Weinkelche statt Vitrinen

Josef Plößner kennt an seinem Haus am unteren Ende der Freyung jedes Detail. Er will, dass alles wieder so wird wie einst 1786. Bild: Huber

Im Prinzip hat Josef Plößner nichts dagegen, dass sich jemand seine Baustelle am denkmalgeschützten Haus in der Lindenstraße 1 anschaut, das im Volksmund "Lederer" heißt. "Sonntags sind ganze Prozessionen unterwegs." So ist das eben bei spannenden Projekten.

Wer sich dafür interessiert, darf gerne mit dem Bauherrn fachsimpeln. Sobald der im US-Lager Grafenwöhr beschäftigte Kaufmann Feierabend oder frei hat, packt er am ehemaligen Haus seiner Großeltern Rosa und Johanna Witt mit an. Was er dort vorhat, erklärt er Fremden ohne Umschweife. "Die sollten aber nie allein die Baustelle betreten. Wenn etwas passiert, geht der rechtliche Ärger los." Weil der "Lederer" mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel hat, ist alles nicht so stabil wie bei einem Neubau.

Doch genau deswegen schwärmt Plößner von seinem Familienerbe: "Ich liebe das alte Zeug." Vielleicht hört man von ihm im Gegensatz zu vielen anderen Bauherren deswegen keine Klagen über den Denkmalschutz. Denn der 29-Jährige legt historische Maßstäbe selbst strenger aus als manche Behörde. Etwa bei der größten Tür im Gemäuer: Sie soll nur 1,60 Meter hoch werden, obwohl auch 1,90 Meter erlaubt wären. Aber Plößner möchte eben vieles wieder so haben, wie es Stadtzimmerermeister Wolfgang Näger anno 1786 einst geplant hatte.

Holzdecke statt Gewölbe

Erstmals ist der "Lederer" schon 1546 erwähnt. Danach wurde er mehrfach umgebaut. Plößner und seine Eltern haben sich entschieden, dass die Variante von 1786 das Vorbild sein soll. Daher kommen im ehemaligen Stall auch die "preußischen Kappen" weg. So heißen H-Träger aus Eisen, die zum Bau von Gewölben dienen. "Das ist typisch für die Zeit um 1890. Dort soll wieder eine Holzdecke hin."

Der "Lederer" hat mehrere Jahrhunderte hinter sich, entsprechend spannend sind die Umbauarbeiten am Gebäude in der Lindenstraße 1 in Neustadt/WN. Bilder: Stephan Huber

Auch das ursprüngliche Straßenniveau aus dem 18. Jahrhundert will der Pressather wieder zum Vorschein bringen. "Das Gebäude ist ja im Laufe der Jahrhunderte durch die Straße, durch Hochwasser, durch Auffüllungen gewachsen und sitzt jetzt einen halben Meter hoch auf Dreck."

Anfang oder Mitte 2016 soll alles fertig sein. Wie weit das Haus dann die jetzt erahnbare Fachwerkoptik preisgibt, ist offen. Auch für die Fassade hat der Besitzer kräftig recherchiert. "Ein Holzhaus war ja eher ein ärmliches Domizil. Oft haben die Besitzer deswegen durch Verputzen Mauerwerk vorgetäuscht." Vielleicht will Plößner es auch wie einst mit Kalkmilch schlämmen. Für all dies stimmt er sich mit dem Pressather Architekten Josef Reis ab. Das ganze Anwesen steht auf rund 1000 Quadratmetern Grund. Davon sind rund 350 Quadratmeter überbaut. Die Eigentümerfamilie rechnet mit Baukosten von knapp unterhalb einer Million Euro. Zuschüsse bekommt sie vom Bezirk, vom Landesamt für Denkmalpflege und durch ein kommunales Förderprogramm.

Museum trifft Gastronomie

Daher soll später auch die Öffentlichkeit mal etwas vom neuen "Lederer" haben. Josef Plößner möchte zwar darin wohnen, aber auch eine Art offenes Museum führen. "Es soll eine Bauernstube aus dem 18. Jahrhundert mit Originalmöbeln werden. Nichts soll hinter Glasvitrinen, man soll die Sachen anfassen dürfen." Am besten bei einem Glas Wein und Antipasti. Denn auch gastronomisch soll das alte Gemäuer ein Anziehungspunkt werden.

Sogar das Braurecht und ein Branntweinrecht wären eingetragen. "Aber Zoiglstuben haben wir in Neustadt eigentlich schon drei", winkt der Bauherr ab. Bis dies alles spruchreif ist, müssen er und seine Verwandten noch viel Bauschutt wegbringen oder beim Verschalen helfen. In den nächsten Wochen kommt das Dach an die Reihe.

Auch dann werden wieder neugierige Blicke die Sanierung verfolgen. Manch einer könnte sich sogar beteiligen, ist Plößner überzeugt. "Ich bin noch auf der Suche nach alten Fußbodenbrettern."
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