Saftig, knusprig und raffiniert

Die Lehrer Rudolf Lohwasser und Michael Singer (von rechts) durften vor aller Augen zeigen, wie gut sie mit einem Spritzbeutel und Buttercreme umgehen können. Ulrike Niemetz moderierte die Anstrengungen ihrer beiden Kollegen.

Mehr als 250 Rezepte präsentieren die Lobkowitz-Realschüler auf 168 bunt bebilderten Seiten. Ihr soeben erschienenes Kochbuch hat das Zeug zum Renner - ganz ohne Schnitzel und Pommes.

Das Werk "Spaghetti, Snacks und scharfe Sachen" ist im Buch & Kunstverlag Oberpfalz erschienen und reiht sich mit der Alliteration im Titel - vier Wörter beginnen mit "s" - nahtlos in die Kochbuchreihe des Verlags ein, der schon die Titel "Spouzn, Schoppala & Schwammerbröih" oder "Kouchn, Köichla, Kipfala" herausgegeben hat.

Trotzdem ist manches anders. "Peppiges, teilweise schon verrücktes Layout", nennt es Verlagsleiter Wolfgang Benkhardt. "So etwas gab's noch nie bei einem unserer Bücher. Auch bei der Schrift hatte ich anfangs etwas Bauchweh", bekannte der Verlagsleiter.

Poppiges Layout

Bei den Überschriften steht statt eines "a" ein griechisches "Alpha", statt eines "o" strahlt dem Leser eine kleine Sonne entgegen. Die Schüler aber waren sofort begeistert. "Und ich muss sagen, nachdem ich dieses Buch dreimal angeschaut habe, mittlerweile kann ich's auch lesen", räumte Benkhardt augenzwinkernd ein.

Käufer spricht das druckfrische Werk offenbar auch an. Rund 250 Exemplare sind an den ersten beiden Tagen bereits über die Ladentheken gegangen. Ein Händler möchte das Kochbuch sogar mit Schülern zusammen in seiner Buchhandlung präsentieren. Entstanden ist es in einer großen Gemeinschaftsleistung. Ein Jahr lang haben Schüler, Lehrer und Eltern der Lobkowitz-Realschule beim fächerübergreifenden Projekt "Fit4REALife" Rezepte gesammelt, Zutaten getestet und Gerichte ausprobiert. Unternehmen aus der Region haben Gläser, Porzellan und Geld beigesteuert.

Gesunde Ernährung ist eine der drei Säulen von "Fit4REALife" und das Thema von Studienrätin Ulrike Niemetz. "Nichts einfacher als das, es den Schülern näher zu bringen, ist, wenn die Rezepte von den Schülern selber kommen", erklärte sie.

"Einfache, bewährte Gerichte, günstig, keine teuren ausländischen Produkte", hatte Niemetz als Devise ausgegeben. "Und natürlich wollten wir selber kochen und die Sachen nicht aus Fertigprodukten herstellen." Die Vielfalt der Gerichte lässt in elf Kategorien keine Wünsche offen. Die Palette reicht von Suppen über Vegetarisches, Pikantes und Süßes bis hin zu Aperitifs und Cocktails.

Keine Köstlichkeit ähnelt der anderen - trotz mancher Befürchtungen: "Ich muss zugeben, zumindestens ich hatte am Anfang schon Angst, dass wir mit 30 verschiedenen Variationen von Schnitzel und Pommes dastehen. Aber, man höre und staune, Schnitzel mit Pommes haben es überhaupt nicht in unser Buch geschafft - wahrscheinlich zu banal", sagte Benkhardt.

Hilfe aus dem Netz

Niemand muss jedoch befürchten, dass die Rezepte zu kompliziert wären. Und wenn jemand doch mal an die Grenzen seiner Fingerfertigkeiten zu stoßen droht, führen QR-Codes im Buch zu hilfreichen Kurzvideos auf der Youtube-Plattform des Verlags. Da kann man sich dann zeigen lassen, wie man Spinat richtig blanchiert oder den Werdegang von Käsespätzle verfolgen - zubereitet von Köchen mit angenehmem Oberpfälzer Dialekt. Für die Videos haben die Schüler mehrere Nachmittage mit Video-Tutorien unter Anleitung von Studienrat Alexander Frey zugebracht. "Wir haben viel Spaß gehabt und das Beste, hat der Lukas immer gesagt: Danach hat man es essen können", blickt Frey auf die Aufzeichnungen zurück.

Deutschlehrerin Martina Arbeiter hatte die Unterrichtseinheit Projektpräsentation dem Kochbuch gewidmet. Beim Themenblock "Endlich Wochenende" drehte sich alles um "gesunde Vorglüher" - natürlich alkoholfrei. Tipps für Einladungskarten oder zum Serviettenfalten kommen von der Künstlerklasse 6 c und ihrer Lehrerin Christine Ellert. Alle Fäden liefen bei Konrektorin Irene Sebald zusammen. Für die Erlöse aus den Buchhonoraren hat Direktor Johannes Koller übrigens auch schon eine Verwendungsmöglichkeit gefunden. Im neuen Schulgarten soll damit ein Backofen finanziert werden.
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