Wahre Stimmenkönige

Chor-und Orgelmusik aus 500 Jahren in wenigen Stunden. Die Schrittmacher dieser rasanten Zeitreise waren am Samstag in St. Georg Karl-Heinz Malzer am Dirigentenpult sowie Harald und Klara Bäumler an der Orgel.

(dok) Der Chor, die "Mixtura Cantorum" im Fränkischen Sängerbund ist in 23 Jahren zu einem großartigen Team zusammengewachsen. Unabhängig von liturgischen Verpflichtungen eines Kirchenensembles kann Malzer die im Bürgertum des 19. Jahrhunderts wurzelnde Tradition von A-cappella-Chorkultur pflegen.

Auf einem so hohen Niveau ist sie allerdings selten geworden - sieht man einmal von Profichören ab, die in einer eigenen Liga spielen. Bei Literatur im Geiste jener Zeit ist die Mixtura denn auch in ihrem Element: Herausgehoben sei das "Ave Maria" (1964) des Oberpfälzer Komponisten Franz Biebl: Der Chor singt im Altarraum und von der Empore, die stimmbildnerisch vorzüglich geschulten Stimmen faszinieren mit bestens verwobenen Akkordflächen.

Die zwölf durchwegs geistlichen Stücke sind Chormusik für Kenner und Könner. Sechs davon sind im späten 20. Jahrhundert entstanden, in den USA, England, Lettland und Litauen. Gerade diese sind mit wunderbar feinem Gespür und mit Wissen um die Facetten des Chorgesangs komponiert: Mit Anspruch an exaktes Zusammenhören, an saubere Intonation abseits von Dur und Moll und an die dynamische Bandbreite der Sänger.

Gefühle aus der Kehle

Mitreißend dramatisch gelingen die hasserfüllten Rufe in "The Conversion of Saul" von Randall Stroope. Staunen lässt "O salutaris hostia" von Vytautas Miskinis, bei dem die Frauenstimmen nach rückwärts gewandt in den Chorraum gegen die Akkordblöcke der Männerstimmen singen. Immer exemplarisch klar, suggestiv, impulsiv und inspirierend war Malzers Dirigat.

Die drei eingangs präsentierten Stücke aus dem 16. und 17. Jahrhundert von Handl, Tomkins und Johann Ludwig Bach fallen eigentlich in eine andere Kategorie: Sie sind für solistische oder kleine Ensembles konzipiert, sie rufen nach rhetorisch eindringlich und plastisch geführten Stimmen. Im groß besetzten Chor dominieren Klangflächen über die sprachliche Botschaft und Stimmungen über die Affekte .

Wandelbare Orgel

Zwischen den Chorblöcken greifen die Bäumlers versiert in die Tasten ihrer wandlungsfähigen und eben frisch gestimmten Jann-Orgel. Darunter von Max Reger eine eher nachdenkliche als stürmische Version der Toccata d-Moll op. 59/5 (Klara), ein jubelnd-optimistisches "Festive trumpet tune" von David German (Harald) sowie eine sprudelnd lebendige Toccata von Gilbert Martin (Klara).
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