Traumjob und famoses Deutsch

Hanad Djama ist glücklich. Im September beginnt er eine Ausbildung in Hirschau. Bild: Steinbacher

Theoretisch könnte Hanad Djama jederzeit zu seiner Familie in Somalia fliegen, die er seit fast drei Jahren nicht mehr gesehen hat und vermisst. Der 19-Jährige sagt allerdings, dass er die Reise erst antreten kann, wenn er seine selbstgesteckten Ziele erreicht hat.

(doz) Dabei ist Hanads Geschichte bereits ein Erfolg. Er hat nach nicht einmal drei Jahren in der Bundesrepublik einen deutschen Schulabschluss und spricht fast perfekt Deutsch. Alles klingt flüssig, er ringt selten nach Worten. Über seine Reise in die Heimat sagt er trotzdem: "Ohne Ausbildung kann ich hier nicht weggehen." Die beginnt er im September in Hirschau.

Aber von vorne: Hanad flüchtete aus Somalia, wo seit fast 20 Jahren Bürgerkrieg herrscht. Über die Beweggründe spricht er ungern. "Privat", sagt er. Triftige Gründe müssen es in jedem Fall gewesen sein. Schließlich ließ er seine Eltern und neun Geschwister in Somalia zurück. "Es gab keine Hoffnung mehr auf eine Zukunft." Natürlich sei es ein Kulturschock gewesen, als er ankam. Hanad staunt darüber, wie sauber und gut organisiert alles in Deutschland ist. Seine Familie vermisst er damals wie heute sehr. Einmal in der Woche telefoniert er nach Hause oder nimmt Kontakt via Skype auf. Sein Heimweh beschreibt er mit vier Worten: "Ich vermisse die Luft."

Zuerst am Gymnasium

Der Jugendliche landete vor knapp drei Jahren mit dem Flugzeug in München. Bald darauf kam er in einem Jugendheim in Weiden unter, wo er rund ein Jahr wohnte. Damals war in den Medien noch nicht von Flüchtlingswellen die Rede.

Es gab keine Notfallpläne für täglich Hunderte Asylbewerber, die in Deutschland ankommen. Aber es gab den 17-Jährigen, der in Deutschland Zuflucht suchte. Er erinnert sich, dass Menschen die Straßenseite wechselten, als er durch die Stadt ging. Die Enttäuschung über dieses Verhalten hört man noch heute aus seiner Stimme. Der Afrikaner berichtet aber auch von viel Unterstützung: Lehrer, Mitschüler, Sozialpädagogen und andere engagierte Menschen geben sich Mühe, Hanad die Integration zu erleichtern. Petra Schaffarz vom AS Neustadt (Allgemeiner Sozial- und Schuldnerberatungsverein) nennen er und andere jugendliche Flüchtlinge Mama, weil sie sich so liebevoll um die Jungs kümmert.

Hanad selbst gilt vielen als Musterbeispiel. Als er in Deutschland ankam, konnte er bereits drei Sprachen: Somalisch, Englisch und Arabisch. In Somalia ging er bis zur 8. Klasse in die Schule. In Weiden besuchte der Junge etwas über ein halbes Jahr das Augustinus-Gymnasium.

Hanad hatte keine Probleme in Fächern wie Mathematik und Physik, weil er allerdings ohne Deutsch-Kenntnisse in die Bundesrepublik gekommen war, fühlte er sich im Unterricht oft wie ein Zuschauer. "Mein Deutsch-Niveau war am Anfang nicht so top." Deshalb wechselte er an die Realschule in Neustadt. Hier wohnt der Somalier in den Unterkünften des AS, seit er 18 Jahre alt ist.

Er machte den externen Quali und bestand ihn mit einem Notendurchschnitt von 2,8. In Deutsch hatte er eine 2. Die Realschule schloss er mit 3,6 ab. In der Deutschprüfung konnte er zwischen einer Erörterung und einer Textanalyse wählen. Hanad entschied sich für Letzteres und bekam eine 4 ins Zeugnis. Das ist bemerkenswert. Schließlich gab es für den Jungen keine Ausnahme. Er musste sich der gleichen Prüfung stellen wie seine deutschen Mitschüler. Viele Bewerbungen folgten. Ein Jahr lang hat er Vollzeitjobs - er arbeitet bei McDonalds und Witt Weiden.

Sein Ziel ist allerdings eine Ausbildung. Nach fast 20 Schreiben an Unternehmen und etlichen Absagen klappte es. Sogar mit dem Traumjob, wie der 19-Jährige sagt. Im September beginnt er in Hirschau eine Ausbildung als Elektroniker Betriebstechnik bei den Amberger Kaolinwerken (AKW). Hanad ist bereits in die von Neustadt 33 Kilometer weit entfernte Stadt gezogen.

Er überzeugte im Vorstellungsgespräch, weil er motiviert war. "So eine Chance gibt es nicht jeden Tag." Deswegen habe er alles gegeben und sich gut vorbereitet. Er recherchierte im Internet. Auf Fragen wie "Warum haben Sie unsere Firma gewählt?" oder "Was wissen Sie über unser Unternehmen?" gab er differenzierte Antworten.

Differenziert beschreibt er auch seine Erfahrungen in Deutschland. Er berichtet von vielen Menschen, die ihm helfen wollen und es auch tun. Er spricht aber auch von Ausländerhass: "Es gibt gute und schlechte Leute, wie überall auf der Welt." Er sagt außerdem, dass es zwei Typen von Ausländern gibt: "Die einen kommen und sind motiviert. Die anderen haben keinen Bock auf Schule und Arbeit. Kurz: Sie sind faul." Seine Erfahrung sei allerdings, dass es mehr von Typ 1 gebe.

Viele mit Diplom

Hanad spricht sich dafür aus, dass Deutsche und Asylbewerber mehr auf Augenhöhe miteinander agieren sollten. "Die Ausländer, die nach Deutschland kommen, sind nicht dumm. Sie haben alle etwas gelernt. Viele haben ein Diplom." Deshalb rät er, dass die Menschen mehr Respekt voreinander zeigen sollten - unabhängig davon, aus welchem Land jemand stammt. (Angemerkt)
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