Stadtentwicklung in Luftbildern

Johannes Meister (links) erklärt Ernst Umann, dass seine Luftaufnahmen immer mittags entstehen, damit kein Schatten die Perspektive stört. Dass ihm das gelungen ist, können Interessierte in der Stadthalle während der Öffnungszeiten des Restaurants begutachten. Bild: phs

Den meisten Besuchern der Stadthalle werden die schmalen Metallbänder im Gang zwischen Foyer und Restaurant noch nicht aufgefallen sein. Es handelt sich um Bilderleisten, mit denen die Stadt den öden Flur zum Ausstellungsraum macht. Gleich mit der ersten Einzelschau will sie hoch hinaus.

Sie zeigt seit vergangener Woche 13 großformatige Luftaufnahmen von Johannes Meister. Die bleiben wahrscheinlich bis nach Weihnachten dort hängen. Auch wer öfter vorbeikommt, kann darin stets etwas Neues entdecken. Alle ein bis zwei Jahre hat Meister die Veränderungen der Stadt aus dem Hubschrauber mit seiner Nikon dokumentiert: den Stadtplatzumbau, die Sanierung des Lobkowitzerschlosses, die Innere Flosser Straße mit und ohne Bären-Bräu.

Aussteller willkommen

Die Idee zur Ausstellung hatte städtischer Geschäftsführer Peter Forster, der Ernst Umann vom Oberpfalzverein als Kurator gewann. Umann schwebt vor, dass sich in diesem Gang in Zukunft Ausstellung an Ausstellung reiht. "Interessenten können mich gerne anrufen." Dabei muss es sich nicht unbedingt um Neustädter Künstler handeln. Dass mit Meister ein echter Kreisstädter die Wände ganz allein aufwertet, ist nicht nur für den Flur ein Novum, sondern auch für den 58-Jährigen, der als Regionalleiter für die Regensburger Firma Götz-Gebäudemanagement arbeitet. Obwohl er sich seit 16 Jahren auf Luftbild-Fotografie spezialisiert hat, ist er bislang noch nie mit einer Einzelausstellung an die Öffentlichkeit getreten.

Höchste Zeit also, denn keiner dürfte seit 1998 so oft einen privilegierten Blick auf seine Heimat geworfen haben. "Pro Flug mache ich 300 bis 400 Bilder, von denen ich die Hälfte aussortiere." Meister chartert regelmäßig Hubschrauber oder Gyrocopter in Latsch. Gyro...was? "Gyrocopter sehen aus wie ein fliegender Olympiabob", erklärt der Fotograf. Ihr Vorteil: keine störenden Türen, die den Blick aufs Motiv versperren. Zirka 400 Euro kostet die halbe Stunde Vogelsperspektive.

Schmucke Alben

Nachbearbeitet werden die Motive kaum. "Höchstens mal ein anderer Bildausschnitt." Mit diesem Hobby kommt Meister im Bekanntenkreis groß raus. Da er bei der Firma "Fotobuch.de" mittlerweile Sonderkonditionen genießt, stellt er in Leder gebundene Alben zusammen. Die letzte Seite zeigt immer das Wohnhaus dessen, der das Luftbildalbum als Geschenk bekommt.

Das würde er auch als Auftragsarbeit für Interessenten außerhalb des Bekanntenkreises erledigen. Aber bitte nicht mehr vor Weihnachten: Da hat der 58-Jährige genug mit eigenen Geschenken zu tun.
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