Traumreise über Klangberge

Die Gefahr ist groß, dass einem die Superlative ausgehen, wenn man über das Trompetenensemble "Zephir" berichtet. Wer am Samstag in St. Georg zugehört hat, hält das keinesfalls für übertrieben.

Die "Festive Overture" von Dimitri Shostakovich füllte die Stadtpfarrkirche gleich zu Beginn bis in den letzten Winkel mit Melodie. Mächtig türmten sich Klangberge auf, geformt aus Blech, Orgel und Schlagwerk - ein Wahnsinnsauftakt. Basilikaorganist Bernhard Müllers aus Amberg brachte hochvirtuos die Orgelmechanik mit zwei weiteren Werken von Bovet und Sparke zum Glühen. Besonders der "Hamburger Totentanz" mit seinen witzigen Zitaten aus bekannten Kompositionen ließ das Publikum schmunzeln.

Dynamisches Spektrum

Konturierte und weiche Tongebung, ein weites Dynamikspektrum und Lautstärke ohne jedes Forcieren zeichnen die Musiker des Trompetenensembles "Zephir" aus. Scheinbar mühelos meisterten sie so das Trompetensextett von Böhme und zauberten die bekannte Pavane von Fauré in eine vollkommen neue Gestalt.

Eine große Stärke liegt auch in den Arrangements von Georg Birner, die er seinen Kollegen und sich maßschneidert. Wie Organist Müllers passgenau die Register für seine Werke auswählte, so wechseln die sechs Blechbläser vielfach während der Stücke die Instrumente, springen von hohen in tiefe Lagen, von der Bass- zur Piccolo-Trompete. Birner beeindruckte auch am Alphorn. Man musste nur die Augen schließen, um mit der Musik von Hans-Jürg Sommer in die Berge fliegen zu können.

Christoph Indrist stellt den Zuhörer immer wieder am Vibrafon vor ein scheinbar unlösbares Rätsel. Wie kann der lediglich mit zwei Händen und vier Schlägeln einerseits absolut rhythmisch klare und andererseits mystisch schwebende Klänge erzeugen?

Eckhard Kopetzki hat mit "Escape from Rio" ein mitreißendes Werk mit einem melancholisch verträumten Mittelteil geschrieben Der vielgefragte Komponist lehrt an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg. "Flowerdale" von Philip Sparke verlangte dem Trompeter Patrick Arnold erfolgreich alles an Tonkultur und Höhe ab. Sehnsuchtsvoll musiziert war diese "Hymn of the Highlands" ein einziger eindrucksvoller Genuss auf höchstem Niveau. Den majestätischen Abschluss markierte Giuseppe Verdis Triumphmarsch aus "Aida", gemeinsam gespielt mit Orgel und Pauke auf der Empore.

Bezaubernde Zugabe

Zwar hatten nur 50 Besucher den Weg in die Stadtpfarrkirche gefunden. Diese forderten aber mit begeistertem Beifall umso heftiger eine Zugabe. Und so verzauberte "Zephir" das Publikum abschließend mit dem "Intermezzo sinfonico" aus Mascagnis Oper "Cavalleria rusticana".
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