Schulterschluss mit hartem "d"

Die Zupfer-Moidln sangen und moderierten den von ihnen im Namen der Stadt organisierten Volksmusikabend im "Weißen Rössl" und scheuten sich auch nicht vor einer musikalischen Verbrüderung zwischen Oberpfalz und Franken. Bilder: krb

Es muss schon etwas Außergewöhnliches ablaufen, wenn 180 Leute singen "Mei Schwiegamutta hot a Glatz'n, da wachst a Radi drauf, den lass ma wachs'n". Ungewöhnlich auch ein fränkisch-Oberpfälzer Schulterschluss und ein singender Bürgermeister.

Das alles und noch viel mehr füllte den Saal beim Volksmusikabend zum Auftakt der Dotsch-Kirwa im Gasthof "Weißes Rößl". Die Stadt setzte einen gelungenen Kirwaauftakt. Die Organisation lag in den Händen der Zupfer-Moidln.

Das von ihnen zusammengestellte Programm hätte auch "Franken spielen bei der Dotschkirwa" heißen können. Die "Kulmbocher Stollmusikanten" mit "Musik nach dem bayerischen Reinheitsgebot" hatten Waltraud und Renate bei der Radiosendung "Musik & Xang" im BR-Studio Franken kennengelernt. Ebenso auch die Chefin der "Leyher Stubenmusik" Maria Bauer, Radiomoderatorin beim Studio Franken.

Die Kulmbacher rückten gleich musikalisch zurecht, dass es "frängisch" zugeht und gar noch schlimmer wird, weils ins "nernbergerische" neingeht. "Mir san Oberfranken", spielten sie zu Anfang und distanzierten sich vom Nürnberger Dialekt, den sie dann doch mit "Steich mer doch nein Fragg" streiften.

Barock, Blues, Fränkisch

Aus Fürth war die Leyher Stubenmusik angereist. Wer dachte, dass es da sanft und besinnlich zugeht, den bekehrten die Leyher mit barocken Kompositionen bis hin zum Blues. Auch ihren "Allerschönsten Dialekt" gaben sie zum Besten.

Dieser geballten musikalischen Frankenpower stellten sich die Zupfer-Moidln begleitet von Andreas Wach auf der Harmonie und die "Dampfbröida" Alfons und Theo als echte Oberpfälzer Originale dagegen. Alfons Gollwitzer bezeichnete es als Ehre, bei der Dotsch-Kirwa als inländischer Musiker spielen zu dürfen, weil wie der Abend zeige, die Ausländer das Vorrecht hätten. Dem war aber nicht so. Mit Partner Theo Helgert präsentierte er eingangs mit der "Fullert'n-Polka" (Gollwitzers Hausnamen) echt Oberpfälzer Volksmusik.

Statt als Musiker hätte das Paar auch als Witzerzähler auftreten können. Ihre trockenen Sätze trieben den 180 Kirwagästen die Tränen in die Augen. Dazu glänzten natürlich die Zupfer-Moidln in ihrer Doppelfunktion als Moderatorinnen und in der Hauptsache aber als Sängerinnen mit Stücken wie dem vom "Tröpferlbad", "Schnuckiputzi", dem "Lied der Winde" und noch so einigen.

Als sie sangen "Ner a Bier will i hom, sonst hau i alles zam", waren die Besucher froh, dass sie eins hatten und klatschten begeistert mit. Die Stimmung erreichte gegen 22 Uhr den Höhepunkt, als alle Akteure das Lied "Mein Herz, das ist ein Bienenhaus" in den Saal klingen ließen und die Besucher den Refrain "Mei Schwiegamutta hot a Glatz'n, da wachst a Radi drauf, den lass ma wachs'n" mitsangen und klatschten.

Singender Hausherr

Dem setzte Bürgermeister Rupert Troppmann, den Wach begleitete, noch eins drauf. Er wolle das Niveau heben und ein bisserl a christliches Lied singen, kündigte er schmunzelnd an. "Ja wöi der Herrgott grad die Welt erschaffen hat" war eigentlich nur christlich, weil der Name Herrgott vorkam. Die Besucher applaudierten begeistert. Der am oberen Anschlag angelangte Stimmungspegel hielt mit einem Finale bis Mitternacht an.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.