Strukturwandel unaufhaltsam

Der Kuh dürfte es egal sein, dass nun die Milchquote wegfällt. Ihren Bauern beschäftigen aber aktuell viele Themen. Ein Strukturwandel in der bayerischen Landwirtschaft ist im vollen Gange. Bild: dpa

Greening und Kulap sorgen für Unsicherheit. Der Schweinefleischpreis ist auf dem Tiefpunkt und am 1. April ist die Milchquote Geschichte. Bauern haben aktuell viele Themen, die sie bewegen.

Über drei Jahrzehnte gab es die Milchregulierung. Nun fällt sie weg. Bekannt ist das schon länger. Viele forderten, dass für die letzte Phase die Superabgabe wegfällt. Also jene Strafzahlung, die Bauern berappen müssen, wenn sie zu viel Milch produzieren und an die Molkereien überliefern.

"Preis gerät unter Druck"

Allerdings ist laut Werner Reinl, Landkreisvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), im November durchgesickert, dass die Superabgabe bis zum Ende greift. Deshalb sei es nicht zu so großen Überlieferungen gekommen, und der Milchpreis habe sich stabilisiert. Betriebe hätten ihre Anlieferungen aufgrund der drohenden Strafen zurückgefahren. Weniger Milch am Markt bedeute eine Stabilisierung, "um auf ein Niveau zu kommen, das wir uns wünschen".

Eine 180-Grad-Wendung könnte es aber ab April geben. Reinl befürchtet, dass die Produktion explodiert und es zu einer Milchschwemme kommt: "Der Preis wird richtig unter Druck geraten." Anders sieht es Josef Fütterer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Er ist überzeugt, dass der Markt alles reguliert. Weil gerade in Bayern sehr viel Milch produziert werde, sei man auf den Export angewiesen. Fütterer ist aber sicher, dass sich gute Produkte durchsetzen: "Die Milchproduktion aufrecht zu erhalten, funktioniert nur über Qualität - und die ist in Bayern sehr, sehr hoch."

Reinl hingegen will sich nicht auf den Markt verlassen. Er erklärt, dass sich der BDM für Regulierungsinstrumente ausspricht. Etwa, dass Milchviehhalter in einer Marktkrise verpflichtet werden können, zwei bis drei Prozent weniger zu produzieren. "Der BDM hat ein Konzept ausgearbeitet, das sogenannte Marktverantwortungs-Programm. Unsere Vorschläge sind auf allen Ebenen bekannt", informiert der Flosser. Bisher sei aber noch nichts geschehen: "Die Politik reagiert immer erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist." Für die Verbraucher selbst werde auch künftig genügend Milch da sein. Reinl stelle zwar durchaus fest, dass die Käufer sensibel mit dem Thema Milchquote und -preise umgehen, kritisiert aber auch: "Ich sehe nicht, dass sie Einfluss auf die Politik nehmen."

Einen Tiefpunkt erlebte der Milchpreis 2009. Damals badeten Landwirte aus Protest in einem Milchpool und schütteten ihr Produkt auf die Straßen. Im vergangenen Jahr erreichte der Preis hingegen einen Höchststand, was den Durchschnitt betrifft (siehe Grafik). Allerdings wirkte sich das Russlandembargo im zweiten Halbjahr aus. "Der Preis ist stetig gesunken", erklärt Jürgen Geyer vom Milcherzeugerverband Bayern. Der aktuelle Milchpreis liege in etwa bei 32,40 Cent, also über 6 Cent unter dem 2014er-Schnitt. Geyer sagt: "Der Preis erholt sich langsam, aber auf einem niedrigen Niveau."

Einig sind sich Fütterer und Reinl darin, dass ein Strukturwandel im Gange ist. Der BDM-Mann sagt zwar: "Die Milchbauern machen nicht von heute auf morgen ihre Stalltüre zu." Aufgrund der mangelnden Perspektive für Jungbauern glaubt er aber nicht, dass es mittelfristig noch 900 Milchviehbetriebe im Landkreis geben wird, so wie es aktuell der Fall ist.

Import als Problem

BBV-Kreisobmann Fütterer schlägt in dieselbe Kerbe: "Den Strukturwandel hat auch die Milchquote nicht aufgehalten." Unabhängig von ihr haben Betriebe aufgehört zu produzieren, weil es den Nachwuchs nicht mehr in die Landwirtschaft drängt. "In den letzten 30 Jahren hat sich die Anzahl der Betriebe in der Region halbiert. Aber die, die noch produzieren, sind größer geworden", stellt Fütterer fest. Gerade bei größeren Betrieben sei der Anreiz für Jungbauern, in der Landwirtschaft zu bleiben, höher.

Fütterer sprach weitere Themen an. "Der Preis für Schweinefleisch ist miserabel, obwohl wir in Bayern eine Schweine-Unterversorgung haben." Der Import stelle ein Problem dar. Die Ware komme aus anderen Ländern billiger in den Freistaat. Der BBV-Obmann kritisiert, dass die Betriebe in Deutschland mehr Aufgaben und Standards zu erfüllen hätten als andere EU-Staaten.

Viele Auflagen

Laut Fütterer haben die Bauern auch das Greening (siehe Infokasten) sehr kritisch aufgenommen, weil "fünf Prozent der Ackerfläche nicht für den gewohnten Anbau verwendet werden können". Auch das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) verursache Unsicherheit bei den Landwirten. Hintergrund sei, dass viele Auflagen eingehalten werden müssten, die mittelfristig angelegt seien und für die Bauern ein "eigenverantwortliches Risiko" mit sich brächten, sagt Fütterer.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.