Tägliche Grabpflege mit Zoigl

Man nehme einen lockeren Abend, lauter Neustädter Musiker und versammle sie im Gasthof "Weißes Rössl". Dann steht einem fröhlich ausgelassenen Abend, ganz so wie's früher war, nichts mehr im Wege.

"Das schöne in Neustadt ist, dass alle mitmachen, wenn man eine Idee hat", sagte Karl Frisch. Der Vorsitzende des Männergesangvereins "Sängerbund" hatte die Idee zu dem "Neustädter Musikabend" unter dem Motto "So wäis fräja woar".

Trikots werden zu eng

Es sei nicht mehr alles so wie einst, erinnerte sich Moderator Fred Fröhlich. "Sprich ham'ma klopft die ganze Nacht, und jedes Bier hat uns no besser g'macht." Auch in Sachen Sport ("In die Trikots pass ma nimma ei") und im Bereich der Liebe sei nicht mehr alles wie in der Jugend. Doch nach ein bisschen Grübelei war eines klar: Singen, "des kinna wir a no so wäi fräja."

Die "Waldnaabtaler Bauern-Muse" machte den Auftakt. Schon ihr Name verrät, dass sie nicht einfach nur Musik macht. Mit viel Muse spielt die fünfköpfige Formation Musik aller Art. Viele Stücke stammen aus der eigenen Feder. Im "Weißen Rössl" präsentierte der Ableger der "Waldnaabtaler Musikanten" zum Beispiel den "Birkenauer Marsch" oder die "Heindl Polka".

"Die 'Waldhauser Sänger' legen Wert darauf, Oberpfälzer Liedgut zu erhalten", erklärte Fröhlich, der die vier Sänger auf dem Akkordeon begleitete. In den Texten besingen sie Genüsse der Zoiglwirtschaften. Die "Erdäpflsupp'n" kommt ebenso vor wie die "Sechs auf Kraut" und natürlich das Kraut an sich, das schön machen soll. Mit "Äitz san ma do" präsentierten die Sänger eines der echten Neustädter Stücke, das Fritz Nachtmann geschrieben hatte.

Auch die "Neistedter Zoiglmusi" verdankt ihre Ursprünge der lokalen Bier-Szene. Franz Harrer, Alfons Kistenpfennig und Dieter Seidl hatten beim "Brucksaler" ihr Debüt als Erfolgstrio. Mit einem deftigen "Potpurri vom Zoigl" begeisterten die drei Herrschaften das Publikum und sangen noch über den Moment hinaus, an dem sonst "spätestens etz die 'Waldhausere' is Licht abdraht." Den Männergesangverein dirigierte Peter Brenner, der auch als Solist überzeugte.

Fröhlich machte seinem Namen alle Ehre und sorgte für etliche Lacher. "Beim Zoigl machen manche Versprechungen, die sie nüchtern niemals machen würden", wusste der Moderator.

Schade ums Bier

"Du bist doch mein Freund. Wenn ich mal sterbe, dann musst du mir jeden Tag eine Halbe Bier aufs Grab schütten", habe ein Zoiglgast in einem melancholischen Moment seinen Tischnachbarn gebeten. Als den Melancholiker das Schicksal ereilt hatte, wollte ein anderer Bekannter wissen, ob der Freund das Versprechen tatsächlich einhalte. "Freilich!", war die Antwort. "Da ist's doch schade drum", empörte sich der Fragesteller. "Nein!", war die Antwort. "Ich lass es ja vorher durch die Nieren durch." Das Publikum lachte Tränen.
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