"Vereinzelte Lücken"

Telefon 112: Wenn es um Leben oder Tod geht, ist der Notarzt oft der entscheidende Faktor. Doch die Personaldecke wird dünner. Bild: Hartl

Das allgemeine Krankenhaussterben hat eine spezielle Nebenwirkung. Notärzte werden rar. Im Landkreis besteht kein Grund zur Panik. Doch ist langfristig absehbar, dass es in den Graben geht, wenn niemand gegensteuert.

Weniger Krankenhäuser bedeuten grundsätzlich weniger Notärzte, weil die niedergelassenen Mediziner die Lücken im Dienstplan kaum füllen können, die fehlende Klinik-Kollegen reißen. Und nicht jeder Mediziner kann und darf als Notarzt ausrücken. 50 Prozent der Notärzte sind über 50 Jahre alt.

Leitende Notärztin Dr. Gudrun Graf, im Hauptberuf Internistin in der Kreisstadt, schlägt nicht nur im eigenen Namen Alarm. Für einen niedergelassenen Arzt sei es schwierig, im Dienstplan zu stehen und gleichzeitig Sprechstunde zu halten. Im Ernstfall müsse sie ihre Patienten nach Hause schicken, weil sie nicht absehen könne, wie lange ein Einsatz dauert. Wie ihr geht es vielen Kollegen. Ein "Notarzt-Tag" wird übrigens nur mit 90 Euro vergütet, unabhängig von Aufwand und Dauer. Kein Wunder also, dass sich die Haus- und Fachärzte mit eigener Praxis nicht unbedingt darum reißen.

Landrat Andreas Meier, Vorsitzender des Rettungszweckverbandes, sieht die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in der Pflicht. Nur sie habe den "rechtlichen Durchgriff" auf die Notärzte in den Krankenhäusern und vor Ort. Die KV hätte die Möglichkeit der "Zwangsverpflichtung" von Klinikärzten, jedoch müsste sie dann auch dafür bezahlen.

Auch wenn der Verbund mit den Kliniken Nordoberpfalz klappt, "wird die Gestellung der Notarztversorgung immer schwieriger, da zum einen die Ausbildung langwierig und aufwendig ist, zum anderen der Notarztdienst oftmals zusätzlich zum regulären Dienst geleistet werden muss", weiß Meier. "Der Rettungshubschrauber 'Christoph 80' nimmt hier jedoch einiges an Engpässen weg."

Birgit Grain, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, sieht augenblicklich keine Probleme an den Standorten Weiden, Neustadt und Vohenstrauß. Allenfalls im Raum Eschenbach komme es beim Dienstzeitwechsel "vereinzelt zu Besetzungslücken".

Anscheinend ist man sich aber bei der KVB der Tatsache bewusst, dass es nicht bleiben kann wie es ist. "Von den 227 Notarztstandorten in Bayern ist aktuell gut ein Drittel nur mit großem Aufwand zu besetzen", gibt die Sprecherin zu. Die Versorgung der Bevölkerung sieht Grain aber nicht gefährdet: "Im Bedarfsfall wird der Nachbarnotarzt oder der Rettungshubschrauber durch die Integrierte Leitstelle alarmiert."

Auf politischer Schiene

Damit sich die Situation im Land nicht weiter verschärft, will sich die KVB "mit großem Nachdruck dafür einsetzen, dass sich Arbeitsbedingungen und Honorar verbessern". Eine dauerhaft tragfähige Lösung ist nur auf der politischen Schiene machbar. Grundsätzlich zuständig sind die Innenministerien der Länder, die sich laut MdB Albert Rupprecht augenblicklich bundesweit Gedanken über neue Strukturen machen. Der Parlamentarier hat bei einem Besuch in der Rettungswache Neustadt versprochen, seine vor Ort gewonnenen Informationen einzubringen.
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