Traum von der freien Schule

Es gibt keine festen Klassen, keine Benotung nach Ziffern, dafür Lern-Tagebücher, Beobachtungsbögen und Feedbacks. Eine Schule ohne jeglichen Notendruck, eine freie, demokratische Schule für alle. Eine Neustädterin hat diese Schulform mit auf den Weg gebracht.

Realisiert wird dieser Traum vieler Eltern und Schüler in der "Karfunkel Regensburg" im Schuljahr 2016/2017. Eine der Initiatorinnen der neuen Schulform ist die Neustädterin Christina Sonnauer.

Die 30-jährige Realschullehrerin wuchs im Breiten Weg in der Kreisstadt auf. 2004 machte sie am Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden ihr Abitur. Anschließend studierte sie Lehramt für Realschulen in Regensburg. Seit dieser Zeit hat sie ihren Lebensmittelpunkt in der Bezirkshauptstadt. Momentan unterrichtet sie dort an einer Privatschule.

"Wir kamen auf die Idee, eine neue Schule zu gründen, weil unser Schulsystem so nicht passt", erklärt sie. Es gebe zu viele Vorgaben, die Pädagogen könnten ihre Ideen nicht umsetzen, wie viele sich das vorstellten. Zusammen mit Kollegen und Bekannten sei dann die Idee zu "Karfunkel Regensburg", so heißt die geplante Schule, geboren. Der Name passt. Als Karfunkel bezeichnet man einen ungeschliffenen Edelstein.

Seit März 2013 arbeitet ein Kollektiv, bestehend aus rund 15 Lehrkräften, Erziehungswissenschaftlern, Erzieherinnen, Heilpädagogen, Handwerkern und Studierenden, an der Eröffnung einer freien, demokratischen und inklusiven Schule. "Dabei ist uns das Gesamtpaket, das es so in Bayern noch nicht gibt, wichtig", erklärt Sonnauer beim Besuch ihrer Mutter in Neustadt. Einen entscheidenden Vorteil sieht sie auch darin, dass Ältere mit Jüngeren zusammen kommen und so voneinander profitieren und lernen können. Zunächst ist Karfunkel als Grundschule mit einem Ganztagschulangebot konzipiert. Wer anschließend an eine weiterführende Bildungseinrichtung gehen will, muss einen Probeunterricht besuchen, da es ja keine Noten gibt.

Die Eröffnung der Grundschule ist für das Schuljahr 2016/17 in Pielenhofen bei Regensburg geplant. "Die wichtigste Hürde, ein passendes Gebäude zu finden, ist genommen". Die Schulgründer wurden in Pielenhofen, gleich neben dem dortigen Kloster, fündig. Die behördliche Genehmigung schreitet voran. Momentan wird an der Finanzierung gebastelt. Sonnauer legt Wert darauf, dass es zwar eine Privatschule ist, aber ohne hohe Kosten für die Eltern. "Wir verlangen lediglich ein Schulgeld, das je nach Einkommen der Eltern unterschiedlich hoch sein kann". Sie will auf keinen Fall, dass ihre neue Schule nur die Kinder betuchter Eltern besuchen können.

Die junge Pädagogin wünscht sich, dass ihr Projekt Schule macht und dass es in Zukunft immer mehr solche Einrichtungen gibt. Auch wünscht sie sich den Austausch mit öffentlichen Schulen.
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