Von der Party auf den Friedhof

Letztes Jahr war das Häuschen von Anja und Shawn Dunn eine Nervenheilanstalt, heuer nisten im Garten zwei Riesenspinnen. Halloween ist ganz klar das Lieblingsfest der deutsch-amerikanischen Familie. Bild: Hartl

Zwei Riesenspinnen im Garten, ein schwarzer Sarg neben der Tür und nebenan der Friedhof. Nein, hier wohnt nicht die Adams Family, auch wenn sie sich in dem Haus wohlfühlen würde. Es gibt auch andere Familien, die es gerne unheimlich haben.

Steht Halloween vor der Tür, verwandelt die deutsch-amerikanische Familie Dunn ihr Häuschen in Kaltenbrunn in eine Geisterbahn. So hingebungsvoll andere ihr Heim an Weihnachten mit Lichterketten und Lametta schmücken, verteilen sie im Oktober Spinnweben und Knoblauchkränze. "Die Dekoration sieht aber jedes Jahr anders aus", verrät Anja Dunn. Man will die Nachbarn schließlich nicht langweilen. Letztes Jahr war das Einfamilienhaus eine Nervenheilanstalt, dieses Jahr eben der Brutplatz zweier Riesenspinnen. Die Ideen kommen von Anja, umsetzten muss sie ihr Mann Shawn. Mit Klebeband, Mülltüten und Draht macht er sich daran, der Kreativität seiner Frau Gestalt zu geben. "Danach verstaubt alles auf dem Dachboden", lachen die Dunns.

Fest ohne Grund

Dass die beiden Halloween lieben, ist nicht zu übersehen. Was genau sie damit feiern, ist schwer zu sagen. "In Südamerika soll das böse Geister vertreiben, andere gedenken damit der Hexenverbrennung von Salem", überlegt Shawn. Einen religiösen Hintergrund habe das Fest aber nicht. Den brauchen die Dunns auch nicht, für sie und ihre Kinder ist es trotzdem der beste Tag im Jahr. "Weil die beiden dann so viel Schokolade essen dürfen, wie sie wollen."

Anderen dagegen stößt der 31. Oktober sauer auf. Nicht wegen der vielen Süßigkeiten, sondern aus religiöser Überzeugung. Vor allem ältere Gläubige hätten mit Halloween ein Problem, wie Pfarrer Armin Spießl der katholischen Kirchenstiftung St. Peter und Paul weiß. Viele sehen das amerikanische Fest als Konkurrenz für den 1. November. Dabei ist ihre Sorge, dass der Sinn von Allerheiligen verloren geht, nur teilweise begründet.

So ist es vielen Kindergärten wichtig, den Sinn des christlichen Brauchs zu vermitteln. Gemeinsam mit dem Träger hat beispielsweise der Kindergarten St. Johannes in Weiden-Fichtenbühl entschieden, dem Halloweenrummel keine Beachtung zu schenken. Für ihn stehe der Martinszug im Mittelpunkt. Auch an der Gerhardingerschule Weiden ist das amerikanische Fest kein Thema. "Im Englischunterricht wird es angesprochen, das ist aber auch schon alles", informiert Rektorin Anna Kellner.

Herbst gegen Halloween

Der Kindergarten St. Elisabeth in Mantel lässt Halloween aus anderen Gründen ausfallen. "Wir haben es schon oft gefeiert und würden es auch wieder tun, wenn es sich die Kinder wünschen", erläutert Hortchefin Susanna Zimmermann, Allerdings zeigen sie nur wenig Interesse daran, deshalb ließe man es eben ausfallen. Stattdessen stehe der Herbst im Mittelpunkt.

Junge Menschen feiern Halloween dagegen mit ungewöhnlichen Mottoparties wie "Horror Hospital" oder "Haunted Castle". Trotzdem bleibt es am 31. Oktober friedlich, wie Inspektionschef Martin Zehent der Vohenstraußer Polizeistelle weiß: "Wir haben vielleicht etwas mehr Einsätze wegen Ruhestörung, ansonsten ist es ruhig".

Pfarrer Spießl ist solchen Parties offen gegenüber eingestellt. "Ein Problem habe ich aber, wenn sie Allerheiligen aushebeln", betont er. Wer die ganze Nacht feiert, schaffe es am nächsten Tag auch auf den Friedhof. Der Sinn von Allerheiligen müsse eben erhalten bleiben.

Auch Matthias Weih, evangelischer Pfarrer in Kaltenbrunn, verteufelt Halloween nicht: "Es ist halt auch eine Art, mit seinen Urängsten umzugehen." Er selbst dekoriere sein Heim zwar nicht, aber das muss er auch nicht: "Ich sehe mir einfach das Haus der Dunns an."
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