Überlebenskampf

Kommandant Ulrich Konz (links) und Schriftführer Helmut Fukerider schauen schneidig in ihren Uniformen aus. Dürfen sie auch, schließlich kostet die Ausrüstung von Kopf bis Fuß rund 1500 Euro. Bild: Götz

Helmut Fukerider versichert, dass alle 24 aktiven Mitglieder zu 100 Prozent mit Herzblut dabei sind. Trotzdem warnt er: "Die Bürgerwehr kämpft ums Überleben."

Wenn der Schriftführer - oder Aktuar, wie es im Verein heißt - über die Historische Bürgerwehr spricht, kommt er ins Schwärmen: "Es geht um Kameradschaft, Verantwortung und den Umgang mit anderen Menschen. Hier lernt man fürs Leben." Gerade deshalb kämpft der 55-Jährige darum, den Status quo beim Mitgliederstand aufrecht zu erhalten.

Kampf um Nachwuchs

Das ist schwer. Die Auftritte der Bürgerwehr werden kontinuierlich weniger. Der Nachwuchs fehlt. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt laut Fukerider bei Ende 50. Er selbst sagt: "Ich bin seit 40 Jahren in Vereinen aktiv. Sei es in der Wasserwacht, bei der Kolpingsfamilie oder in der Bürgerwehr. Wir haben früher nichts anderes als den Verein gehabt." Heute sei das anders. Deshalb buhlt nicht nur die Bürgerwehr um Mitglieder, sondern auch der Schützen- oder der Sportverein. Stadthauptmann und Kommandant Ulrich Konz betont: "Was wir geschaffen haben, wollen wir weiterführen." Den Verein wiederzubeleben, sei 1982 ein Kraftakt gewesen. Damals gründeten 13 Männer die Bürgerwehr anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt, darunter waren Fukerider und Konz.

Letzterer sagt: "Wir haben bei Null angefangen." Für die Festwoche mussten sich die Mitglieder Uniformen schneidern lassen. Sie suchten eine Modistin, die sich um die Hüte kümmert. Der Schneider und die Hutmacherin sind heute noch dieselben. Vor 33 Jahren standen die Pioniere laut Konz jeden Abend in der Werkstatt und polierten ihre Vorderladergewehre, um für das Jubiläum gerüstet zu sein. Das war auch ein finanzieller Kraftakt. Eine vergleichbare Ausstattung kostet heute rund 1500 Euro. Der Verein ließ vier Wachhäuser bauen, die heute noch existieren. Abends inszenierten die Männer stündlich eine Wachablösung.

Seit 33 Jahren aktiv

In der Unteren Vorstadt kochten die Frauen (die sogenannten Marketenderinnen) vor einer Granitwand auf einem Dreibein Suppe. Die Aktion kam super an. "Wir wussten nicht mehr, wo wir die Leute hinsetzen sollten", sagt Konz. Damals, im Sommer 1982, ahnte nach Aussagen der Gründungsmitglieder niemand, wie sich die Bürgerwehr entwickelt.

Mittlerweile ist sie 33 Jahre aktiv. Die Mitglieder nehmen an Veranstaltungen in Bayern, Österreich und Tschechien teil. Sie sind bereits für Horst Seehofer, Günther Beckstein, Edmund Stoiber (2007 in München) und den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1988 in Neustadt) Spalier gestanden. Fukerider sagt heute: "Für mich, der als junger Spund im Alter von 22 Jahren die Bürgerwehr mitbegründet hat, war das alles ein Erlebnis." Er hebt immer wieder den Zusammenhalt hervor. "Zu den Jubiläen 1992 und 2002 hat sich die komplette Mannschaft zwei Wochen freigenommen."

Abschrecken will er damit nicht. Der 55-Jährige weiß, dass das heute für viele junge Menschen nicht mehr vorstellbar ist. Er betont auch, dass die Vereinsarbeit bei der Bürgerwehr überschaubar sei. "Es ist nicht so, dass die Mitglieder alle 14 Tage Gewehr bei Fuß stehen müssen." Fukerider wünscht sich, dass die Männer, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren ausscheiden, ersetzt werden. Er hofft auf viele Teilnehmer bei einer Infoveranstaltung (siehe Infokasten). "Nach diesem Abend wissen wir, wie die Zukunft des Bürgerwehr aussehen wird." Kommt keiner, werde der Verein weiterbestehen - aber niemand könne absehen wie lange. (Hintergrund)
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