sagt Scheidler. Bis spät in die Nacht hat Gesundheitsamtschef Dr. Thomas Holtmeier die Neuankömmlinge gescreent.

"Es läuft": Das bedeutet, dass mittlerweile genügend Dolmetscher vor Ort, Kinder ins Ferienprogramm der Stadt eingebunden, Caritas- und Denkstatt-Mitarbeiter als Ansprechpartner vor Ort sind. "Die Hilfsbereitschaft ist enorm", atmet Landrat Meier durch. Er weiß aber auch, dass dies nicht alle gern sehen. "Manche Äußerungen in sozialen Medien sind wirklich schlimm."
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