Wiener Seligkeit im Walzertakt

Das Salonorchester begeisterte bei seinem Auftritt in der Stadthalle. Dirigent Heribert Bauer (rechts) hatte das Ensemble gewohnt sicher im Griff.

Der Mutter hatten es Johann "Schani" Strauß und seine Brüder zu verdanken, dass ihr Talent gefördert wurde. Denn der Vater war dagegen. Und somit verdanken wir indirekt dieser Frau die wunderschönen Melodien, die Walzer und Polkas, die zeitlos Wiener Flair verbreiten.

Mit solchen Geschichten und Anekdoten moderierte charmant und humorvoll Maria Hirsch das Unterhaltungskonzert "Wien, Wien - nur du allein" des Salonorchesters Neustadt. Unter der Leitung von Heribert Bauer hatten sich mehr als 50 Musiker auf der Bühne der Stadthalle versammelt. Umrahmt von buntem Blumenschmuck der Gärtnerei Steinhilber präsentierten sie schwungvolle und liebenswerte Melodien.

Ein Marsch zum AuftaktDer Marsch "Wien bleibt Wien" von Johann Schrammel, dem Begründer der "Schrammel-Musik", bildete den Auftakt. "Wiener Bonbons" von Johann Strauß verbreiteten mit Geigen und Glockenspiel zuckersüße Stimmung. Ein Gefühl von Ballsaal machte sich in der Halle breit. Auch Robert Stolz hat wunderschöne Melodien geschrieben. Die Sopranistin Eva Danzl schwärmte von den blühenden Kastanienbäumen im Frühling: "Im Prater blühn wieder die Bäume" oder behauptete "Wien wird bei Nacht erst schön".

Danzl und Kamm im Duett

"Johann Strauß und Wien gehören zusammen", stellte Maria Hirsch fest. Sein Denkmal mit der Geige sei eines der meist fotografierten Wiener Motive. Leicht und schnell dirigierte Bauer die Polka "Leichtes Blut". Ein besonderer Gast war der bekannte Neustädter Tenor Ferdinand Kamm. Sehnsuchtsvoll sang er das Lied des verarmten Grafen Tassilo "Grüß mir mein Wien" aus der Operette "Gräfin Mariza" von Emmerich Kálmán. Kamms hoher Tenor sorgte für Gänsehaut und ließ das Publikum die Einsamkeit und das Heimweh des Grafen nachempfinden. Wunderschön im Duett sangen Danzl und Kamm "Wien, Wien nur du allein" von Rudolf Sieczynski. Bravorufe und Sonderapplaus belohnten die sängerische Leistung und Ausdruckskraft der beiden Künstler.

Die große Bandbreite des Orchesters bewies sich, als nicht nur die typischen Orchester-Instrumente dabei waren. Im Johann-Strauß-Walzer "G'schichten aus dem Wiener Wald" spielte Alexandra Moll auf der Zither ausgewählte Passagen. Traumhaft, abwechslungs- und spannungsreich präsentierte sich diese bekannte Melodie, Querflötentriller klangen wie Vogelgezwitscher, und man konnte beinahe Familien beim Waldspaziergang vor seinem geistigen Auge sehen. Eine Premiere gab es ebenfalls an diesem Nachmittag. Dirigent Bauer hatte aus zwei Walzern von Johann Strauß ein einziges Musikstück gemacht. "Wien wär schön, wenn die Wiener nicht wären", zitierte Hirsch. Dabei ginge es um deren ständiges Granteln und dass man ihnen nichts recht machen könne. Besonders festlich klang dagegen der Konzertwalzer "Wiener Bürger" von C. M. Ziehrer, der die Fantasie der Zuhörer in einen Ballsaal voller festlich gekleideter Menschen entführte. Das rhythmische Klatschen zum Deutschmeister-Regimentsmarsch von W. A. Jurek am Ende des Konzerts ging nahtlos über in begeisterten Beifall und Zugabe-Rufe.

Angekündigt als Überraschung spielte das Salon-Orchester, dessen Mitglieder generationenübergreifend zwischen 17 und 81 Jahren sind, den Walzer "An der schönen blauen Donau". Dabei spürten viele im Publikum sicher den Impuls, einfach aufzustehen und diesen schönen Walzer mitzutanzen. Der "Radetzki-Marsch" setzte den furiosen Schlusspunkt unter dieses begeisternde Konzert.
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